Zerbst (tdr). Das politische Geschehen in der Bundeshauptstadt werde aktuell "von der Energiewende beherrscht". Dies erklärte der Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold am Sonntag vor Zerbster Handwerkern. In zehn Jahren werde Deutschland sich "dramatisch verändert haben. Der Wandel in der Energiebranche sollte innerhalb von Jahrzehnten erfolgen, jetzt wird er absehbar binnen weniger Jahre erfolgen. Dies wird dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber auch die Bevölkerung insgesamt haben."

Petzold erklärte, der Atomausstieg werde die erneuerbaren Energien einerseits beflügeln, was andererseits zu höheren Energiepreisen führen wird. "Aber aus diesem Prozess erwachsen auch Chancen, gerade für die Handwerker und Dienstleister."

Die individuellen Verbräuche der Menschen würden sich neu ausrichten: Energieerzeugungsarten würden beim Energiebezug eine größere Rolle spielen. Der Anteil privat erzeugter Energie werde deutlich zunehmen. Die Menschen werden investieren, um eine gewisse Unabhängigkeit zu erreichen. "Genau hier kommen neue Anforderungen auf das Handwerk zu. Es wird Konkurrenzen der Gewerke geben, es wird ein erheblicher Informations- und Beratungsbedarf zu befriedigen sein."

Der Anhalt-Bitterfelder Kreishandwerksmeister Roland Prokop verwies hierzu auf die bereits langjährigen Erfahrungen der Meister in ihren Gewerken. "Wir bauen seit Jahren Photovoltaik auf die Dächer und Brennwerttechnik in die Heizungsräume. Das Handwerk ist fundiert ausgebildet. Wichtig ist, dass die gesetlichen Vorgaben und Regelwerke angepasst werden."

Petzold unterstrich dies mit einem Beispiel: "Bei mir melden sich beispielsweise Feuerwehren und fragen nach, wie man denn mit Solaranlagen umzugehen hat, wenn das Haus darunter brennt. Ich habe mich mit dieser Frage an die Hochschule Anhalt gewandt." Es habe Entwarnung gegeben: Die den Solarmodulen nachgeschalteten elektrischen Systeme würden in solchen Fällen stromfrei schalten.

Dr. Jürgen Rogahn, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle-Dessau, erklärte mit Blick auf die befürchtete Konkurrenz der Gewerke: "Das ist eigentlich unter den Gewerken klar geregelt. Auch der Dachdecker baut Solaranlagen auf, ganz klar. Am Ende jeder derartigen technischen Installation befinden sich elektrische Bauteile, und die werden zwingend vom Elektro-Gewerk ausgeführt. Die fachgerechte Montage der Gesamt-Anlage ist so gesichert." Möglicherweise würde bald der Voll-Solar-Dachziegel entwickelt oder die Solar-Außenwand. "Die würden dann vom Maurer installiert."