Das Abrissgelände der Alten Brücke 8 ist derzeit die neueste Grabungsstätte der Zerbster Archäologen. Bisher konnten Spuren aus dem Hoch- und Spätmittelalter, aber auch der Frühneuzeit, wohl Überreste der Zerstörungen durch den 30-jährigen Krieg, gefunden werden.

Zerbst. Scherbe um Scherbe alter Ofenkacheln, Teller und Nutzgeschirr fördert Archäologe Frank Besener zu Tage. Auf manchen zeigen sich filigrane Ornamente, auf anderen Engelsgesichter oder Teile der Engelskörper. Hier und da lässt sich ein Buchstabe erkennen. "Diese Funde stammen aus dem Barock", sagt Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth. Sie alle befinden sich in einem aufgegebenen Brunnen, der einst direkt unter der Bebauung lag.

Wenige Meter weiter sind in der Erde deutliche Spuren von Holzkohle zu finden. Pechschwarz ist eine Fläche auf etwa zehn Metern Länge und in bis zu fünf Metern Tiefe. Dies spricht dafür, dass hier eine Feuerstätte, Öfen oder sogar Werkstätten standen. Funde legen nah, dass hier einst Feingießereien angesiedelt waren. "Für sie ist es typisch, dass sie in die Höhe wachsen", erklärt der Grabungsleiter und zeigt auf die schwarzen Flächen, die sich an einer Wand deutlich in die Höhe erstrecken. Zudem konnten aus der Erde Spangen, Gürtelschnallen und andere filigrane Exponate geborgen werden. Sie komplettieren das Bild, das vorherige Grabungen vor der Sanierung der Alten Brücke und dem Bau des Sparkassengebäudes in diesem Gebiet zuließen. "Zumal sich hier für uns nach der Jüdenstraße eine zweite Chance bietet, eine Fläche in einem Binnenbaubereich zu untersuchen", fügt Ditmar-Trauth hinzu.

Weniger spektakulär, aber nicht weniger spannend sind mehrere Füllschichten, in denen Reste von Fachwerkhäusern, Humus und Ziegelsplitter sowie Holzkohle zu sehen sind. "Hier sind Häuser plattgemacht und auf den Flächen neu aufgebaut worden", ordnet Ditmar-Trauth die Funde ins Spätmittelalter ein. Einige Schritte weiter ragt eine Feldsteinmauer mit Mörtelresten aus einer Wand. "Sie stammt aus der Frühneuzeit, ist vielleicht ein Relikt aus den Zerstörungen durch den 30-jährigen Krieg." Gefundene gelb-glasierte, helltonige Keramiken unterstützen diese Vermutung. Und auch die Keramikfunde im Brunnen sprechen für diese Zeit. "Zerstörtes Material ist oftmals in aufgegebenen Brunnen entsorgt worden."

Insgesamt 30 Kalendertage stehen den Archäologen für die Untersuchung des Areals zur Verfügung, das zuerst Funde im Hinterhofbereich vermuten ließ. Dort aber gab die Erde nur wenige Zeitzeugnisse der Vergangenheit preis. "In diesem Bereich, nah an der Fußgängerzone Alte Brücke gelegen, haben wir diese Fülle an Funden nicht erwartet", fasst Ditmar-Trauth zusammen. Es lohne sich, überall hinzugucken.

 

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