In der Volksstimme-Serie "Zerbster Juwelen" zeigten bisher zehn Gästeführerinnen ihre Lieblingsorte in Zerbst. Die Letzte im Bunde ist nun Viola Tiepelmann, bei Tage Leiterin der Tourist-Info Zerbst, bei Nacht Magdalena von Servesta - die Butterjungfer.

Zerbst. Mit einer Fackel in der Hand steht Magdalena von Servesta, die Butterjungfer, des Nächtens auf den Treppenstufen des Heidetores. Gänsehaut überzieht die Arme der Zuhörer, ihre dargebrachte Gruselgeschichte zieht sie in ihren Bann.

"Dies ist einer der Orte, an dem ich besonders gerne rede", sagt Viola Tiepelmann, Chefin der Tourist-Info Zerbst und die dienstälteste Gästeführerin der Rolandstadt. Ihre Leidenschaft sind die Nachtführungen, deren Reiz Jahr für Jahr hunderte Besucher erliegen. "Wenn ich auf der Treppe stehe und in die Gesichter schaue, die in Spannung versetzt sind, ist es ein toller Moment." Denn die Dunkelheit zwingt die Gäste dazu, mit den Augen, dem Mund und den Ohren zu hören, mit allen Sinnen zu lauschen.

Es gibt noch einen zweiten Ort, der in den Nachtführungen eine besondere Magie ausstrahlt. Und zwar der Kampf der Ritter an der Stadtmauer hinter dem Francisceum. Dort wo eine Tafel an den 30-jährigen Krieg erinnert.

Im neunten Jahr befinden sich nun die Nachtführungen, die stets Viola Tiepelmann leitet. "Unvergessen bleibt die Wasserjette, die mich einst begleitete. Nun ist stets der Fackelmeister an meiner Seite. Eine Frau darf ja nicht allein bei Nacht durch die Stadt wandeln."

In jede Gästeführung - ob bei Tag oder Nacht - legt Viola Tiepelmann die Erfahrungen aus 21 Gästeführerjahren. "Ich hab\'s mal durchgerechnet. Ich allein hab\' in dieser Zeit um die 12 000 Menschen durch Zerbst geführt." Und somit 12 000 Geschichten erlebt.

Beispielsweise ein Ehepaar, das in Zerbst, ihrem Ort der ersten Begegnung, goldene Hochzeit feierte und aus diesem Anlass eine Stadtführung für Zwei geschenkt bekam. Oder ein weiteres Ehepaar, dem sie vor zehn Jahren die Stadt zeigte. Per Zufall traf man sich wieder und das Paar erkannte Viola Tiepelmann auf Anhieb. Oder ein aufrichtiges "Danke, das haben sie schön gemacht" nach einem langen Arbeitstag, deren Abschluss eine Stadtführung war.

Es sind diese Momente, die die Gästeführer motivieren. "Stadtführungen sind eine Aufgabe von uns, aber es gibt noch so viel mehr zu tun", umschreibt es die Tourist-Chefin. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch ihr Mitarbeiter-Team und die vielen ehrenamtlichen Gästeführer, die auch bei anderen Projekten mit anpacken. "Es ist unsere große Aufgabe, unsere Gäste zufrieden zu stellen", sagt Tiepelmann und nennt damit eine Erwartung, die sie an sich genauso wie an ihre Gästeführer und Mitarbeiterinnen stellt. "Wir sind die Botschafter der Stadt. Wir müssen den Gästen das Gefühl geben, dass wir sie gern hier haben." Emotionen zu vermitteln, sei die wichtigste, schwierigste und vornehmste Aufgabe der Gästeführer.

Umso entspannter kann Viola Tiepelmann in die Zukunft blicken. Das Anhalt-Jubiläum, die Luther-Dekade, Katharina - die Nachfrage nach diesen Themen wird in den kommenden Monaten und Jahren weiter steigen. Doch die Zerbster Städteführer sind gut vorbereitet. "Wir bilden uns regelmäßig weiter, unternehmen Bildungsreisen und Lehrgänge zu aktuellen Themen", zählt Tiepelmann auf.

Alle Nachtführungen in diesem Jahr sind bereits ausgebucht. Im Winter können sich Interessenten jedoch bereits für Nachtführungen im kommenden Jahr vormerken lassen. Über dieses wie auch das weitere Angebot an Stadtführungen informieren die Mitarbeiterinnen der Tourist-Info Zerbst gerne unter Telefon (0 39 23) 76 01 78 oder 23 51.