Es war richtig "Leben in der Bude". Etwas sehr salopp formuliert traf das für das Museum der Stadt Zerbst am Sonntag zu. "188 ist schon eine bemerkenswerte Gästezahl", freut sich Museumsdirektor Heinz-Jürgen Friedrich über das große Interesse an den Veranstaltungen der Zerbster Kulturfesttage. Am Sonntag war das vor allem der Kreativtag.

Zerbst. Richtig was los war auch in der "Tonne", dem neugestalteten Veranstaltungsraum des Museums. "Ab 10 Uhr hatten wir ständig Gäste. Manche guckten nur mal kurz rein, andere blieben länger", erzählt Katrin Fahle, die in Gödnitz die Kerzenmanufaktur "Kerzeria" betreibt. Bei ihr waren es vor allem Kinder, die die Bastelangebote rege nutzten. Derweil waren einige Eltern und Großeltern in den Ausstellungen unterwegs.

Ausschließlich Frauen waren bei Elvira Hörnke aus Gommern beim Strickcafé aktiv. "Klar kann man stricken oder häkeln und sich dabei auch unterhalten. Nicht nur über Maschen und Stricktechniken", lacht die "Vorstrickerin". Kurz vor Schluss um 17 Uhr kamen von Jutta Wunderlich noch Kaffee und Kuchen. Auch ein Sektkorken knallte: "Weil es so ein toller Tag war."

Mit dabei im Künstlerangebot war Robin Haberland aus Rodleben. Von ihr erfuhr der Gast, dass und wie man aus Speckstein Kreatives schaffen kann. Und die interessierten Besucher konnten es auch selbst versuchen.

Die Vorsitzende Monika Schönfeld stellte am Sonntag in Zerbst den 2008 gegründeten 1. Dessauer Puppenklub vor. Sie gab Einblick in die Klubarbeit: "Sammeln, Fertigen, auch Reparieren von Puppen aller Art, Teddys und Plüschtieren, inklusive selbstgefertigtem Zubehör".

Plötzlich war lautes Motorsägengeräusch zu hören. Ein Blick in den Museumsinnenhof brachte Aufklärung. Peter Haake, Wildholzdesigner aus Strinum, "schnitzte" mit seiner Kettensäge Skulpturen aus einem rohen Holzstamm.

Bedeutend filigraner ist das Tun von Sabine Brauns aus Zerbst. Bei ihr sahen und erfuhren die Kreativtag-Gäste, was ein Klosterstich ist, eine mittelalterische Handarbeitstechnik. An eigenen Entwürfen demonstrierte Sabine Brauns diese Sticktechnik.

Frank Schöttke zeigte die Möglichkeiten der Airbrushtechnik. Auch hier war Selbermachen möglich.

Künstlerisch kreativ war auch der aus Roßlau stammende Stefan Koschitzki zu erleben. Sogar auf zwei Ebenen. Er nennt sich "Fineliner", weil er seine Zeichnungen mit einem einfachen dünnminigen Bürofallbleistift fertigt. Seine zweite "Kunstäußerung" ist das aufgeschriebene und gesprochene Wort. Um 11 Uhr, vorwiegend für Kinder, und um 14 Uhr las er in den Kreuzgängen des Zerbster Museums Geschichten aus seinem 2010 erschienenen Hör-Hin-Buch "Das Herz ist ein Nest."

Auch aus den beiden noch im Schaffungsprozess befindlichen Hör-Hin-Büchern "Die Tiefe der Welt" und "Was mir am liebsten ist" hat Stefan Koschitzki einige seiner skurril-wahren Kurzgeschichten gesten- und mimikreich sowie sprachgewandt vorgestellt. Unter anderem eine über die verzwickten Beziehungskonflikte zwischen Zwergen und einer Riesin.

 

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