Ihre Jahresmitgliederversammlung führte den Förderverein Großtrappenschutz, darunter knapp 40 Mitglieder, am Sonnabend nach Königsrode. Einen detaillierten Überblickzur Entwicklung der Bestände, diverse Fachvorträge, Erfahrungsaustausch und der Start in das zweite ELER-Projekt im Fiener Bruch vereinten die Großtrappen-Schützer aus ganz Deutschland.

Königsrode/Tucheim. Die Mitglieder des Fördervereins Großtrappenschutz hatten sich Königsrode nicht ohne Grund als Veranstaltungsort ihrer Jahresveranstaltung ausgewählt. Und das nicht, wie Außenstehende vermuten würden, wegen der Pappelfällungen (Volksstimme berichtete). Diese Debatte wurde eher flach gehalten. Man habe möglicherweise in der Öffentlichkeitsarbeit Fehler gemacht und werde daraus lernen, sagte die Geschäftsführerin Dr. Astrid Sutor gegenüber der Volksstimme. Dennoch machte sie auf Anfrage unmissverständlich klar: "Die Baumfällaktion ist eine Maßnahme der Lebensraumoptimierung, deshalb fordert die Verwaltungsbehördekeine Ersatzpflanzungen. Dies schließt aber nicht aus, dass auch im Zuge des anstehenden Flurneuordnungsverfahrens Neuanpflanzungen durchgeführt werden. Mögliche Pflanzungen mit heimischen Gehölzen müssen aber auch an die Lebensraumerfordernisse der Großtrappe angepaßt sein." Infrage kämen dafür beispielsweise Sträucher für wegbegleitende Heckenpflanzungen oder Kopfweiden und kleine Baumgruppen wie etwa Schwarzerlen; diese Bepflanzung sei regionaltypischer und ökologisch wertvoll.

Doch in Sachen Großtrappenschutz wird sich weitaus mehr tun als die Pappelfällungen. Obwohl das Fiener Bruch neben den Belziger Landschaftswiesen und dem Havelländischen Luch das - verhältnismäßig - kleinste Trappeneinstandsgebiet im Wirkungsbereich des Fördervereins ist, können Großtrappenschützer, Biologen und ehrenamtliche Helfer nach einer Durststrecke im Jahr 2008/2009, als es fehlende Abstimmungen zwischen dem Landkreis Jerichower Land und dem Förderverein Großtrappenschutz gab, wieder gespannt auf das Fiener Bruch schauen.

Denn nach dem ersten ELER-Projekt, das in den Jahren 2009 und 2010 lief, ist nun ein weiteres für den Zeitabschnitt 2011/12 bestätigt worden.

Gunthard Dornbusch von der Vogelschutzwarte Steckby umriss in seinem Referat die wichtigsten Aufgaben, die dieser Förderabschnitt umfassen wird. Dabei kündigte er unter anderem die Erarbeitung eines Kataloges an Empfehlungen an, die in einem so genannten Managementplan zusammengefügt werden. Inhalte des Folgeprojektes 2011/2012 sind unter anderem die kontinuierliche Überwachung des Trappenbestandes des Fiener Bruchs, ein Management für das Gehege in Paplitz und Maßnahmen zur Lebensraumoptimierung für die Großtrappen.

Ansprechpartnerin in Königsrode

Die im Vorlauf des Managementplans durchgeführten Pappelfällungen, sagte Gunthard Dornbusch im Hinblick auf die Diskussionen der vergangenen Wochen, seien dabei "fachlich unumstritten".

Dornbusch ging auch auf die von dem Vorsitzenden der Agrargenossenschaft Ziesar, Preuß, eingangs der Veranstaltung geäußerten Bedenken am Beispiel der Windschutzstreifen ein, dass die Forderungen des Naturschutzes mit denen der Landwirtschaft nicht in Einklang zu bringen seien. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz könne nur auf Kompromisse hinauslaufen. Die gleiche Frage stelle sich auch für die Jäger, reagierte Gunthard Dornbusch auf die Kritik des Landwirts aus Brandenburg.

In der Versammlungsleitung schloss sich dem auch Dr. Astrid Sutor an. "Manch eine Planung läuft über die obere Etage. Dann müssen wir uns einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen". Damit war für die Diskutanten der Weg frei für die Forderung nach einem Ansprechpartner vor Ort. Anders, hieß es, können alle Beteiligten nicht effektiv zusammenarbeiten. Nach einer Ausschreibung, informierte daraufhin der Vorstand des Fördervereins Großtrappenschutz, hat diese Aufgabe ab dem 1. März Dorothee März übernommen, die im Königsroder Hof die Geschäftsstelle des Fördervereins Großtrappenschutz leitet.

"Insgesamt", resümierte am Sonnabend Dr. Sutor die Möglichkeiten des zweiten ELER-Projektes, "gibt es für den Trappenschutz gute Voraussetzungen. Ich hoffe, dass wir effektiv und wirkungsvoll arbeiten können."

Sachgebietsleiterin Sieglinde Bischoff vertrat am Sonnabend den Landkreis Jerichower Land. Sie kündigte die Reparatur und einen teilweisen Neubau des Geheges in Paplitz, das Anbringen neuer Tafeln und den Bau eines Beobachtungsturms an. Sie verwies unter anderem darauf, dass der Landkreis als Verwaltungsbehörde das Gehege bei Paplitz aus eigenen Mitteln gebaut habe.

In den drei in Deutschland noch verbliebenen Einstandsgebieten der Trappe, das Fiener Bruch, die Belziger Landschaftswiesen und das Havelländische Luch, sind gegenwärtig zirka 100 Trappen nachgewiesen. 1991 gab es noch 14 Einstandsgebiete mit 150 Trappen, 1974 wurden 40 Einstandsgebiete mit 850 Großtrappen gezählt.

Im Fiener Bruch leben derzeit zwischen 15 bis 20 Großtrappen, die in Kontakt mit den anderen Einstandsgebieten stehen.

Die Masse der Gelege- und Kükenverluste, darauf ging Dr. Heinz Litzbarski, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins,unter anderem in seinem Referat ein, erfolge durch nachtaktive Raubsäuger,weitere Verluste durch Rabenvögel, den Habicht und den Seeadler. Letzterem, das hatte auch Gunthard Dornbusch unterstrichen, sei auf Grund seines Schutzstatus"nicht beizukommen".

Ob auch der Wolf in das Trappengehege eindringen könnte, wurde von den Fachleuten ausgeschlossen.

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