Nicht zum ersten Mal lud Bauausschussvorsitzender Helmut Seidler zur einer Arbeitsberatung samt Rundgang durch den Zerbster Schloßgarten ein. Gestern nahm jedoch ein besonderer Gast daran teil. Heinrich Hamann, in Zerbst aufgewachsen und ausgewiesener Gartenexperte.

Zerbst. "Verzeihen Sie mir, wenn ich zu viel geschimpft habe, aber ich hänge an Zerbst und seinem Schloßgarten", sagt Heinrich Hamann nach einem zweistündigen Rundgang durch jenes Kleinod, das der langjährige stellvertretende Gartendirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci eine Weile gemieden hat. Seine Bemühungen in den 90er Jahren in Bezug auf den Schloßgarten fanden damals keinen Anklang und so ließ Hamann dieses Engagement hinter sich.

Nun folgte nach vielen Jahren der ersten umfassende Spaziergang - eingebettet in eine Arbeitsberatung. "Die ersten Schritte sind getan, machen Sie weiter so", lautete sein Fazit. Immer und immer wieder betonte Heike Mortell vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, dass hier in kleinen sinnvollen Schritten gearbeitet wurde und wird. Grünflächenamtsleiterin Kerstin Gudella und Landschaftsarchitekt Uwe Merz hoben die Leistung der Männer hervor, die im Rahmen der Maßnahme "Aktiv zur Rente" viele Kleinprojekte umgesetzt haben.

Hamanns Anerkennung ernteten beispielsweise die an der Stadtmauer zwischen Eisdiele Frens und Kiek in Pott gepflanzten Weinstöcke. Die Andeutung des Goldfisch- und Türkenteiches durch Bodenmulden und historische Bilder auf kleinen Steintafeln lobte er ebenfalls. Schon fast euphorisch verwies er auf den am Ostflügel freistehenden Flieder, der bereits in den 30er Jahren dokumentiert wurde. Das deutlich freigeschnittene Teehäuschen, die Umverlegung des Verbindungsweges zum Katharina-Denkmal: Auch dies fand seine Zustimmung.

Doch neben dem Lob sparte Hamann nicht an Kritik. "Gerade durch das Katharina-Denkmal hat der Schloßgarten eine solche Aufwertung erhalten, dass es hier ein Heimatfest nicht mehr geben dürfte. Das ist ein Kulturdenkmal", sagt Hamann mit Nachdruck. Doch seine Forderungen gehen noch weiter. Der Mittelweg müsste ebenso verschwinden wie die beiden Douglasien und die ihnen nahestehende Linde. "Die Stadthalle ist das Juwel und muss sichtbar sein. Generell müssten die Wildgewächse herausgenommen werden. Sie sind nicht Teil der Bepflanzungen und gehören nicht hier her. Man sieht den Park vor Bäumen nicht." Dies gelte auch für viele Büsche und Bäume entlang der Nuthe. "So ist die Schwingung der Nuthe, deren Dynamik gar nicht zu sehen."

Wenn ein solch ausgewiesener Experte für Landschaftsparks schon einmal vor Ort ist, nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, einige Fragen zu künftigen Vorhaben zu stellen. Mit dem geplanten Verlauf des Verbindungsweges ist Hamann einverstanden. Auch eine Treppe, die Schloßplateau und Verbindungsweg verbinden soll, fand seinen Zuspruch. "Es wäre zwar ein neues Element, würde aber in die Böschung integriert liegen. Zumal es dort einmal einen Zugang zum Keller des Schlosses gegeben haben muss", fasste Merz zusammen. Dieser Schlussfolgerung konnte auch Hamann folgen. Des Weiteren sprach sich der Potsdamer dafür aus, die Böschung des Verbindungsweges bis zum Beginn der Tribüne um die Ecke weiter zu ziehen, bis später einmal die Tribüne angerissen werden soll.

"Der Besuch hat sich gelohnt", sagte Hamann abschließend, auch wenn es noch vieles zu tun gebe. Doch die bereits jetzt sichtbare Wertsteigerung sei enorm.

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