"Gehhilfe", "Plaste-Porsche", "überdachte Zündkerze" oder auch "Rennpappe" - der Trabant hat über die Jahre viele Spitznamen bekommen. Am 30. April 1991 lief der letzte vom Band im Produktionswerk in Zwickau, doch bis heute ist das Kultauto nicht vergessen. 3069099 wurden insgesamt hergestellt, rund 33000 sind in Deutschland noch unterwegs. Auch Günther Schüler aus Tucheim fährt noch einen.

Tucheim. Noch 247 Trabants sind im Landkreis Jerichower Land angemeldet. "Wie viele davon allerdings noch fahren, ist daraus nicht ersichtlich", erzählt Henry Liebe, Pressesprecher des Landkreises.

In Tucheim vor der alten Tankstelle steht noch einer. Ein Trabant 601 aus dem Baujahr 1988. Bis auf ein paar Lackschäden und einer Schramme am linken Kotflügel ist das Auto noch vollkommen funktionstüchtig. "Ich fahre zwar nicht mehr viel, aber wenn dann geht es nach Burg oder in die umliegenden Gemeinden zum Einkaufen", erzählt Besitzer Günther Schüler. 28 PS hat das grüne Gefährt und kann noch zwischen 90 und 100 Kilometer pro Stunde fahren. "Das ist aber Motorquälerei, wenn jemand schneller ist, soll er eben überholen", sagt der 83-Jährige.

Tradition geworden

Es ist bereits der dritte Trabi, den er sich zusammen mit seiner Frau Elfriede zulegte. Warum? "Es ist einfach Tradition. Für meine Ansprüche reicht das Auto aus und ich würde gegen kein anderes tauschen wollen", erzählt Schüler. 13 Jahre stand das Schmuckstück in der Garage eines Bekannten, dann haben Schülers zugeschlagen. Dadurch hat das Auto auch erst knapp 50000 Kilometer runter und "fährt noch wie am ersten Tag". Einen weiteren großen Vorteil des Trabants kennt der 83-Jährige nur zu gut: "Ist man handwerklich etwas versiert, können alle Reparaturaufgaben von selbst erledigt werden." Neben allen positiven Seiten gibt es auch für den Trabi-Liebhaber einige Macken, die er als störend empfindet. "Er braucht immer eine ganze Weile bis er wirklich warm wird und man richtig Vollgas geben kann." Besonders im Winter und bei kalten Temperaturen hatte der Trabant oft auch Schwierigkeiten überhaupt erst anzugehen. "Um dem entgegenzuwirken, haben wir Katalytöfen in das Auto und auch in die Garage gestellt und das hat dann funktioniert", erzählt der 83-Jährige.

Bisher haben ihm weder die zwei Vorgänger noch das aktuelle Auto im Stich gelassen. Eine Unachtsamkeit fügte seinem jetzigen Trabant eine Schramme am linken Kotflügel zu. "Da habe ich nicht aufgepasst und bei schlechtem Wetter und viel Wind ist dann das Garagentor gegengeschlagen", erzählt der 83-Jährige. Eine Geschichte, die er wohl nie vergessen wird, war ein Unfall mit dem Vorgängermodell als er sich überschlagen hat. "Mir ist dabei Gott sei Dank nichts passiert. Es war sehr glatt und die Straße unberechenbar", erinnert sich Schüler. Doch auch nach dem Unfall machte er sich die leichte Verarbeitung des Trabants zu nutzen. "Kotflügel und Dach konnte ich selbst ausbeulen, auch den Rest habe ich dann selbst wieder repariert", erzählt er mit einem Funken Stolz in der Stimme.

Sprit bringen die Kinder

Seit 1957 betreibt das Ehepaar in Tucheim die alte Tankstelle. Mittlerweile bieten sie selbst nur noch Diesel-Kraftstoff an. "Die Fahrzeuge der Landwirtschaftsbetriebe werden hier noch betankt und einige, die auf der Durchreise sind, machen hier einen kurzen Zwischenstopp", erzählt Schüler. Das Gemisch für den Trabi lassen sie sich von ihren fünf Kindern immer mal wieder mitbringen. "Unglaublich, wie teuer das in der letzten Zeit geworden ist", beschwert sich Schüler.

Und so steht der grüne Trabant weiterhin in der Ziesarstraße. Dieser hat schon technische Extras. "Heizung ist an Bord und wir brauchen nicht mehr zwischenkuppeln", erzählt Schüler. Das Interesse an ein moderneres Auto ist beim 83-Jährigen wirklich nicht gegeben. "Wir sind mit dem zufrieden, was wir haben."