Es gibt unzählige Juwelen, die in Zerbst zu finden sind. Kleine verschlafene Ecken, große beeindruckende Bauwerke, Spuren historischer Persönlichkeiten, die mitunter erst auf den zweiten Blick zu sehen sind. Und es gibt engagierte Stadtführerinnen, die diese Juwelen interessierten Besuchern aus nah und fern zeigen. Auch sie sind Zerbster Juwelen.

Zerbst. Die Schätze von Steutz zeigen sich nicht bei der ersten Durchfahrt des Örtchens auf der Bundesstraße. Viele Schilder machen auf die verschiedensten Sehenswürdigkeit aufmerksam, ein kurzer Blick in eine Seitenstraße lässt Kirche und Gutsherrenhaus vorbeihuschen. Selbst manch Pendler entdeckt immer wieder Neues auf den wenigen Metern durch den kleinen aber sehr regen Zerbster Ortsteil, der für Stadtführerin Monika Sauer schon immer etwas ganz besonderes war: ein besonderes Zuhause.

"Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen"

"Ich bin hier aufgewachsen und interessiere mich von jeher für Geschichte und Natur. Beides verbindet sich hier wunderbar", sagt die 51-Jährige. "Mir ist es wichtig, die enge Verbindung zwischen Zerbst und Steutz zu zeigen. Seit vergangenem Jahr sind wir die flächenmäßig fünftgrößte Gemeinde Deutschlands mit einer erstaunlichen Geschichte in Zerbst, aber auch im Umland, wie hier in Steutz. Außerdem ist Zerbst seitdem unmittelbarer Elbeanrainer. Mit der Fährstelle Aken und der Gierfähre kommt noch eine Attraktion hinzu."

Viele Jahre lang war es das Gutshaus mitten im Ort, von dem große Teile des kulturellen Lebens ausgingen. Heute, neben der Schauschmiede, ist es ein Lieblingsort von Monika Sauer. 1409 ist das Gutshaus erstmals offiziell in Dokumenten erwähnt worden, war zwischendurch über 100 Jahre lang im Besitz des Fürsten von Anhalt. Im 19. Jahrhundert gelangte es in Privatbesitz, wurde 1922 vom Gutsbesitzer umgebaut. "Nach 1945 ist das Haus dann enteignet worden, eine Kita und eine Schule waren hier drin und haben ihre Spuren hinterlassen", erzählt Monika Sauer. Alte Einwohner, die zu Kindertagen noch im Haus mit den Kindern der Gutsbesitzer spielen durften, erzählen von einem wunderschönen Kamin und einem blauen Salon, den es geben hat.

Heute befindet sich im Haus eine Bibliothek, ein großer Saal, der schon unzählige Feiern miterlebt hat, die Heimatstube und Ottilies Laden - eine Steutzer Institution. 1882 eröffnete das Geschäft in der Akener Straße und blieb bis 1991 in Familienbesitz. Mit dem Ableben der letzten Besitzerin ging der Laden als Erblass samt Einrichtung in den Besitz an die Gemeinde über. Heute zieren Waren aus DDR-Zeiten die historischen Regale, ein Bufettschrank mit Apothekerkästen ziert eine Wand und die ein oder andere Bückware wartet unter dem Kassentresen.

So auch am Pfingstmontag, wenn der Verein Ländliches Leben Steutz/Steckby zur nunmehr vierten Tour der Reihe "kreuz und quer durch Steutz" einlädt. Dann wird das ganze Dorf auf den Beinen sein und die Besucher erwarten. Die Kirche - gleich neben dem Gutsherrenhaus gelegen - wird geöffnet sein, ebenso die Straußenfarm und der Märchenwald, der über die Hexentreppe zu erreichen ist. Natürlich wird auch die Schauschmiede geöffnet sein. "Und das Beste ist, wir sind so schön mit dem Rad zu erreichen", sagt Monika Sauer. Etwa eine halbe Stunde heißt es von Zerbst aus in die Pedale treten und dann vielleicht weiter über die Fähre nach Aken, oder zur Fahrradkirche nach Steckby oder einige Kilometer auf dem Lutherweg zurücklegen, der ebenfalls durch Steutz führt.

"Wir freuen uns auf ,800 Jahre Anhalt\'"

"Hier wird es nie langweilig", bringt es Monika Sauer auf den Punkt. "Erstmals urkundlich erwähnt wurde Steutz 1266." Im Gau Zervisti war auch das Siedlungsgebiet hier an der Elbe eingeschlossen. "Daher freut sich auch die Ortschaft Steutz/Steckby auf das Jubiläum ,800 Jahre Anhalt\' und auf viele Besucher, abseits der ganz großer Ereignisse."

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Steutz drei Fabriken, drei Säle, eine Kegelbahn, einen Biergarten und das Ausflugslokal Sandmann. Es hat also Tradition in Steutz zu feiern, aber auch das kulturelle Leben zu genießen - und selbst zu gestalten. Ob Feuerwehr, Karnevalverein, der Verein Ländliches Leben Steutz/Steckby, Jagdgenossenschaften, Chöre, Sportverein oder die vielen ehrenamtlich engagierten Einwohner - sie alle sind rührig in ihrer Ortschaft, die Monika Sauer auch sehr gerne Besuchern von nah und fern zeigen möchte.

2009 nahm Monika Sauer an einem Gästeführer-Kurs an der Kreisvolkshochschule in Zerbst teil. "Ich wollte mein Wissen über die Geschichte von Zerbst, den Umlandgemeinden und auch Steutz und Steckby weiter vertiefen." Nun ist sie sozusagen die Steutz-Expertin, die die Rundgänge mit Erlebnisberichten alter Steutzer bereichern kann.

Wer Interesse an einem Rundgang durch Steutz hat, kann sich weitergehend in der Tourist-Info Zerbst unter Telefon (0 39 23) 76 01 78 oder 23 51 erkundigen. Des Weiteren sind Informationen über Steutz im Touristenführer der Stadt Zerbst enthalten.

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