Mit einer CD-Einspielung von Werken des in Köthen geborenen und als Hofkapellmeister in Dessau wirkenden August Klughardt leistet die Anhaltische Philharmonie Dessau einen künstlerischen Beitrag zum Jubiläum Anhalt 800. Aufgenommen wird die Produktion jetzt im Katharinasaal der Zerbster Stadthalle.

Von Helmut Rohm

Zerbst. Zerbster Stadthalle, viertel vor 9 Uhr. Nach und nach kommen die Musikerinnen und Musiker der Anhaltischen Philharmonie Dessau in den Katharinasaal. Kurz vor neun werden es insgesamt 55 sein.

Auch Antony Hermus, der Dessauer Generalmusikdirektor (GMD), kommt natürlich rechtzeitig. Hierhin ein gewinkter Gruß, dort ein kleines Schwätzchen, stets gut aufgelegt - wie auch die Musiker. Einige üben noch ein wenig, "streichen" und "blasen" sich ein. Es ist für die Dessauer der zweite Tag in der Zerbster Stadthalle.

Den Musiktraditionen verpflichtet

Insgesamt 26 Mikrofone sind in verschiedenen Höhen und an den Notenpulten zu sehen. Zahlreiche Kabel führen über die Bühne in den hinteren Bereich. Dort wirkt Stephan Reh, selbstständiger Tonmeister aus Köln, umgeben von viel Technik. In Zerbst ist er im Einsatz für das Label CPO. Anlass ist eine CD-Einspielung.

"Wir nehmen an insgesamt drei Tagen die 4. Sinfonie von August Friedrich Martin Klughardt auf", erklärt Antony Hermus. Inzwischen hat sich ergeben, dass es zwei weitere Aufnahmetage für zwei zusätzliche Stücke geben wird, auch von Klughardt.

August Klughardt (1847-1902) war Komponist und Dirigent. Er wurde in Köthen geboren. 1863 zog die Familie nach Dessau, wo er bereits als begabter Pianist debütierte. Schon während seines Studium ab 1866 in Dresden trat er mit ersten Kompositionen an die Öffentlichkeit. Er wirkte als Dirigent in Posen, Neustrelitz, Lübeck und Weimar. Von 1882 bis zu seinem Tod war Klughart Hofkapellmeister in Dessau. Er schrieb fünf Sinfonien, vier Opern und zahlreiche andere Orchesterwerke. Komponiert hat August Klughardt 1897 übrigens auch den in der Zerbster Verlagsbuchhandlung Gast herausgegebenen Festmarsch anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Zerbster Schützengilde.

"Wir fühlen uns den Des-sauer Musik-Traditionen verpflichtet", hebt GMD Hermus hervor. Die Anhaltische Philharmonie hatte schon 2009 unter Golo Berg Klughardts 3. Sinfonie als Konzertmitschnitt auf CD aufgenommen.

Dreimal in den Raum geschnippst

"Für uns ist diese aktuelle CD ein künstlerischer Beitrag zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt", so Antony Hermus.

Und warum ist gerade die Zerbster Stadthalle Einspielort? Antony Hermus, der Kapellmeister Daniel Carlberg und der Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, Joachim Landgraf, waren vor gut zwei Jahren, unmittelbar nach dem Amtsantritt des neuen GMD, in der Region unterwegs, auf Suche nach Räumlichkeiten für Studioaufnahmen. Auch in Zerbst.

Die Stadthalle hat die Dessauer Gäste erst einmal mit dem tollen Ambiente überrascht. Und die Akustik? "Wenn du ein paar Mal mit den Fingern schnippst, kurz mal rufst, den Widerhall hörst, dir die Wand- und Deckengestaltung anschaust, weißt du, ob der Raum geeignet ist", so der Fachmann Hermus. Und der Katharinasaal der Zerbster Stadthalle wurde für sehr gut geeignet befunden.

Da wusste der GMD noch nicht, dass er vor der jetzigen CD-Produktion mit seinem Orchester eben hier bereits zu einem Konzert aufspielen wird. Diesen begeisternden Konzertabend gab es dann im vergangenen Jahr zur Einweihung des Katharina-Denkmals im Schlossgarten.

Zurück zum jetzigen Aufnahmeprozedere. Um neun Uhr sitzen alle. Antony Hermus etwas erhöht, vor sich die Partitur. Neben ihm das noch nicht leuchtende rote Licht für "Aufnahme". "Erst mal machen wir etwa eine viertel Stunde zum Warmspielen", sagt Antony Hermus. Das ist auch die Zeit, in der der Fotograf einige Bilder machen kann.

Als die rote Lampe aufleuchtet, herrscht völlige Ruhe: "Aufnahme".

Anfang 2012 auf dem Markt

Dann wird gespielt, an den Feinheiten gefeilt, teils wiederholt. Antony Hermus sagt exakt und konkret an, doch stets freundlich und die Musikerinnen und Musiker motivierend. Das mache die Arbeit zwar nicht leichter, erfordere nicht weniger Konzentration, aber es mache eben auch Spaß - nicht nur eine Musiker-Meinung.

Von zwölf bis halb zwei ist Pause. Entspannung und Selbstverpflegung. Was da so alles gegessen und getrunken wird, allein für sich oder in Gruppe, im Saal oder einer Gaststätte, das wäre eine andere, nicht minder interessante Geschichte.

Für Antony Hermus geht es zu Pausenbeginn erst einmal schnell zum Tonmeister Stephan Reh - mal in die Aufnahme hinein hören. "Muss schnell noch die Partitur holen, um etwas abzustimmen", ruft er.

Erscheinen wird die in Zerbst aufgenommene Klughardt-CD der Anhaltischen Philharmonie Dessau Anfang nächsten Jahres, des Jubiläumsjahres Anhalt 800.

 

Bilder