"Du bist spitze!" Acht Kandidaten bewerben sich um den Titel "Lokalmatador 2010". Den Sieger ermitteln einzig die Volksstimme-Leser mit dem Abstimmungs-Coupon. In den nächsten Wochen stellen wir alle Kandidaten mit ganz persönlichen Geschichten vor. Heute: Sonja Hahn aus Garitz.

Garitz. "Hintenrum", sagt Sonja Hahn lächelnd, "hintenrum habe ich meinen Wunschberuf nun doch fast noch erreicht." Kunstlehrerin fürs Gymnasium wollte die Garitzerin ursprünglich werden. Für das Studium an der Kunsthochschule aber "war ich nicht Künstlerin genug". Dennoch blieb Sonja Hahn der Kunst verbunden, der Kunsthistorie konkret. Und mit ihren Vorträgen, ihrer Dozententätigkeit, vorwiegend aus dem Ehrenamt, sei sie eben auch ein wenig Lehrerin.

Doch der Reihe nach. Geboren im westfälischen Herford zieht Sonja Hahn schon nach ein paar Wochen das erste Mal um. Viele weitere Umzüge folgen, bedingt durch den Beruf des Vaters, der Maschinenbauingenieur ist. Immer wieder wird und ist Berlin eine Station. Hier macht sie ihr Abitur, hier studiert sie Kunstgeschichte, arbeitet zunächst auf Honorarbasis für die Senatsverwaltung, heiratet, bekommt die beiden heute 14- und 16-jährigen Töchter.

Hahns wohnen mitten in der Stadt und suchen schon bald etwas, um sie am Wochenende verlassen zu können. Sie gucken sich im Berliner Speckgürtel um und finden nichts, ziehen die Kreise größer ... "Irgendwann standen wir in Garitz. Das hat uns auf Anhieb gefallen." Den Wochenend-Visiten folgt 1999 der Umzug. An der Spree bleibt eine kleine Wohnung. Ehemann Ullrich arbeitet weiterhin in Berlin. Für die Kunsthistorikerin bringt der neue Lebensraum nur schwierig Arbeitsmöglichkeiten. Das weiß sie, sieht sich aber zunächst mit Kindern und Haus gut ausgelastet.

"Dann sollte in Garitz die Kirche saniert werden", erzählt sie. Ein einfacher Satz, der den Einstieg in ein Sonja-Hahn-Engagement beschreibt, das heute quasi ein Vollzeitjob ist. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte der Garitzer Kirche. Weitere Kirchenbauten kommen dazu.

Sonja und Ullrich Hahn unterstützen von Beginn an Pfarrer Thomas Meyer in seiner Initiative für die Gründung der Stiftung "Entschlossene Kirchen" im Kirchenkreis Zerbst. Die Stiftung ist im sechsten Jahr. Sonja Hahn von Beginn an ihre Vorsitzende.

"Die Zeit ist superschnell vergangen. Und währenddessen hat sich irgendwie Weiteres entwickelt", so die Wahl-Garitzerin. Hahns engagieren sich stärker in der Kirchengemeinde. Mann Ullrich gehört inzwischen der Synode des Evangelischen Landeskirche Anhalts an. Seit eineinhalb Jahren steht Sonja Hahn als Präsidentin auch der Lutherwegsgesellschaft vor, dem Trägerverein für den 410 Kilometer langen Lutherweg in Sachsen-Anhalt. Und in Kirchenführer-Seminaren, in verschiedenen Gästeführerausbildungen, in Vorträgen und Führungen, etwa durch das in Garitz entstandene Dorfkirchenmuseum, gibt Sonja Hahn ihr Wissen weiter.

Der Spaß, das Interesse, das Lohnenswerte, das sie in all dem sieht, das möchte sie weitergeben. In der Stiftung, so die Erfahrung, "ist es schwer, Geld einzuwerben. Das gelingt am besten bei konkreten Projekten". Am wichtigsten sei aber, "Öffentlichkeitsarbeit zu machen, aufzuklären, was das Interessante an den Bauten ist, warum es sich lohnt, sie anzusehen", sagt sie. Dazu gehört, den Menschen in den Orten "deutlich zu machen, was sie mit den Bauten Besonderes haben". Sie "sollten sich als Hüter der Kirchen verstehen, sie nicht einfach nur für Besucher aufschließen". Solche Leute möchte Sonja Hahn noch mehr finden und begeistern, aber nicht nur in den Kirchengemeinden. "Hauptsache, sie haben Spaß und sind stolz auf ihre kleinen Kirchen." Ein Weg sind die Kirchenführerseminare, die Sonja Hahn gemeinsam mit der Evangelischen Erwachsenenbildung organisiert. Am 2. April wird solch eine Veranstaltung wieder in Eichholz stattfinden. "Sie sind in den letzten Jahren immer besser angenommen worden", sieht sie sich in ihrem Weg bestätigt.

Der Lutherweg ist eine andere Dimension. "Es gibt ihn erst seit drei Jahren, er aber hat deutlich mehr öffentliche Wahrnehmung. Wir müssen daran arbeiten, dass die große Erwartungshaltung erfüllt wird", so Sonja Hahn. Auch in Thüringen und in Sachsen wird an Lutherweg-Strecken gearbeitet. "Das wird eine große Sache für Mitteldeutschland", weiß Sonja Hahn. Für Sachsen-Anhalt "arbeiten wir derzeit an einem Wanderführer für den Lutherweg." In Dessau fand vor Kurzem der erste Lutherwegtag statt. Ein Netzwerk soll entstehen. Eine erste Veranstaltung ist für November ge-plant. "Es wird wichtig sein, alle Akteure am Lutherweg unter einen Hut zu bekommen", zeichnet die Präsidentin einen wesentlichen Ansatz für die nächste Zeit.

"Mit viel Spaß und sehr gespannt darauf" geht eine stets freundliche und offene Sonja Hahn die kommenden Aufgaben an. Die Familie weiß sie hinter sich, "sonst würde das so nicht gehen".