Die ersten zehn von voraussichtlich 100 Beschäftigungsverhältnissen über Bürgerarbeit im Raum Zerbst begannen am 1. März. Die Verträge laufen über drei Jahre.

Zerbst. Total pünktlich, ein wenig aufgeregt und voller Freude nahmen am Dienstag insgesamt zehn Personen eine auf drei Jahre befristete Tätigkeit im Rahmen der "Bürgerarbeit" auf. In der Volkssolidaritäts-Begegnungsstätte am Breitestein beispielsweise wird nun Gertrud Schumann "über Land" zu den 41 Ortsgruppen fahren. Veranstaltungen wie auch die ganz alltägliche Betreuung organisieren, aber auch individuelle Einkäufe begleiten gehören zu ihren Arbeitsaufgaben. In Zerbst gibt es zwölf Ortsgruppen, speziell die Begegnungsstätte in Zerbst-Nord hat mit rund 500 Besuchern den größten Zulauf. Hier werden seit Dienstag Hannelore Golge und Lyuba Polyak tätig, halfen beispielseise beim Kaffeeausschank, als die Senioren sich zum Skat trafen.

"Typische Beispiele für Bürgerarbeit" seien dies, erklärte Bärbel Wohmann, die Chefin der KomBA Anhalt-Bitterfeld. Insgesamt 730 solcher Bürgerarbeitsplätze werden nach und nach im Landkreis eingerichtet, 100 allein im Gebiet der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst. Bürgerarbeit setze nahezu nahtlos an "abschmelzende Eingliederungsleistungen des Bundes an", wie Andreas Dittmann erklärte. Auch er war zum 1. Arbeitstag der drei Frauen in die Begegnungsstätte gekommen, um den Fakt als solchen zu würdigen. "Arbeitsgelegenheiten enden ersatzlos, Ein-Euro-Jobs werden zurückgeschraubt, da kommt Bürgerarbeit genau richtig", meinte Dittmann, dieses Mal als Kreistagsvertreter wie auch als Aufsichtsratsvorsitzender der B & A-Gesellschaft.

Deren Geschäftsführerin Petra Lindner und ihre Mitarbeiter hatten im Vorfeld alle aus dem Bereich Zerbst stammenden Anträge und Projekte für Bürgerarbeitsstellen gesichtet, aufbereitet und der Beurteilung zugeführt. Weit über 100 wären genehmigungsfähig, "der Bedarf nach Unterstützung, vor allem im sozialen, kulturellen und touristischen Sektor ist zweifellos gegeben", meinte sie. Eine Vielzahl Bürgerarbeitsstellen seien neben den klassischen Wohlfahrsverbänden beispielsweise im Bereich der Sportvereine, aber auch bei den Kommunen selbst vorgesehen.

Bürgerarbeit ist ein bundesweites Programm. Es besteht aus vier Etappen, speziell die Letzte bricht gerade an. Die Teilnehmer entstammen einer ALG II-Bedarfsgemeinschaft, es gibt jedoch weder eine Altersbeschränkung noch sonstige Eignungsausschlüsse. Dem Einsatz ging ein Interessenbekundungsverfahren voraus (wo sich der Landkreis erfolgreich gegenüber dem Bund hat einbringen können), die konzeptionelle Vorarbeit mit Antragsverfahren und dann auch eine sechsmonatige Aktivierungsphase, die jeder "Bürgerarbeiter" zu durchlaufen hat. So sollte sichergestellt werden, dass tatsächlich keine anderweitige Aussicht auf Arbeit besteht, zugleich der Eignungsgrad der Person für die vorgesehene Bürgerarbeit stieg.

Für wöchentlich 30 Stunden Arbeit gibt es monatlich 900 Euro brutto. Dieses Entgelt wie auch den Arbeitgeberanteil der Sozialleistungen bezahlt der Bund. Außerdem stellt der Landkreis dem Arbeitgeber pro Bürgerarbeiter und Monat 100 Euro Sachkostenzuschuss zur Verfügung. Diese Mittel konnte der Landkreis sichern, weil sich der Bund neuerdings stärker an den Kosten der Unterkunft für ALG II-Bedarfsgemeinschaften beteiligt. "Das ist ein großes Entgegenkommen des Kreises an die Nutznießer der Bürgerarbeit. In anderen Kreisen zahlen sie die Sachkosten selbst", erklärte Landkreis-Dezernent Dieter Reineck.

Bereits zum 1. April werden weitere 34 Personen direkt von der Stadt unter "Bürgerarbeitsvertrag" genommen. 21 werden in der Kinder- und Jugendbetreuung eingesetzt. Weitere sieben werden verschiedene touristisch interessante Radwege ertüchtigen. Sechs Männer und Frauen werden die Öffnungszeiten der Katharina-Sammlung absichern helfen, werden Gästegruppen durch die Stadthalle führen, den Verkehrsverein unterstützen und vieles ähnliches mehr.