Sie bieten Schutz bei Regen, sind ein Farbklecks im tristen Alltag und viel zu oft Opfer von Gewalt - nur ihre eigentliche Funktion wird nicht mehr genutzt: Die Rede ist von Telefonzellen. Fünf Stück sollen in den nächsten Monaten aus dem Zerbster Stadtbild verschwinden.

Von Cordula Bischoff

Zerbst. Geht es nach dem Willen der Telekom, dann werden in den nächsten Monaten fünf Telefonhäuschen aus dem Stadtbild von Zerbst verschwinden. In der Marcellstraße, Breite Straße, Dessauer Straße, Fritz-Brandt-Straße und Dobritzer Straße heißt es für den öffentlichen Münzfernsprecher dann: Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer.

"Es stimmt, diese Telefonzellen sollen demnächst der Vergangenheit angehören", bestätigt Jürgen Will, Pressesprecher der Telekom-Region Ost, auf Anfrage der Volksstimme. "Sie lohnen sich ganz einfach nicht mehr. Die Betriebskosten für die genannten Standorte sind wesentlich höher als die Einnahmen. Es gibt Telefonhäuschen, da machen wir nicht einmal zehn Euro Umsatz im Monat. Das geht nicht auf Dauer."

Die Entscheidung für den Rückbau kommt nicht überraschend: "Wir haben die Umsatzentwicklung über Monate beobachtet, aber es wurde nicht besser", so Jürgen Will gegenüber der Volksstimme. "Es ist kein Bedarf mehr dafür da. Die Gründe liegen auf der Hand: Die meisten Zerbster haben einen Festnetzanschluss, hinzu kommen die mobilen Telefone. Da brauchen die Einwohner diese fünf Häuschen ganz einfach nicht mehr."

Allerdings trägt sich die Telekom mit einem anderen Gedanken. "Wir haben in ganz Deutschland bisher rund 2000 sogenannte Telestationen aufgebaut. Dort haben Interessenten die Möglichkeit, mit ihrem mobilen Computer über W-Lan online zu gehen. Sie können also im Freien arbeiten. Diese Hotspots werden sehr gute angenommen und vielleicht steht ja eine dieser schlanken Edelstahlsäulen eines Tages auch in Zerbst", so Jürgen Will.

Von der Zukunft zurück in die Gegenwart: Ob die fünf Telefonzellen wirklich abgebaut werden, steht noch nicht fest. Die Telekom hat die Vorschlagsliste für den Rückbau bei der Stadt abgegeben. "Wenn die beispielsweise sagt, die Telefonzelle x muss unbedingt bleiben, weil dort eine Schule ist, dann beobachten wir die Umsatzentwicklung noch einige Zeit weiter", so Jürgen Will.

Unterdessen ist das Thema auch dem Zerbster Bau- und Stadtentwicklungsausschuss vorgetragen worden. Mit zustimmendem Schulterzucken nahm der Ausschuss die Telekom-Absichten zur Kenntnis. Zumindest hier gab es keine Hinweise auf Standorte, die unbedingt erhalten bleiben müssten.