Köthen/Zerbst. Die SPD/Grüne-Kreistagfraktion möchte große Teile ihrer 2010 nicht in Anspruch genommenen Fraktionsgeschäftsgelder zur Förderung begabter Studierender an der Hochschule Anhalt verwenden. Hintergrund ist ein Schreiben von Hochschulpräsident Dieter Orzessek an den Ausschuss für Bildung und Tourismus. Mit Beginn des Sommersemesters 2010 sei an allen Hochschulen das Deutschlandstipendium eingeführt worden, so Orzessek. Das Stipendium in Höhe von 300 Euro könne aber nur gezahlt werden, wenn es gelingt, die Hälfte über Sponsoren einzuwerben. "Ich bitte Sie deshalb zu prüfen, ob uns der Ausschuss für Kultur und Tourismus (...) finanziell unterstützen kann", schreibt Orzessek. Dazu Andreas Dittmann, der jüngst die Leitung der Fachausschusssitzung stellvertretend inne hatte: "Welche Instrumente haben wir denn, um Leute im Landkreis zu halten?" Er sehe das Stipendium als Instrument zur Standortsicherung.

Spontan hatte Anfang März zum Beispiel die Firma Gicon beim Startschuss für die Errichtung eines Biosolarzentrums an der Hochschule einen Scheck über 3600 Euro für ein solches Stipendium überreicht. Man wolle, so Dittmann am Donnerstagabend während der Sitzung des Kreis- und Finanzausschusses, den gesamten Kreistag mit ins Boot zu holen. Man könnte zum Beispiel eine Fachrichtung aussuchen, die man besonders fördern wolle, schlug Wirtschaftsförderungsamtsleiter Uwe Hippe vor. Es sollten Studenten unterstützt werden, die im Landkreis wohnen.

Die Idee als solche sei im Kreis- und Finanzausschuss durchweg begrüßt, allerdings die Machbarkeit bezweifelt worden. Wie Dittmann gestern berichtete, sei eine Nutzung der Fraktionsmittel für eine "dritte Institution" als fragwürdig bezeichnet worden. Man könne es als "Einmischung in Belange des Bundes" betrachten. Landrat Schulze habe gar gefragt, ob sich der Landkreis künftig wohl auch mit Fragen der Landesverteidigung befassen werde.

"Wir haben als Fraktion den Antrag eingebracht, 7200 Euro unserer nicht in Anspruch genommenen Mittel aus 2010 der Hochschule zur Verfügung zu stellen. Das würde reichen, um vier Stipendien gegenzufinanzieren. Grundsätzlich wollten wir das Thema jedoch lediglich anstoßen", so Dittmann.

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