Die diesjährige Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Zerbst verlief deutlich entspannter, unterhaltsamer, freudiger als bislang, ließ jedoch an keiner Stelle den gebührenden Ernst vermissen. Auch die 20 Gäste der befreundeten Feuerwehr Jever ließen sich vom Vortrag des Ortswehrleiters mitreißen. In zwei Wochen fahren die Zerbster zum Gegenbesuch nach Jever.

Zerbst/Gollbogen. Mit einem zackigen "Uniformträger: Aaaaaachtung! Stillgestanden!" waren die Kameraden der Zerbster freiwilligen Feuerwehr bislang noch nie in eine Jahreshauptversammlung hineinbefohlen worden. Wenig später legte sich die Nervosität: Ortswehrleiter und "Befehlshaber" Steffen Schneider nahm sich viel Zeit, um seinen Kameraden ganz herzlich zu danken. Eine "Wahnsinnsbeteiligung" habe die Wehr hingelegt bei den vielen Aktivitäten im Jahr 2010. Den Feuerwerken, den Umzügen, dem Ausbildungswochenende in Grimme, dem Tag der offenen Tür. "Ich ziehe meinen Hut vor dieser Wehr", so Schneider. Mit großer Freude auf den Gesichtern durfte sich diese dann wieder setzen.

So anders ging es weiter. Freilich bilanzierte auch Schneider das Jahr 2010. Von den 191 Einsätzen der städtischen Wehr insgesamt (also des Verbundes sämtlicher Ortswehren) entfielen 86 allein auf die Ortswehr Zerbst. Schneider holte die außergewöhnlichen ins Gedächtnis zurück: Die Gebrauchsanweisung im neuen Backofen beispielsweise, als der erstmals auf Touren geschickt wurde und prompt den gesamten Hausflur verräucherte. Oder die stattgrünen Koniferen, die ausgerechnet zu Ostern tatsächlich brannten, obwohl die Kameraden sich sicher waren, ein Osterfeuer vor sich zu haben. Oder der Klassiker - der Topf auf dem Herd, der auf den Alarmmeldern der Kameraden als "Wohnungsbrand" erschien und zur äußersten Eile mahnte.

Es gab auch die komplexen, schwierigen und auch die tragischen Einsätze. Drei Großbrände (unter anderem in Walternienburg und in der Zerbster Käsperstraße), ein Feldbrand bei Pakendorf fallen darunter. Fünfmal war die Feuerwehr zum Öffnen von Wohnungstüren gerufen worden - in zwei Fällen waren die jeweiligen Bewohner dahinter tatsächlich wie befürchtet verstorben. In einem weiteren Fall zeigten sie ihre Talente als Schlosser. Als die Heizung in der Kita Heide modernisiert wurde, entwich Dampf aus einer Leckstelle. Der Alarm wurde automatisch ausgelöst, die Kameraden verschlossen entsprechende Ventile - und hatten einen "Brand gelöscht".

Nächstes Thema: Schnelligkeit. Im Schnitt brauchte die Wehr zehn Minuten bis zum Gerätehaus, weitere drei bis zum Einsatzort. Allerdings wird die Statistik durch Einsätze im Hochwassergebiet hinter Wittenberg verfälscht. "Wir halten die gesetzlich geforderten zwölf Minuten gerade so ein. Aber weniger geschlossene Schranken und vor allem mehr Straßenfreiheit in der Dessauer Straße vor der Schule wären gut, um schnell ins Gerätehaus zu kommen."

Die Wehr besteht aktuell unter anderem aus 42 aktiven Kameraden. Drei fallen durch Mutterschutz-Zeit, Verfügbarkeit nur für leichten Dienst und "Dauerabwesenheit" heraus. "Und zudem haben wir erfreulicherweise zwei werdende Muttis in der Wehr. Das macht mir hinsichtlich der Einsatzbereitschaft Sorgen." Auch 2011 soll weiter unverdrossen um neue Mitglieder geworben werden.

Bürgermeister Helmut Behrendt stellte fest, "der neue Wehrleiter Steffen Schneider hält die Wehr gut zusammen. Ihr habt ein tolles Klima in der Wehr, alle Achtung." Wenig später äußerte sich auch Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut deutlich anerkennend.

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