Mit einem Gottesdienst wird am Ostermontag in der Radfahrerkirche von Steckby die diesjährige Radlersaison am Elberadweg eröffnet. Wer Lust hat, kann anschließend an einer kurzen Fahrradtour teilnehmen. Daneben besteht Gelegenheit, den sakralen Feldsteinbau zu besichtigen, der im vorigen Jahr rund 2700 Besucher anlockte. Außerdem wartet im Vestibül eine neue Ausstellung mit eindrucksvollen Grafiken darauf, entdeckt zu werden.

Steckby. Als St. Nicolai im Mai 2008 als Anhalts erste Radfahrerkirche eröffnet wurde, ahnte wohl niemand, dass sich das Konzept zu einer solchen Erfolgsgeschichte entwickelt. Seit damals konnten fast 7500 Besucher gezählt werden. Im vorigen Jahr waren es allein gut 2700. "Die Resonanz ist toll", freut sich Boris Krmela. "Es gibt Kraft, dass die Menschen das Angebot so annehmen", erklärt der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats von Steckby.

Mit einem zufriedenen Lächeln schaut er auf die Saisonauswertung für 2010. Erstmals kamen die meisten Radtouristen aus Nordrhein-Westfalen und nicht mehr aus Sachsen. Das verriet die im Vorraum ausgehängte Deutschlandkarte, auf der jeder Gast seinen Heimatort markieren kann. In den Nachbarländern klebten ebenfalls wieder farbige Punkte. "Der Anteil der ausländischen Gäste ist seit 2008 kontinuierlich angestiegen und stellt mit elf Prozent aller Besucher einen bemerkenswerten Anteil dar", findet Boris Krmela. Besonders stark vertreten sind die Schweizer, aber auch die Tschechen scheinen den Elberadweg zunehmend für sich zu entdecken und damit zugleich St. Nicolai.

Zwischen Ostern und dem Reformationsfest ist die sakrale Feldsteinkirche mit dem begehbaren Fachwerkturm täglich zwischen 8 und 20 Uhr geöffnet. In den Sommermonaten lädt das um 1200 erbaute Gotteshaus sogar bis 22 Uhr zum Verweilen ein. Diese Möglichkeit wissen zahlreiche Pedalritter zu schätzen. Ihre Dankbarkeit über diesen wunderbaren Ort der Stille und Einkehr notieren sie im Anliegenbuch. Aus den Eintragungen darin geht zugleich hervor, dass 2010 viele Leute aus dem Dessauer Raum die Steckbyer Kirche besucht haben.

Bleibt abzuwarten, wie sich die diesjährige Saison entwickelt, die am Ostermontag eröffnet wird. Aus diesem Anlass findet um 10 Uhr in St. Nicolai ein Gottesdienst statt, den Pfarrer Reinhard Hillig hält. Anschließend - so gegen 11.30 Uhr - startet eine kleine Radtour. Wer daran teilnehmen möchte, wird gebeten, sein Fahrrad mitzubringen. Daneben besteht Gelegenheit, die Kirche zu besichtigen und vom Turm aus den Blick über die Aue zu genießen.

Außerdem gibt es im Vestibül eine neue Ausstellung zu entdecken. "Wir hatten zwei Bewerber", erzählt Boris Krmela, dass erstmals Künstler von sich aus an den Gemeindekirchenrat her-angetreten sind. Einer von ihnen war Ulrich Michelsen, der in Steckby zusammen mit seiner Frau die Storchenmühle betreibt und dort bereits einige seiner Bilder präsentiert hat.

Die Wahl fiel jedoch zunächst auf den Berliner Stadtplaner Ludwig Krause. Mit dünnen, wenigen Strichen hat der 69-Jährige eindrucksvoll verschiedene Sehenswürdigkeiten entlang des Elberadweges mit der Feder zu Papier gebracht. Von der Quelle bis zur Mündung des Flusses fertigte er zwischen 2001 und 2011 Zeichnungen bekannter Bauwerke wie der Dresdner Frauenkirche oder des Hamburger Rathauses an. Noch ganz frisch ist die Grafik von St. Nicolai, die sich da in die 35 Werke einreiht. Ob seine "beschreibenden Skizzen" bis zum Ende der Saison hängen bleiben, ist noch offen. "Vielleicht wechseln wir zwischendurch", überlegt Boris Krmela, dann Bilder von Ulrich Michelsen zu zeigen.

In dem niedrigen Vorraum befindet sich übrigens auch ein Ständer mit vielfältigem Informationsmaterial. Einen Teil der Flyer stellt das Biosphärenreservat Mittelelbe bereit. Neu sind Comics und Malbücher für Kinder, die die Kirchengemeinde vom Umweltbundesamt erhalten hat, wie Boris Krmela anmerkt.

www.radfahrerkirche-steckby.de

Bilder