Es gibt unzählige Juwelen, die in Zerbst zu finden sind. Kleine verschlafene Ecken, große beeindruckende Bauwerke, Spuren historischer Persönlichkeiten, die mitunter erst auf den zweiten Blick zu sehen sind. Und es gibt engagierte Stadtführerinnen, die diese Juwelen interessierten Besuchern aus nah und fern zeigen. Auch sie sind Zerbster Juwelen.

Zerbst. Es gibt viele Wege, die in den Schloßgarten führen - große Zufahrten, kleine Pfade oder mehrere Brücken. Die letzte im Original erhaltene Steinbrücke des Schloßgartens, die von der Käsperstraße in das grüne Herz der Stadt führt, hat sich Sigrid Wörlitz als Lieblingsort ausgesucht.

Der Wandel vom Nutz- zum Ziergarten

"Ich habe eine Vorliebe für den Schloßgarten und die barocke Zeit", sagt die 50-jährige Zerbsterin, die in den 80iger Jahren von Steutz hierher zog. Aus dieser Zeit stammt bereits die Liebe zum Schloßgarten. "Wir wohnten auf der Breite, und da lag es nah, dass die Spaziergänge hierher führten und wir auch mit den Kindern oft hier Zeit verbrachten." Die Liebe zur Geschichte dieser "kleinen Oase" folgte erst in den vergangenen Jahren. "Mit der Zeit haben sich meine Interessen verändert, und ich fand es traurig, dass ich nicht viel über Zerbst wusste." Mit ein oder zwei Sätze sei es bei dieser Historie einfach nicht getan.

"Darum habe ich den Gästeführerlehrgang besucht, den die Kreisvolkshochschule zusammen mit der Tourist-Info veranstaltet", sagt Wörlitz.

Sie wollte anders mitreden, wollte Freunden und Familie erklären können, was hinter den historischen Gebäuden in der Stadt steht. "Die Infos, die wir dort gelernt haben, waren wirklich breit gefächert. Wir haben Ausflüge unternommen, vieles gesehen. Es war toll." Aber der Lehrgang legte lediglich die Wissensgrundlage. Das Selbststudium, viele Bücher zu lesen und sich weiteres Hintergrundwissen zu erarbeiten, gehörten ebenso zum Gästeführer-Dasein dazu. "Bisher hatte ich noch keine Führung, da ich beruflich zu sehr eingespannt war. Aber wir wollen es in diesem Jahr versuchen."

Dann wird Sigrid Wörlitz die Gäste aus nah und fern auch durch den Schloßgarten führen und mit Hilfe von Bildern das barocke Prachtwerk wieder zum Leben erwecken. "In der Renaissance ist der Garten zur Versorgung der Burgbewohner genutzt worden. Erst im Barock ist aus dem Nutz- ein Ziergarten geworden. Ein Küchengarten ist noch heute hinter dem Marstall erkennbar." Zahlreiche Gebäude sind im 18. Jahrhundert erbaut worden - 1707 der Marstall, 1724 die Stadthalle und 1747 das Teehäuschen sowie der Pavillon. "Mit dem Weggang des letzten Zerbster Fürsten Friedrich August, ist der Garten massiv vernachlässigt worden", erzählt sie.

Bemerkenswerte Veränderungen

Die Beete verwilderten, der Schlossteich versumpfte und verschwand 1783 gänzlich. "Mit der Besitzübernahme des Zerbster Landes durch den Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau erlebte der heutige Schloßgarten einen neuen Aufschwung und die Umgestaltung zum englischen Landschaftspark. "Er war an den Geist des Wörlitzer Gartenreiches angelehnt", sagt die Gästeführerin, die intensiv die Veränderungen in den vergangenen Jahren beobachtet hat. Dennoch sei in den vergangenen drei Jahren viel geschafft worden. "Es ist ein schwieriger Spagat, das Alte zu erhalten und gleichzeitig einiges zu verändern." Schließlich ist der Schloßgarten tief in der Zerbster Seele verwurzelt.

"Ich möchte den Gästen das barocke Zerbst näherbringen", fasst sie zusammen. Und ist sehr erfreut darüber, dass die Stadt seit der Enthüllung des Katharina-Denkmals einen enormen Zulauf an Touristen verzeichnen kann. "Es ist und bleibt ein Anziehungspunkt, den jeder einmal unbedingt gesehen haben sollte."

Wer Interesse an einer Stadtführung hat, erhält weitere Informationen darüber bei der Tourist-Info Zerbst unter Telefon (0 39 23) 76 01 78 oder 23 51. Es werden verschiedene Rundgänge von unterschiedlicher Dauer angeboten.