Noch bis zum 20. Mai läuft das öffentliche Beteiligungsverfahren zum Entwurf des neuen Teilplans "Windenergienutzung in der Planungsregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg". Dieser sieht die Ausweisung eines 208 Hektar großen Windvorranggebietes zwischen Güterglück und Gödnitz vor. Gegen das Vorhaben kämpft eine Bürgeriniative, die in dieser Woche erneut ihre Argumente darlegte.

Güterglück. Mehrere Windräder könnten in nicht allzu ferner Zeit zwischen Güterglück, Gehrden, Gödnitz und Walternienburg kreisen. Einen Eindruck davon vermittelten die Bildmontagen, die Hans-Georg Brosig am Computer erstellt hatte und beim jüngsten Zusammentreffen der Bürgerinitiative in dieser Woche präsentierte. Die Anwesenden bestärkte der fiktive Blick in die Zukunft nur noch mehr in ihrer ablehnenden Haltung. Sie sind dagegen, dass unmittelbar vor dem Biosphärenreservat Mittelelbe eine 208 Hektar große Fläche als Windvorranggebiet ausgewiesen wird.

Genau darauf jedoch hat sich die Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg im November verständigt. Damals beschloss sie die Aufstellung des neuen Teilplans "Windenergienutzung", zu dessen Entwurf momentan das öffentliche Beteiligungsverfahren läuft. "Bis zum 20. Mai kann sich jeder Bürger dazu äußern", informierte Hans-Georg Brosig. "Bislang haben wir 73 Briefe von Bürgern", berichtete Dr. Jürgen Baumgart der Runde am Mittwochabend von Schreiben, die ihr Anliegen unterstützen. Die Initiative selbst hat ebenfalls bereits eine Stellungnahme verfasst, in der sie auf sieben Seiten Argumente gegen einen Windpark bei Güterglück darlegt.

Neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes kritisieren sie darin, dass wesentliche Dinge des Naturschutzes nicht betrachtet worden seien. In dem betreffenden Gebiet "gibt es nachweislich Fledermäuse", nannte Hans-Georg Brosig ein Beispiel. Auch, dass dort immer wieder Zugvögel beim Rasten beobachtet werden, führte er an. Aber auch, dass seit Aufgabe der Strecke Güterglück-Barby der Bahndamm einen eigenen Biotopcharakter entwickelt hat. "Das sollte zumindest erwähnt werden", fand er.

Zugleich ist die Bürgerinitiative der Ansicht, dass ein solcher Windpark eine weitere touristische Entwicklung der Region verhindert. Dabei biete der beliebte Elberadweg wie die stillgelegte Bahntrasse einige Möglichkeiten. "Es wird in keinster Weise angesprochen, dass es da Konfliktpotenzial gibt", bezog sich Hans-Georg Brosig auf den sachlichen Teilplan.

Als weitere Gegenargumente listet die Initiative unter anderem die Beeinträchtigung durch Dauerschall, Schattenwurf und den so genannten Diskoeffekt - dahinter verbergen sich die Lichtreflexionen der Rotorblätter - auf. Dazu gehört ebenfalls der für menschliche Ohren nicht wahrnehmbare Infraschall, der nach Aussagen von Jürgen Baumgart zu gesundheitlichen Problemen wie Schlafstörungen führen kann.

Darüber hinaus führt die Gruppe den "nachweisbaren Werteverfall von Immobilien" genauso an wie die Befürchtung, dass die Windräder junge Familien, die aufs Land ziehen wollen, abschrecken. "Es ist dann nicht mehr erstrebenswert, sich in Güterglück niederzulassen", meinte Hans-Georg Brosig.

Sorgen bereitet der Bürgerinitiative auch, dass die Windkraftanlagen in einer Tiefflugübungsstrecke der Bundeswehr errichtet werden sollen. Zudem erachtet sie eine potenzielle Unfallgefahr durch Eiswurf. "Es gehen zwei Verbindungsstraßen durch das vorgesehene Gebiet", gab Hans-Georg Brosig zu bedenken.

In der Stellungnahme spricht die Initiative ferner die rechtlichen Aspekte an. So hätten ihrer Meinung nach die betroffenen Ortschaftsräte hinsichtlich der Auswahl von geeigneten Windenergieflächen angehört werden müssen. Das geschah nicht. Erst jetzt im Zuge des Beteiligungsverfahrens können sie sich äußern. In dem Zusammenhang teilte Hans-Georg Brosig mit, dass der Ortschaftsrat Güterglück in seiner Stellungnahme erneut eindeutig gegen das geplante neue Vorranggebiet "Güterglück" Position bezogen hat.

Nicht zuletzt schlägt die Ini-tiative verschiedene alternative Flächen im Umfeld von Zerbst vor, die zum Aufstellen von Windrädern genutzt werden könnten - beispielsweise entlang der Bahnstrecke nach Rodleben. Wenn man sich Mühe gebe, könnte man Flächen finden, die Natur und Mensch weniger beeinflussen, glaubte Hans-Georg Brosig.

Bis 29. April liegt der Planentwurf übrigens im Planungsamt der Stadt Zerbst, Puschkinpromenade 2, sowie im Landratsamt aus. Dort können ihn die Bürger einsehen sowie Bedenken und Anregungen äußern. Diese werden dann bei dem Erörterungstermin am 5. Juli in Köthen öffentlich beraten.