Die ersten warmen Sonnenstrahlen fallen auf die Erde. Die Natur beginnt plötzlich wieder zu leben. Farbe kommt ins Spiel und auch in der Tierwelt tut sich einiges. Vor allem bei den Bienen. Sie schwirren durch die Gärten, tragen den Blütenstaub von einer Blüte zur anderen. Als kleines Werbegeschenk locken die Blüten mit süßem Nektar - Honig auf den sich die Zerbster schon jetzt freuen dürfen.

Zerbst.Es gibt Tage, an denen sitzt Manfred Werner stundenlang reglos auf einem Höckerchen. Einfach so. Mitten in seinem Garten. Er sitzt und beobachtet umherschwirrende Bienen. Ihr Summen ist Musik in seinen Ohren.

Manfred Werner ist Imker. Neun Bienenvölker beheimatet er in seinem Garten. Ein Volk umfasst im Sommer etwa 50 000 Tiere. So herrscht zweifelsohne ein reger Flugverkehr in der Gartensiedlung. Lediglich ein Schildchen "Vorsicht Bienen" weist darauf hin.

Ärger mit seinen Nachbarn hatte er deswegen noch nicht. Ganz im Gegenteil. Sie profitieren von seiner Arbeit. Dies nicht nur in Form des Honigs, den sie hin und wieder geschenkt bekommen, sie profitieren auch von der Bestäubungsarbeit der Bienen.

Soerinnert sich Manfred Werner, dass er in einen Jahr seine Bienenvölker einmal an einem anderen Ort untergebracht hatte. Anschließend seien die Nachbarn zu ihm gekommen und haben über die schlechte Obsternte geklagt.

Innerhalb von 17 Jahren 4037 weniger Imker

Dies zeigt, wie wichtig die Arbeit der Bienenzüchter ist. Albert Einstein soll einmal gesagt haben "Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben" . Ganz so dramatisch sieht Manfred Werner dies nicht, dennoch auch ihm ist das viel zitierte "Bienensterben" bekannt. Vor allem die sogenannte Varroamilbe gehört zu den natürlichen Feinden der Bienen. Sie sei einst aus dem indischen Raum nach Europa gelangt, erzählt Werner. Die Milben setzen sich auf die Bienen, stechen sie und saugen das Blut aus ihnen heraus. So werden nicht nur Krankheiten übertragen sondern ganze Bienenvölker geschwächt.

Zu den Hauptaufgaben eines Bienenzüchters gehört deshalb auch, sich um die Gesundheit der Bienen zu sorgen. Wichtig sei Manfred Werner hier die Anwendung natürlicher Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung. Bei Milben könne dies beispielsweise über die Verdunstung von Ameisensäure geschehen. Behandelt werden diese jedoch erst nach der Honigernte.

Um derartige Methoden und Informationen gezielt an andere Züchter weitergeben zu können, ist Manfred Werner im Zerbster Imkerverein aktiv. Dies nicht nur als Mitglied, sondern seit vier Jahren als Vereinsvorsitzender.

Dem Verein gehören inzwischen nur noch 29 Mitglieder an. Vor der Wende waren es noch 130. Diese Entwicklung ist auch landesweit zu beobachten. So gab es 1994 in Sachsen-Anhalt noch 5359 Imker die 69800 Bienenvölker betreut haben. 2011 sind es dagegen nur noch 1322 Imker mit 9793 Völkern.

"Die Bienenzucht hat im Laufe der Zeit für viele an Attraktivität verloren", vermutet Werner als Ursache. So haben Imker vor der Wende für ein Kilo Honig 14 Mark bekommen. Nach Öffnung der Grenzen sei es nur noch 1 Deutsche Mark gewesen. Auch heute gibt es einen Ost-West-Preisunterschied für Imker-Honig. "Während wir 500 Gramm Honig für maximal 3,50 Euro verkaufen können, nehmen die Imker in den alten Bundesländern etwa 6 Euro", berichtet der Experte. Doch das Geld spiele für die hiesigen Imker sowieso keine Rolle. Sie fühlen sich in erster Line dem Umweltschutz verbunden. Was die Bundesrepublik ihrer Meinung nach zu wenig würdigt. So etwas wie Bestäubungs-prämien gibt es nicht mehr. Der Landesverband der Imker unterstütze lediglich bei der Nachwuchsgewinnung. So könne hier Unterstützung für die Anschaffung von Honigschleudern beantragt werden. Denn so eine Gerätschaft kostet mindestens 500 Euro. Geld, das gerade junge Leute nicht unbedingt übrig haben.

Die Imker-Akquise läuft dennoch schleppend - und das nicht nur in Zerbst, sondern bundesweit. Ein Bienenlehrgang in der Volkshochschule, an dem zwölf Leute teilnahmen, brachte dem Imkerverein immerhin ein neues Vereinsmitglied und zwei potentielle Interessenten. Zumindest ein kleiner Erfolg.

Kleiner Aufwand, großer Nutzen

"Viele Menschen vermuten wahrscheinlich, dass die Imkerei unheimlich zeitaufwendig ist", denkt Manfred Werner. Dabei sei sie es gar nicht. Lediglich in der Saison, die von April bis Juli geht, müssen die Züchter etwa ein Mal in der Woche nach ihren Schützlingen schauen. Im August würden die Bienen noch eingefüttert, bekommen so zusagen einen Futtervorrat aus Zuckerwasser, und im Winter habe der Imker gewissermaßen frei. Wer Zeit und Muße habe, dennoch etwas zu tun, der kann die Waben selbst bauen.

Der Aufwand der Züchter ist jedoch im Verhältnis zum Nutzen einer Bienenzucht - hinsichtlich des Umweltschutzes und der lebensnotwendigen Bestäubungsarbeit der Bienen - verhältnismäßig klein. Das müssen nun auch andere erkennen.

 

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