Annekatrin Els aus Bornum hat in Uganda eine zweite Heimat gefunden. Seit 2009 engagiert sich die 28-Jährige in dem ostafrikanischen Land. Ehrenamtlich arbeitet sie in zwei Waisenhäusern in Entebbe. Ihr Wunsch ist es, dass die Kinder eine lebenswerte Zukunft haben.

Bornum/Entebbe. "Ich bin noch nicht fertig mit Uganda", sagt Annekatrin Els und lacht. Ihre Augen strahlen, wenn sie von dem ostafrikanischen Land erzählt. Es ist deutlich zu spüren, wie sehr ihr Herz an den Waisenkindern hängt, mit denen sie zu tun hat. Nein, die blonde Bornumerin denkt nicht daran, die Menschen dort allein zu lassen. Sie möchte, dass die Kinder eine Zukunft haben.

Inspiriert dazu, selbst aktiv zu werden, hat Annekatrin Els ein tatkräftiges Duo aus Rostock. Im September 2007 las sie einen Beitrag über die German Secondary School Uganda, die von zwei Gleichaltrigen gegründet wurde - von Anke Dreier und Marcel Horning. "Ich dachte: ,Wie toll, dass es Leute gibt, die so was machen\'", erzählt die 28-Jährige. Sie nahm Kontakt zu den Beiden auf und organisierte Flohmärkte, um das Projekt zu unterstützen.

Darüber hinaus übernahm sie die Patenschaft über einen Jungen, der mit seinen elf Geschwistern in Westuganda lebt. Aaron ist mittlerweile 18. Bereits zweimal hat ihn Annekatrin Els zu Haus besucht. "Einmal war ich zu einer Hochzeit eingeladen", hat sie noch die Bilder von dem zweitägigen Fest vor Augen.

"Ich habe mich total in die Zwerge verliebt"

Vielfältige Erlebnisse verbindet die sympathische Bornumerin bereits mit dem Land am Äquator, das sich seit August 2009 zunehmend zu ihrer zweiten Heimat entwickelt hat. Damals begann ihr Freiwilligendienst. Annekatrin Els berichtet von "Weltwärts", einem Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Es ermöglicht jungen Menschen, sich ehrenamtlich in Entwicklungsländern zu engagieren.

Die 28-Jährige, die nach dem Studium fünf Jahre in Frankfurt als Unternehmensberaterin tätig war, entschied, dass das genau das Richtige für sie war. So gelangte die weltoffene Sachsen-Anhalterin nach Uganda. Ihr erster Eindruck: "Was für ein Chaos." Zugleich staunte sie über die Gelassenheit der Menschen. "Die haben die Ruhe weg", formuliert es Annekatrin Els. "Es geht nicht, dass man morgens den Tag plant und am Ende war es so", schildert sie die verschiedenen Dinge, die einem dazwischen kommen können. Mal fällt der Strom aus, dann gibt es kein Wasser oder aber es regnet und man gelangt plötzlich nicht mehr von A nach B.

Sofort gefangen genommen hat Annekatrin Els die Landschaft. "Entebbe liegt direkt am Viktoriasee. Es ist alles sehr, sehr grün dort." Inmitten dieser tropischen Idylle lernte sie bei ihrer Arbeit in zwei Waisenhäusern der Stadt berührende Schicksale kennen. Zwischen drei Monaten und 18 Jahren sind die Kinder, die dort aufwachsen. Nicht alle sind Waisen. Viele gelangten in die Einrichtungen, weil sie von ihren Eltern vernachlässigt oder gar verstoßen wurden. "Ich habe mich total in die Zwerge verliebt", gesteht die einfühlsame Bornumerin. Um so härter traf es sie, als ihnen ein Baby unter der Hand wegstarb. "Das war das Schlimmste." Berührt schildert Annekatrin Els, wie Leute an Malaria oder scheinbar einfachen Krankheiten sterben - viele lassen sich auch noch von Hexendoktoren behandeln. "Man lernt dort, den Tag zu genießen", erklärt die junge Frau. Zugleich beschreibt sie den Optimismus der Ugander: "Überall sieht man ein Lächeln im Gesicht, obwohl manche nicht wissen, ob es am Abend Essen gibt."

Es ist deutlich spürbar, wie viel der 28-Jährigen die Menschen dieses afrikanischen Landes bedeuten. Die kleine Ruthi, die am 14. Mai zwei Jahre alt wird, hat es ihr besonders angetan. Das aufgeweckte Mädchen wurde von seiner psychisch kranken Mutter oft einfach irgendwo ausgesetzt. "Ich werde sie adoptieren", verrät Annekatrin Els.

Doch auch für all die anderen Mädchen und Jungen möchte sie etwas bewegen. "Was die Kids bräuchten, wäre eine richtig gute Schulbildung, um selbst was ändern zu können", sagt sie. Das allerdings ist mit Kosten verbunden. So fallen in Uganda Schulgebühren an. Deshalb wirbt die Bornumerin für Spenden. Dabei denkt sie nicht an große Summen. "Wir möchten Leute, die regelmäßig kleine Beträge spenden. Fünf Euro sind dort unten zwei Tageslöhne", erklärt sie und betont: "Alles Geld, was reinkommt, wird für die Kinder verwendet." So wird davon auch das Gehalt der ugandischen Betreuerinnen gezahlt, die in den beiden Waisenhäusern - im Purpose Uganda Babies Home und im Malayaka House - beschäftigt sind. Die Spender würden monatlich informiert werden, was vor Ort passiert, ergänzt Annekatrin Els.

"Man lernt dort, den Tag zu genießen"

Sie berichtet ebenfalls von dem Plan, eine Bäckerei zu eröffnen, in der die Jugendlichen eine Ausbildung machen können. Zudem sollen in dem Laden eines Tages ebenfalls Marmelade, Schmuck und Kleidungsstücke angeboten werden, "so dass eine Einnahmequelle da ist", skizziert die 28-Jährige die Überlegungen. "Entwicklungshilfe funktioniert nur, wenn die Leute merken, sie werden beteiligt und wenn man akzeptiert, dass man vor allem bereit sein muss, auch von den Leuten hier zu lernen und zu verstehen, warum Sachen gemacht werden. Es ist sonst zu einfach, Menschen und Kulturen zu verurteilen", erklärt sie leidenschaftlich. "Und das ist ja auch die größte Kunst der Entwicklungshilfe; etwas mit den Menschen vor Ort zu entwickeln und nicht einfach nur den deutschen Stempel aufzudrücken."

Ihr Freiwilligenjahr ist längst vorbei. Den Rücken kehrt die Bornumerin Uganda vorläufig nicht zu. "Bis September 2013 läuft meine Arbeitserlaubnis." So lange will Annekatrin Els auf alle Fälle erstmal in dem Land bleiben, in dem sie sich so gut eingelebt hat. Sie kann sich in der Hauptsprache Luganda verständigen und spielt in ihrer Freizeit in einem Rugby-Team neben lauter Uganderinnen. Inzwischen hat die 28-Jährige mit Hochschulabschlüssen in Marketing und International Business Management auch einen Job bei einer Safarifirma in Kampala gefunden. Seit dem 1. März arbeitet sie dort. An den Wochenenden kehrt Annekatrin Els aber stets nach Entebbe zurück, wo sie sich weiterhin ehrenamtlich in den Waisenhäusern engagiert.