Seit 20 Jahren engagiert sich der Zerbster Förderkreis St. Nicolai für die Ruine der einst größten Kirche Anhalts. Das diesjährige Vereinsjubi-läum spielt aber auf der Jahreshauptversammlung am Freitagabend keine Rolle. Vielmehr die Frage, welche weiteren Projekte und wie sie realisiert werden können.

Zerbst. Mit 36 Mitgliedern geht der Förderkreis St. Nicolai in das 20. Jahr seines Bestehens. "Das ist keine große Zahl. Auch das Verhältnis von Alt und Jung müsste verbessert werden, aber das ist schwer", macht Vereinsvorsitzender Walter Tharan gleich zu Beginn der Jahreshauptversammlung am Freitagabend in der St. Trinitatiskirche die nach wie vor bestehende Aufgabe auf, die Mitgliederbilanz zu verbessern. Fünf Neuaufnahmen konnte der Förderkreis im zurückliegenden Jahr verbuchen, verlor aber auch drei Mitglieder durch Ausschluss wegen über Jahre ausgebliebener Beitragszahlungen.

Auch nach zwei Jahrzehnten ist für den Verein gut zu tun zum Erhalt des Bau- und Kulturdenkmals St. Nicolai und, um Voraussetzungen für eine erweiterte Nutzung zu schaffen. Diesen beiden Schwerpunkten gelten die Vorhaben des neuen Jahres. Dafür hat sich der Förderkreis auch 2010 mit allem möglichen Engagement bemüht, konnte Walter Tharan im Rechenschaftsbericht bilanzieren.

Einfacher wird das nicht. So standen für die Maßnahme 22 im vorigen Jahr mit 31 000 Euro nicht einmal die Hälfte der zur Finanzierung veranschlagten Mittel zur Verfügung. Und erst im August lagen alle Förderbescheide vor. Dann kam auch noch der Winter zu früh.

Dennoch konnten unter anderem Vermauerungen abgebrochen und viel Bauschutt aus der Kirche beräumt werden. Das durch den Frost des Vorwinters zerstörte Entwässerungssystem für die Aussichtsplattform wurde durch ein neues ersetzt. Eine unvorhergesehene Investition, deren Kosten aber durch anderenfalls notwendige Maßnahmen auf Dauer übertroffen worden wären, so Walter Tharan. Der Ausstellungsraum im Mittelturm ist fertiggestellt. Zum Tag des offenen Denkmals wurden hier erstmals die zur Denkmalmesse 2006 entstandenen Nicolai-Entwürfe ausgestellt. Der Aufgang zum Südturm erhielt eine Treppe, der künftige Haupteingang am Westportal einen neue Eichenholztür.

29 500 Euro möchte der Förderkreis in diesem Jahr in Maßnahme 23 investieren. Zu den Vorhaben zählen Arbeiten am Arkadenbogen am Nordturm, der "Anzeichen der Destabilisierung" zeigt. Ein Überdach über der neuen Südturmtreppe soll künftig Besucher vor herunterfallenden Putzteilen und Taubenkot schützen. Geplant sind die Anschaffung einer transportablen Sitzmöblierung, um bisherige hohe Mietkosten zu vermeiden, und eines Wetterschutzes, der zum Beispiel nötig ist, um Orchester zu verpflichten. Nachgeholt werden die durch den Wintereinbruch gestoppten Pflasterarbeiten im Turmdurchgang. Nicht nur hier möchte der Förderkreis weiter mit der Köthener Beschäftigungsgesellschaft zusammenarbeiten.

Noch sei offen, ob die Fördermittel wie geplant zur Verfügung stehen, so Walter Tharan. "Die Förderer gucken auch darauf, was die Kommune macht, in der das Objekt steht", verweist er auf die Haushaltsprobleme der Stadt. Offen sei auch, ob vom Bund zum Reformationsjubiläum 2017 veranschlagte Fördermittel auch in Projekte nach Zerbst fließen.

Nicht infrage steht das öffentliche Interesse, das die Nicolaikirche auf sich zieht. Ob bei vielen Führungen oder zum Beispiel auch der anhaltenden Nachfrage nach dem zweiten Nicolaibuch und der Geläut-CD.

An die neuen Vorhaben geht der Förderkreis mit einem neu gewählten Vorstand (Bild unten). Manfred Amhaus, der als zehnter Kandidat für neun Plätze nicht mehr genügend Stimmen bekam, wird aber als Reserve-Mitglied aktiv bleiben.

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