Innerhalb von wenigen Tagen wurden bei Zerbst wieder Schafe gerissen. Doch anders als am Wochenende sind beim Vorfall in Trebnitz gestern Morgen zwei Hunde verantwortlich.

Trebnitz. Der Schock sitzt tief bei Helmut Gerloff. Der Güterglücker wurde nach seiner Nachtschicht gestern Morgen von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Gegen halb elf hatte er den Anruf erhalten: "Ihre sechs Schafe sind tot. Von Hunden gerissen."

Der Anblick im Gehege am Ortsrand von Trebnitz, wo die Schafe weideten, war grausam. Entlang eines angrenzendes Baches lagen die sechs Tiere, die gesamte Herde, verstreut. "Die vier Muttertiere waren trächtig, ich habe jeden Tag mit der Geburt der Lämmer gerechnet", erzählt Gerloff, während er die Kadaver auf einen Anhänger auflädt. Die Kamerunschafe sind etwa 100 Euro je Tier wert. Gerloff hatte die Herde als Hobby. Wegen des Wildgeschmacks ist die Art beliebt. "In diesem Jahr werde ich keine Würstchen machen können", sagt Gerloff resigniert. Stattdessen muss er die Kadaver entsorgen lassen. "Und das kostet", so Gerloff.

Entdeckt hatte die toten Schafe der Trebnitzer Jürgen Sandmann. "Ich sah gegen zehn Uhr meinen Schäferhund mit zwei fremden Hunden auf meinem Hof", erinnert sich Sandmann. Lotti, seinen eigenen Hund, sperrte der Trebnitzer daraufhin weg und folgte den beiden anderen Hunden, einer schwarzen Dogge und einem Deutschen Schäferhund, in den hinteren Teil seines Grundstückes. Am Bach, der das Gelände zur Schafskoppel abtrennt, lagen die angegriffenen Tiere am Ufer, zum Teil im Wasser.

"Die fremden Hunde waren ganz ruhig, als wäre nichts gewesen", sagt Sandmann. Er rief die Polizei. Mit den Beamten leinte er die Hunde an. Der hinzugerufene Amtstierarzt veranlasste, dass zwei der verletzten Schafe von ihrem Schicksal erlöst werden. Das nahm Tierarzt Wolfgang Lüdecke vor.

"Diese Hunde sind hier bekannt", erklärte der wenige Stunden nach seinem Einsatz gegenüber der Volksstimme. Lüdecke ist auch Jäger. "Die Hunde gehören einer Frau aus dem Nachbarort. Sie reißen immer aus und wildern dann in den umliegenden Wäldern." Dass sie sich nun an den Schafen vergriffen haben, damit hätte Lüdecke nicht gerechnet. "Ich überlege, ob ich Anzeige wegen Wilderns erstatte", ist der Tierarzt erbost über die aus seiner Sicht mangelnde Kontrolle der Hundebesitzerin über die Tiere.

Was mit den Hunden passiert, entscheidet das Zerbster Ordnungsamt. Wegen des gestrigen Angriffs der Dogge und des Schäferhundes muss das Amt nun prüfen, ob die Tiere als gefährlich einzustufen sind. Dazu wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleitet und die Hundebesitzerin vorgeladen. "Die Hunde sind der Stadt in der Vergangenheit nur dahingehend aufgefallen, dass sie vereinzelt entgegen den Regelungen der Gefahrenabwehrverordnung unbeaufsichtigt umher liefen und in das städtische Tierheim gebracht wurden", erklärt Stadtsprecher Jan Hädrich. Durch Beißvorfälle oder aggressives Verhalten gegen Mensch oder Tier seien sie bisher nicht in Erscheinung getreten.

"Über Art und Umfang weiterer Maßnahmen kann erst nach vollständigem Abschluss der Einzelfallprüfung entschieden werden", erklärte Hädrich gegenüber der Volksstimme.