Die Anwohner vom Großen Klosterhof verstehen die Welt nicht mehr: Seit diesem Jahr werden ihre Mülltonnen von den Anhalt-Bitterfelder Kreiswerken nicht mehr vor der Haustür entleert. Stattdessen sollen sie bis vor an die Breite geschoben werden. Für viele Anwohner ist das nahezu unmöglich.

Zerbst. Unverstanden und falsch informiert - die Anwohner des großen Klosterhofes fühlen sich von den Anhalt-Bitterfelder Kreiswerken mehr als ungerecht behandelt.

Seit mehreren Woche werden die Mülltonnen nicht mehr vor der Haustür entleert. "Ich wohne seit 1962 hier und bisher hat es immer geklappt", beschwert sich Anwohnerin Margot Teitge. Sie hat wie viele andere Anwohner bereits mehrmals in der Niederlassung Straguth der Kreiswerke angerufen und nachgefragt, wieso die Mülltonnen auf einmal nicht mehr abgefahren werden - obwohl die Straße im Abfallkalender aufgeführt ist. "Die Antwort war, dass die Einfahrt zu schmal sei. Die Berufsgenossenschaft habe Regelungen erlassen, die das Abholen hier nicht mehr möglich machen." Ein Argument, das die Anwohner nicht gelten lassen. "Bevor die die Häuser beschädigen, müssen die erstmal die Straßenschilder umfahren. Und die stehen ja auch noch", fügt Renate Rothe hinzu.

Doch es gibt noch ein Problem, das die Gemüter erhitzt. Bisher hat es noch keine offizielle Mitteilung gegeben, warum der Müll nicht mehr vor der Haustür abgeholt wird. "Wir haben nichts in der Hand", sagt Cornelia Burow. Die Anwohner wissen die Gründe lediglich vom Weitererzählen. "Ich habe meinen Sohn gefragt, was man machen kann. Er ist Anwalt und sagt, bevor ich nichts schriftlich in der Hand habe, kann ich nichts unternehmen."

Eine Nachfrage bei den Anhalt-Bitterfelder Kreiswerken bestätigt die Aussagen der Anwohner. Geschäftsführer Hartmut Eckelmann: "Es ist in der Tat so, dass diese Zufahrt zu schmal ist." Regelungen der zuständigen Berufsgenossenschaft besagen, dass die Mindestbreite einer Zufahrt 3,50 Meter, bzw. links- und rechtsseitig des Fahrzeuges mindestens 50 Zentimeter Platz sein muss. "Das sind neue Vorschrift, die wir einhalten müssen." Die Berufsgenossenschaft ist der Unfallversicherungsträger. "Dortige, von uns verursachte Schäden würden dann nicht übernommen werden."

Dass es bereits zu Schäden beim Befahren der engen Straßen kam, bestätigt Mitarbeiter Günter Alarich. "Im Großen Klosterhof hatten wir einen Schaden, auch im Wäschkeweg." Im Fall Großer Klosterhof habe der Fahrer lediglich zehn Zentimeter Luft zu beiden Seiten. Aber auch in anderen Straßen ist die Zufahrt eng, wenn nicht baulich, dann durch parkende Autos. "Das ist nicht mehr machbar", fügt Alarich hinzu.

Neben dem Großen Klosterhof wird zukünftig auch der Kleine Klosterhof sowie der Wäschkeweg und die Mühlengasse nicht mehr direkt angefahren. "Wir bitten die Anwohner, die Tonnen an die nächstgelegene Straße zu stellen." Für die Anwohner vom großen Klosterhof wäre dies die Breite. "Das kann man den älteren Anwohner doch gar nicht zumuten", ist Rainer Burow empört. Selbst der Sperrmüll soll an der Breite abgelegt werden. Dies erhielt Ursula Böttcher bei einer Nachfrage zur Antwort. Wie das gehen soll? Mit Nachbarschaftshilfe, hieß der Ratschlag. Doch das wird schwierig. Es gibt kaum junge Anwohner. Die meisten Anwohner sind 60 Jahre und älter. Margot Teitge ist beispielsweise 75, ihr Mann 80 Jahre alt. Renate Rothe ist 61, ebenso Ursula Böttcher. "Die schweren Tonnen können ja nicht mal gerollt werden. Durch den schlechten Weg ist es ja schon ein Zerren", ergänzt Cornelia Burow. Im Winter kommt bei Schnee und Eis die Gefahr hinzu, auszurutschen. "Das kann nicht sein. Bisher ging es auch, dass die Müllmänner die Tonnen abgeholt und entleert haben, wenn das Fahrzeug nicht hineinfahren konnte", erinnert sich Margot Teitge.

Die Anwohner warten nun auf ein offizielles Schreiben von den Kreiswerken, in denen der Sachverhalt erläutert wird. Des Weiteren erwägen sie ihre Gebühren nur anteilig zu bezahlen, bis der Sachverhalt geklärt ist. "Dazu werden wir in einem gemeinsamen Schreiben die Kreiswerke informieren.", sagt Cornelia Burow. "Ich für meinen Teil hätte es schon getan. Aber wir müssen die Gebühren, die ja ohnehin viel zu hoch sind, im Voraus bezahlen. Für das Geld kann ich doch erwarten, dass der Müll vor meiner Haustür abgeholt wird", fügt Renate Rothe hinzu. Alles andere sei eine Ausrede. "Die vergangenen fünf oder sechs Jahre ging es doch auch. Und so sehr haben sich die Müllfahrzeuge in dieser Zeit wohl kaum verändert", sind sich die Anwohner einig.