In einer auf dem Zerbster Flugplatzgelände geplanten Bioraffinerie soll nun doch auch Hühnerkot und Gülle in durchaus nennenswertem Umfang vergoren werden. Das entstehende Biogas wird aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist. Dominante Gärmasse sollen jedoch pflanzliche Stoffe sein.

Zerbst. Ein Projekt wie diese "Bioraffinerie Flugplatz Zerbst/Anhalt" ist während der Genehmigungsphase mehrfach in öffentlichen Runden politisch zu diskutieren. Die jüngste Gelegenheit ergab sich im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss. Diesmal war zu entscheiden, ob der Planentwurf nun, nach erfolgter Abwägungsphase, soweit gediehen ist, dass er öffentlich ausgelegt werden und somit Jedermann seine Einwände und Bedenken vortragen könne.

Die Planung ist überarbeitet worden. Aus dem Abwägungsverfahren ergab sich beispielsweise die Notwendigkeit, Schall- und Geruchsprognosen zu überarbeiten und die neuen Auswirkungen zu berechnen und ihre Relevanz zu Grenzwerten zu prüfen. Ferner ist ein ohnehin vorgesehener Bereich zum Pflanzen von Sträuchern und Bäumen verbreitert worden, auch die im Plan vorgesehenen Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen wurden überarbeitet. Um die Löschwasserversorgung der künftigen Anlage zu sichern, fand eine Ortsbesichtigung statt. Voraussichtlich wird empfohlen, zwei Brunnen zu bohren. Dies jedoch nur, wenn aktuell genommene Proben einen vernachlässigbaren Kerosin-Gehalt im geförderten Wasser ergeben.

Einen auf den ersten Blick unwesentlichen, jedoch offenbar bedeutsamen neu formulierten Satz musste Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer auf Nachfrage von Grünen-Stadtrat Claus-Jürgen Dietrich erläutern. Stand bislang im Entwurf, dass "für die Biogaserzeugung ausschließlich nachwachsende pflanzliche Rohstoffe zu verwenden" seien, lautet der Satz nun etwas anders. Die nachwachsenden Rohstoffe als Anlagen-Input definieren sich nun nach dem "Erneuerbare-Energien-Gesetz, Anlage 2 der Positivliste". Und hier sind unter anderem auch Kot und Harn einschließlich Einstreu von Nutztieren und Pferden sowie in landwirtschaftlichen Betrieben anfallende Futterreste zulässig.

Vorwiegend, so steht in der Beschlussbegründung, wolle der Anlagenbetreiber pflanzliche Rohstoffe (also auch die eben genannten) einsetzen. Jedoch werde als Alternative auch der Einsatz so genannter "Koppelprodukte" nicht ausgeschlossen. Hierzu fragte speziell Stadtrat Dietrich während der Ausschusssitzung nach. Neuerdings, so zitiert Dietrich den Entwurf, sollen neben anderem auch 5000 Tonnen Hühnerkot und 3500 Tonnen Gülle in der Bioraffinerie verarbeitet werden. "Und als wir die Anlage in Niederndodeleben besichtigt hatten, hat Dr. Gerhold (einer der Investoren - Anm. d. Red.) dies auch ausgeschlossen", so Dietrich. Daraufhin erklärte Fischer, es gebe Schreiben vom 25. und vom 29. Juni 2010 an die Stadträte Claus-Jürgen Dietrich, Lutz Voßfeldt (FDP), Nicole Ifferth (UWZ) und Wilfried Bustro (CDU). Hierin sei eindeutig auf die Verwendung von Koppelprodukten hingewiesen worden. Hühnerkot und Gülle seien solche Koppelprodukte. Der Hühnerkot soll gekapselt gelagert werden. Durchläuft er die Anlage, wird insbesondere der pene-trante Geruch eliminiert. Nach Durchlaufen der Anlage werde die Biomasse dann wesentlich emissionsärmer ausgebracht werden können.

Der Ausschuss empfahl letztlich mit sieben Ja-, einer Nein-Stimme, zwei Enthaltungen und einem Mitwirkungsverbot (Lutz Voßfeldt), den Planentwurf zur Auslegung zu empfehlen.

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