Der Hund zu Füßen des Zerbster Rolands ist nicht zum ersten Mal ohne Kopf. Der Kopf war bereits aufgeklebt. Steinmetzmeister Christian Keck erklärte gestern vor Ort, dass früher wie heute angewendete Klebe- und Reparaturverfahren "nicht ewig halten". Wahrscheinlich hat eingedrungene Feuchtigkeit und anschließender Frost die Teile auseinandergetrieben.

Zerbst. Der erste Verdacht, dass Randalierer sich den Roland vorgenommen hätten und dabei der Hundekopf abgeschlagen wurde, scheint sich nicht zu bestätigen. Schon beim ersten Blick auf die Bruchstelle war Steinmetzmeister Christian Keck sicher: "Wir haben hier eine regelrechte Fuge, der Kopf ist auf den Rumpf der Figur aufgesetzt worden. Ein übliches Verfahren, vielleicht schon damals eine Reparatur. Auf jeden Fall ist das kein Bruch einer bislang einteiligen Skulptur", so Keck. Der Kopf könnte "vom Frost abgesprengt worden sein. Oder die Fuge war nicht mehr sonderlich fest, so dass ein Anstoß oder stumpfer Schlag gereicht hat, damit der Kopf abfällt. Dazu müsste man die Bruchstücke untersuchen.""

"Na bloß gut", meinte Rat-haussprecher Jan Hädrich. Es wäre "wirklich schlimm für das Ansehen der Stadt, wenn die eigenen Bewohner tatsächlich so mit den eigenen historischen Wahrzeichen umgehen würden." Seiner Bedeutung entsprechend soll der Roland "natürlich repariert werden. Doch dazu muss der genaue Schaden erst einmal festgestellt werden, zum anderen müssen natürlich auch die Mittel für solche Arbeiten verfügbar sein."

Unterdessen hat die Erst-Vermutung, dass Randalierer den Sandstein-Kopf abgeschlagen hätten, zu massiven Forderungen geführt, das Anfang der 1990er Jahre errichtete Gitter um den Roland erneut aufzustellen (siehe auch Lesermeinungen auf der 4. Lokalseite). Am vergangenen Mittwoch beantragte die CDU-Stadtratsfraktion, den Zaun auf dem neu gestalteten Marktplatz wieder aufzubauen. Am 30. März wird dieser Antrag im Stadtrat diskutiert, blickt Hädrich voraus. Bis dahin werde die Stadtverwaltung "nicht aktiv. Wir werden die politische Diskussion und den Beschluss des Stadtrates dazu abwarten."

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