Die Zerbster Wochenmarkthändler wollen ihre Waren lieber auf der Alten Brücke anbieten. Dort hatten sie während der Markt-Ausbauzeit provisorisch gestanden.

Zerbst. Die Probezeit ist vorbei, meinen die Zerbster Markthändler. Ihr Fazit scheint eindeutig: Auf der Alten Brücke laufen die Geschäfte wesentlich besser. Daher haben sie beim Ordnungsdezernat der Stadt beantragt, regulär auf der Alten Brücke zu den Markttagen stehen und Waren verkaufen zu können.

Das Schreiben war Mitte März in der Stadtverwaltung eingegenagen, am Montag- abend befasste sich der Haupt- und Finanzausschuss damit. "Wie wollen wir den Händlern antworten?", frage Bürgermeister Helmut Behrendt in die Runde. "Ich stehe dem positiv gegenüber", meinte Stadtrat Steffen Grey (FDP). Allerdings sei diese Position noch nicht mit der Fraktion besprochen. Grey: "Die Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Und die vier Hütten auf dem Markt sind ein sehr verlorenes Häufchen. Die Kunden kommen dort nicht hin, die B 184 trennt die Stadt zu stark."

Raina Lenze (Linke) sagt: "Die Händler hatten auf der Alten Brücke mehr Zuspruch. Und wenn das Kaufhaus fertig ist, wird sich das weiter verstärken."

Ohne Handel kein Leben

"Die Situation ist bedauerlich. Wir wollten den Markt verbessern und beleben, und jetzt funktioniert die Sache nicht. Kann man die Situation der Händler auf dem Markt nicht noch irgendwie optimieren und verbessern?", meint Bernd Wesenberg (B90/Grüne).

Silke Hövelmann (SPD) erklärte: "Die Händler haben diese Probezeit absolviert. Das Fazit haben wir erfahren. Wir können keine Käufer zwingen, auf den Markt zu gehen. Es wäre bedauerlich, wenn die Händler zu wenig Umsatz machen, so dass sich das für sie nicht mehr rechnet. Ich befürchte, mit weiteren Einbußen sind sie bald weg."

"Da bin ich anderer Meinung", erwiderte Nicole Ifferth (UWZ). "Wir haben den Markt extra auch für die Händler ausgebaut. Viele neue Leitungen und Anschlüsse, das Marktkonzept ist ganz konkret auf ein reges Markttreiben ausgerichtet. Auf der Alten Brücke waren die Händler nur übergangsweise. Wie wollen wir den Markt beleben, wenn wir die Händler weg lassen? Die Leute waren anfangs auch alle gegen Kaufland, keiner wollte es. Jetzt rennen alle dorthin", glaubt sie an eine gute Entwicklung auf dem Markt. Wenern Bressel (FDP) widersprach seinem Fraktionsvorsitzenden Grey ausdrücklich. "Der Markt soll Markt sein! Das war immer das Ziel. Wir können die Händler nicht auf die Alte Brücke lassen. Ein halbes Jahr reicht nicht, um die Sache zu bewerten."

Bernhard Mücke, der als Ortsbürgermeister Gehrden an der Sitzung teilnahm, sagt den Zerbstern: "Der Markt sind die Augen des Stadt. Mit den Händlern."

Bürgermeister Behrendt erklärte dann: "Die Situation hat sich grundlegend geändert. Ich fahre da vorbei und sehe drei bis vier Buden. Das hat keine Wirkung, auch nicht für die angrenzenden Markt-Geschäfte.

Wilfried Bustro (CDU) empfiehlt dringend, mindestens ein ganzes Jahr vergehen zu lassen, ehe der Handelsplatz Markt bewertet wird.

Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer verwies auf die Fakten. Das Markt- Entwicklungskonzept sieht vor, den Markthändlern keine Gebühren aufzuerlegen. "Und zwar unbefristet." Lediglich die Betriebskosten sind zu zahlen. "Das würde auf der Alten Brücke nicht so sein." Er empfahl dringend, "nicht nur das flaue Winterhalbjahr" als Maßstab zu nehmen. "Die Saison auch für die Markthändler geht doch eigentlich jetzt erst richtig los. Ich bin auch im Zweifel, ob wirklich so schlechte Umsätze bestehen. Wir stellen jedenfalls fest, dass die Parkfläche für die Autos der Wochenmarkt-Kunden nicht reichen. Im Übrigen war keine Probezeit festgelegt worden."

Nachdem mehrere Hauptausschussmitglieder hiernach ebenfalls dafür warben, das Markttreiben mindestens bis September/Oktober als "Probezeit" zu betrachten, fasste Bürgermeister Behrendt dies als Kern eines Antwortschreibens an die Markthändler genau so zusammen.

Keine Laufkundschaft

Ob dies die Stimmung der Markthändler heben wird, darf bezweifelt werden. Ob Günter Kinnemann, Jörg Lindig oder Rosemarie Tell - sie alle beklagen die fehlende Laufkundschaft, die auf dem oberen Markt nach wie vor fehle. Doch mittlerweile ist ein weiteres Problem hinzugekommen. "Viele Kunden, die aus der Brüderstraße kommen, wissen nicht, wo sie parken sollen", erzählt Kinnemann. Also bleiben sie oft in der zweiten Reihe stehen. "Nun hat die Polizei das schon mehrmals geahndet. Wer ein Knöllchen kriegt, kommt nicht nochmal wieder." Diese Beobachtung teilt auch Jörg Lindig. "Mit dem besseren Wetter war auch der Kundenzulauf ein wenig besser, als längst nicht mit dem Alten Brücke zu vergleichen."

Vielmehr macht sich ein wenig Resignation breit. "Wir haben Unterschriften gesammelt und uns beschwert. Aber es passiert ja nichts", sagt Rosemarie Tell. "Das alles hat schon so einen langen Bart."

Für diese Markthändler reicht das halbe Probejahr aus, um den Standort Markt nicht weiter zu wollen. "Es ist auch die B 184, die die Stadt teilt", sagt Günter Kinnemann. Während Lindig-Verkäuferin Christiane Müller die Umsatzeinbrüche mit rund 25 Prozent schätzt, ist es bei Günter Kinnemann das Obst und Gemüse, das übrig bleibt. "Sonst haben wir den Blumenkohl immer verkauft. Letztes Jahr mussten wir ihn wieder mit nach Hause nehmen."