Die Finanzlage der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst ist angespannt. Um den Haushalt in diesem Jahr noch einmal ausgleichen zu können, sollen auch die einzelnen Ortschaften einen Deckungsbeitrag leisten. So ist vorgesehen, die Verfügungsmittel auf 6 Euro je Einwohner zu kürzen. In Grimme rief der Vorschlag Resignation hervor. Zugleich kritisierten die Ratsmitglieder die Unübersichtlichkeit der neuen Ansätze.

Grimme. "2,4 Millionen Euro hat die Stadt Zerbst aus ihren eigenen Rücklagen entnommen, um den Haushalt in diesem Jahr zu decken. Dieses hat aber auch zur Folge, dass unsere Mittel gekürzt wurden." Mit dieser kurzen Erläuterung leitete Ortsbürgermeisterin Elke Böttge auf der jüngsten Ratssitzung die Haushaltsberatung ein. Für Grimme bedeutet der Beitrag, den die Ortschaften zum Ausgleich des Etats erbringen sollen, einen erheblichen Einschnitt. Während der kleine 161-Einwohner-Ort im vergangenen Jahr noch insgesamt 4900 Euro für Veranstaltungen, Zuschüsse an Vereine und die Kirche sowie Ehrungen, Jubiläen und Partnerschaften ausgeben konnte, sollen die Gelder für diese freiwilligen Leistungen 2011 auf 1000 Euro verringert werden. Die Summe resultiert aus dem Vorschlag der Kämmerei, die Verfügungsmittel pauschal mit 6 Euro je Einwohner zu veranschlagen.

"Was wir mit diesem Betrag anfangen sollen, weiß ich nicht", resignierte Elke Böttge fast und fügte an: "Ich habe wirklich keine Ahnung, wie das in Zukunft hier aussehen soll." 2500 Euro standen im vorigen Jahr allein für die Dorffeste wie Heimat- oder Erntedankfest zur Verfügung. "Was will man denn jetzt noch damit bekleistern?", fragte sich auch Heike Krecklow. Das Ansprechen von Sponsoren wurde als Alternative aufgezeigt, die aber wohl nicht greifen wird. "Ich kann mir gut vorstellen, dass das schwierig wird", stellte die Ortsbürgermeisterin klar.

Ein weiterer Streitpunkt war Unübersichtlichkeit des neuen Haushaltsansatzes. Die Kosten für Jugendclub, Bürgerhaus und Mehrzweckhalle tauchen alle in einer Position auf. "Was nutzt mir denn die Summe insgesamt. Ein Aufschlüsselung wäre schön", meinte Ratsmitglied Jens Reimann.

Einen großen Diskussionspunkt bildeten ebenfalls die hohen Stromkosten, die sich vor allem aus der Nutzung des Jugendclubs ergaben, wie Elke Böttge auf Nachfrage herausbekam. "Knapp 4200 Euro ist wirklich sehr viel, da muss was gemacht werden", fand auch Jens Reimann.

Hohe Stromkosten rufen Diskussion hervor

Die einzelnen Gebäude mussten im langen Winter zumindest frostfrei gehalten werden und der Jugendclub wurde regelmäßig besucht, waren die Gründe für den Anstieg der Energiekosten. Gespräche mit den Jugendlichen hat es bereits gegeben, Kontrollen finden statt und werden auch weiterhin durchgeführt. "Vielleicht kann man hier mal über einen Anbieterwechsel nachdenken oder eben nach technischen Möglichkeiten die Heizkörper optimieren", gab Jens Reimann als Ratschlag mit auf den Weg.

Mit 13 800 Euro ist die Rücklage der Ortschaft für dieses Jahr aufgebraucht, sie macht nach dem vorliegenden Haushaltsansatz sogar 800 Euro minus. "Wir können froh sein, dass wir soweit alles gemacht haben in der Gemeinde, es stehen also keine Investitionen mehr an", bemerkte die Ortsbürgermeisterin und fügte resigniert hinzu: "Insgesamt können wir uns glücklich schätzen, wenn wir unsere Pflichtaufgaben noch erledigen können."