Wasser dominiert das Leben. Tödlich, wenn es fehlt. Ganz fatal, wenn es zu viel gibt. In einer lockeren Serie nähert sich die Zerbster Volksstimme dem Thema Wasser. Im Fokus stehen die aktuellen Erscheinungen, die Wechselwirkungen des Wassers mit Natur wie Zivilisation. Heute: Vier Beispiele für zu viel Wasser in Zerbst.

Zerbst. "Zu DDR-Zeiten war ständig der Abwasserkanal dicht, die Brühe lief uns in die Grundstücke. Dann wurde die Gartenstraße ausgebaut. Und der Kanal war größer. Das Abwasserproblem war weg. Doch immer wieder gab es feuchte Keller, meist nach ergiebigem Regen oder zur Schneeschmelze. Je nach Wasserstand in der Nuthe gegenüber." Dirk Müller lebt seit über 40 Jahren in der Gartenstraße. Ein Viertel jedes Jahres steht Wasser in einzelnen Kellerräumen. "In letzter Zeit besonders schlimm."

Zwei Häuser weiter in der Gartenstraße hat Uhrmachermeister Bernd Richter Haus und Kellerräume ausgebaut. "Es gab immer mal etwas Nässe, aber die letzten Jahre wurde es immer noch schlimmer." Die Nuthe von gegenüber, die sich am Schlossgartenrand parallel zur Gartenstraße Richtung Dornburger Platz zieht, "hat soviel Wasser wie nie".

Auf Nuthe-Niveau

Vor Jahrzehnten wurde das Zerbster Klärwerk in der Käsperstraße ausgebaut. Die Werder-Nuthe - sie zweigt hinter dem Gartenstraßen-Parkplatz ab - wurde dafür massiv verändert: "An ihrem Abzweig eingeschnürt, ansonsten um einen Meter tiefer gelegt, damit das geklärte Abwasser dort hineinfließt", erzählt Richter.

Und ist sauer. "Heute könnte man die Einengung ohne viel Aufwand zurückbauen. Dann würde das Wasser schneller aus Zerbst hinausfließen und wir hätten vielleicht wieder die Chance auf trockene Keller." Richter hat eine umfangreiche Korrespondenz mit dem Unterhaltungsverband Nuthe/Rossel, ebenso mit der Unteren Wasserbehörde. "Es rührt sich einfach nichts. Dabei wäre diese Maßnahme so einfach."

Auch Martin Bläß lebte viele Jahre in der Gartenstraße. "Da war der Keller immer feucht." Vor zwölf Jahren zog seine Familie in die Karl-Marx-Straße. Als Hausverwalter jenes Mietshauses kennt Bläß dessen Keller bestens. "Es gab vor Jahren mal \'ne feuchte Stelle. Aber wochenlang sieben Zentimeter gab es hier noch nie." Vom 9. Januar bis tief in den Februar hinein wurde täglich fünf Stunden Wasser abgepumpt. Fünf Keller waren betroffen. "Da standen Bücher, Textilien, Möbel. War alles beschädigt oder unbrauchbar."

Unsere Beispiel-Gebäude sind alle um die 100 Jahre alt. "Wir können davon ausgehen, dass niemand solche Häuser ins Wasser hineingebaut hat. Es muss dort trocken gewesen sein", meint Bernd Richter. Die Situation wird ganz sicher von der Nuthe bestimmt: Arme und Gräben wurden je nach kommunalen oder gesellschaftlichen Erfordernissen umverlegt, verrohrt, verengt, vertieft, verfüllt. Aber in der Karl-Marx-Straße? "Die Oberflächenentwässerung haut hier nicht hin. Es gibt schon seit vielen Jahren ein Ausgleichsbecken in den Anlagen entlang der Bahnstrecke. Das hat die letzte Zeit nicht mehr funktioniert, aber vor Wochen haben sie es endlich wieder in Gang gebracht. Und das merken wir deutlich", erzählt Bläß. Bis vor Kurzem versank die Karl-Marx-Straße bereits bei mittlerem Regen. Jetzt nicht mehr. Wenn nun dennoch die Keller in der Karl-Marx-Straße unter Wasser stehen, dann belegt das einen allgemein gestiegenen Grundwasserspiegel. "Normalerweise ist das Ausgleichsbecken schnell wieder leer. Jetzt steht da ständig Wasser", bestätigt Bläß diese These.

Was die Alten taten

Kluge, filigrane Eingriffe in die Zerbster Wassersituation wünschen sich auch die Eheleute Gernot und Inge Hädicke. Seit vielen Jahren mühen sie sich um die Erhaltung der stattlichen Villa Jeversche Straße 70 und sagen: "Jetzt nicht mehr. Ist das eine fertig, geht das nächste kaputt." Wochenlang stand jetzt das Wasser im Keller. "Wir mussten pumpen, schon wegen der Heizung. Das wird alles zuviel", sind beide betrübt. Dabei kennen sie eine Ursache: "Früher wurde im Rephunsgarten mehr darauf geachtet, dass die Entwässerung funktioniert. Aber da wird ja schon seit Jahren nichts mehr gemacht."

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