Gleich doppelte Aufregung versprach der gestrige Unterrichtstag für die Steutzer Grundschüler. Begeistert nahmen die Mädchen und Jungen der ersten bis vierten Klasse Elbebiber Moppel in Augenschein. Beobachtet wurden sie dabei von einem Fernsehteam, das einen Beitrag für den Mitteldeutschen Rundfunk aufzeichnete. Zu sehen sein wird der zweiminütige Bericht in der Regionalsendung Sachsen-Anhalte heute.

Steutz. Mit leuchtenden Augen stürmen die Mädchen und Jungen auf Peter Ibe zu. Alle wollen Moppel streicheln. Unbeeindruckt lässt der putzige Biber das Geschehen über sich ergehen, das Kameramann Ralph Jordan mit ruhiger Hand im Bild festhält. Die Beleuchtung übernimmt die Frühlingssonne. Einem Scheinwerfer gleich strahlt sie vom blauen Himmel, als sich der Pausenhof der Steutzer Grundschule gestern Vormittag in einen Drehort verwandelt.

Ein dreiköpfiges Team ist angereist, um für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) einen Beitrag aufzuzeichnen. "Ich habe das mit Peter Ibe ausgeheckt", verrät Autorin Jana Merkel lächelnd. "Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass er ab und zu mit Bibern zu Gast in Schulen ist", erzählt die junge Frau, wie die Idee zu dem Fernsehbericht entstand. "Wir gehen vorrangig in die Schulen, mit denen Kooperationen bestehen", erklärt Peter Ibe. Und mit der Steutzer Einrichtung arbeitet das Biosphärenreservat Mittelelbe nun bereits seit einigen Jahren im Junior-Ranger-Projekt zusammen. "Das wollen wir auch in Zukunft fortführen", hofft Schulleiterin Annett Ebert auf eine lange Zusammenarbeit. Sie schätzt vor allem das erlebnispädagogische Konzept. Durch Exkursionen in die Natur lernen die Kinder die heimische Tier- und Pflanzenwelt auf anschauliche Weise kennen.

"Der Biber ist eigentlich immer das erste Thema", berichtet Axel Zehle. Der Naturwacht-Mitarbeiter betreut die Steutzer Junior-Ranger, die sich alle 14 Tage treffen. Einer von ihnen ist Benedikt Schweika. "Als er kleiner war, haben wir ihn uns schon angeguckt", sieht der Viertklässler zu Moppel hinüber, der neugierig das Gelände erkundet. Auch seine beiden Geschwister - Kleini und Knorkelohr - haben die Nachwuchsforscher kennengelernt, als sie Peter Ibe damals daheim in Steckby besuchten.

Mit der Flasche zog der Biberexperte die drei pelzigen Findelkinder auf, nachdem sie das Oderhochwasser im vergangenen Mai von ihren Eltern getrennt hatte. Etwa eine Woche alt waren die verwaisten Nager, als sie von Tierfreunden gefunden wurden. Ohne menschliche Hilfe hätten sie nicht überlebt. Dank der fürsorglichen Pflege von Peter Ibe sind die munteren Kerlchen inzwischen tüchtig gewachsen. Gut zehn Kilo bringen die Tiere mittlerweile auf die Waage und ernähren sich längst nicht mehr von der fetthaltigen Mischung aus Milch und Schlagsahne. "Sie bekommen Zweige zum Abknabbern und Mohr-rüben", erzählt ihr Ziehvater, bevor er zum nächsten kurzen Interview gebeten wird.

Für Peter Ibe ist es nichts Neues, vor der Kamera zu stehen. Entsprechend entspannt agiert er, sobald das Fernsehteam wieder den Focus auf ihn richtet. Mit ruhiger Stimme erläutert er den Schülern, dass Biber kein Holz fressen, sondern nur die Rinde abnagen. Auch ein Stück Stamm hat er mitgebracht, das typische Spuren des Baum fällenden Nagers aufweist.

"Ich finde die Zähne faszinierend", schwärmt Lennart Hein von den kräftigen, orangeroten Schneidezähnen. Auch die Technik des MDR-Teams zieht die Aufmerksamkeit des Viertklässlers auf sich. "Ich finde es interessant, mal zu sehen, wie das Ganze so funktioniert", erklärt er. "Ich finde es toll, ich war noch nie im Fernsehen", freut sich Silas Andreas aus der ersten Klasse über den Besuch der TV-Reporter.

Bei der Beschäftigung mit Moppel haben die Kinder die Kamera allerdings fast vergessen, wären da zwischendurch nicht die kleinen Regieanweisungen. Oder auch die Fragen, die Jana Merkel einzelnen Mädchen und Jungen stellt, während Ralph Jordan - assistiert von Jens Arend - die Gesichter in Nahaufnahmen einfängt. Dann ist auch die letzte Szene im Kasten. Die anschauliche Stunde, bei der die Grundschüler Fernsehluft schnuppern und einen Biber hautnah kennenlernen durften, ist zu Ende.

Ausgestrahlt wird der letztlich zweiminütige Beitrag in der Regionalsendung Sachsen-Anhalt heute, die täglich ab 19 Uhr im MDR läuft. Der genaue Termin ist gestern noch offen gewesen.

 

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