Live übertragen vom MDR-Kulturradio Figaro fand am Sonntag der Festgottesdienst zu den 11. Internationalen Fasch-Festtagen aus der Zerbster Stifts- und Hofkirche St. Bartholomäi statt.

Zerbst. Und damit aus einer Kirche mit direktem Bezug zu Johann Friedrich Fasch, so Rundfunkbeauftragte Mechthild Werner, und aus einer Stadt, die das "himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt" dieses Palmsonntags nach dem Gedenktag an die Zerstörung 1945 nachfühlen könne. Mit der in den Gottesdienst eingebetteten Erstaufführung von Faschs Kantate "Zion mach in deinen Toren" klinge der Jubel des kommenden Osterfestes bereits an.

Die Kantate kann zeitlich nicht exakt eingeordnet werden, ist jedoch auf jeden Fall nach 1729 entstanden. Das aufführungspraktisch bearbeitete Musikwerk wurde von der Zerbster Kantorei und der Cammermusik Potsdam unter Leitung von Kreiskirchenmusikwart Tobias Eger als Erstaufführung präsentiert.

Chor, Gesangssolisten und Orchester sangen und spielten von der Empore aus. Nach kurzem Tenorsolo hob der Chor bei opulenter Orchesterbegleitung mit dominaten Trompeteneinsätzen zu einem prachtvollen und hymnenartigen Eröffnungssatz an.

Im instrumentalen Miteinander brillierten die in der Barockmusik verwendeten und besonders von Fasch sehr effektvoll eingesetzten Oboen und Flöten in Soli oder im spannenden Wechselspiel mit Gesangssolisten oder dem übrigen Orchester. Als Beispiel stehen dafür unter anderem die Sopran-Arie "Frohlocket, ihr betrübten Sünder ..." mit drei Oboen, die Alt-Arie mit Flöte "Du heischt von uns ..." oder die Tenor-Aria "Der Tod, so groß ...", die stimmungsvoll von den zwei Flöten begleitet wurde. Die vier Gesangssolisten Shirley Radig (Sopran), Bettina Denner-Brückner (Alt), Peter Diebschlag (Tenor) und Dirk Schmidt (Bass), den Konzertfreunden in Zerbst zum Teil nicht unbekannt, überzeugten mit guter Diktion und klangreichen Stimmen.

Gut ausgewogene Polyphonie und kraftvoll sowie variabel eingesetztes Klangvolumen prägten den Auftritt der Zerbster Kantorei, die von einigen Sangesfreunden von außerhalb unterstützt wurde. So, wie beim abschließenden strahlenden und optimistisch stimmenden Choral "Wenn mein Stündlein vorhanden ist ...".

Der verdiente Beifall für diese Aufführung wurde am Ende des Gottesdienstes reichlich gespendet. Er war auch ein Beleg für das Predigtthema von Pfarrer Michael Blaszcyk zur Frage "Was soll das?". Wie Liebe und Glaube, so seien auch Kunst und Musik auf eine gewisse Art verschwenderisch "und machen trotzdem reich".

Die Cammermusik Potsdam gestaltete auch Vor- und Nachspiel des Gottesdienstes.

Die Berichterstattung zum Abschlusskonzert finden Sie auf der heutigen Kulturseite.