Noch bis zum 20. Mai läuft das Beteiligungs- und Anhörungsverfahren zum 1. Entwurf des neuen Teilplans zur "Windenergienutzung in der Planungsregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg". Vor allem gegen die Ausweisung eines Vorranggebietes zwischen Güterglück und Gödnitz gibt es Widerstand. Heute nun wird der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss einen Beschluss über die Stellungnahme der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst fassen.

Gödnitz/Zerbst. Wenn der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss ab 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses tagt, wird er sich unter Punkt 10 mit dem neuen Teilplan "Windenergienutzung in der Planungsregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg" befassen. Konkret geht es um die Stellungnahme der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst zu dem Planentwurf, zu dem sich die 24 Ortschaften vorab äußern konnten. Die Hälfte nutzte die Gelegenheit. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Da gab es Zustimmung, aber auch Enthaltungen. So bezogen die Ratsmitglieder von Bias und Hohenlepte eine neutrale Position, da ihre Dörfer von den ausgewiesenen Vorranggebieten nicht unmittelbar betroffen sind.

Anders schaut das in Güterglück, Gehrden, Gödnitz und Walternienburg aus. Denn zwischen diesen Orten könnten entsprechend des vorliegenden Entwurfs in Zukunft auf einer Fläche von 208 Hektar Windräder kreisen. Gegen das Vorhaben kämpft eine Bürgerinitiative, die inzwischen über 1400 Unterschriften gesammelt hat. Unterstützung erhält sie vor allem vom Güterglücker Ortschaftsrat, der das vorgesehene Eignungsgebiet einstimmig ablehnt und die Gründe dafür in seiner mehrseitigen Stellungnahme umfassend darlegt.

Zum einen weisen die Ratsmitglieder auf die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität der dort wohnenden Menschen sowie auf die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt in diesem Gebiet hin. Zum anderen kritisieren sie, dass der Ortschaftsrat im Verlauf der Planaufstellung nicht angehört wurde und es auch keinen entsprechenden Beschluss des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses beziehungsweise des Stadtrates gab. Sprich, die Vertreter der Stadt Zerbst in der Regionalen Planungsgemeinschaft waren ihrer Ansicht nach nicht legitimiert, einer Ausweisung der jetzigen Flächen wie geschehen zuzustimmen.

Neben Gehrden und Walternienburg lehnt auch der Ortschaftsrat Gödnitz einen Windpark direkt vor seiner Haustür mehrheitlich ab. Dessen Stellungnahme verlas Harald Heidemann auf der Ratssitzung am Donnerstagabend. Zuvor hatte Ortsbürgermeister Volker Leps sein Mitwirkungsverbot erklärt. Dem schlossen sich Wilfried Schirmer und Ronald Finke an. Auch bei der vorherigen außerordentlichen Sitzung, auf der die Stellungnahme verfasst worden war, gaben sie keine Meinung ab.

Straguther sind gegen Windpark-Erweiterung

Von den übrigen drei Ratsmitgliedern befürwortete eines das geplante Vorranggebiet, da es sich um die Erzeugung regenerativer Energie handele und ein Schritt weg vom Atomstrom sei. Die beiden anderen sprachen sich dagegen aus, weil die Windräder zu dicht am Ort stehen, die Landschaft verunstalten und die bebauten Grundstücke in den umliegenden Dörfern massiv abwerten würden.

Der überarbeitete Teilplan beinhaltet außer der Aufnahme des neuen Vorranggebietes "Güterglück" ebenfalls die Erweiterung des bereits bestehenden Windparks "Straguth", was der dortige Ortschaftsrat in seiner schriftlichen Stellungnahme rundweg ablehnt. Schon jetzt würden die zehn existierenden Windräder das Landschaftsbild negativ prägen und eine starke Belastung darstellen, sollten zusätzliche und noch höhere hinzukommen, würden sich die nachteiligen Auswirkungen potenzieren. Begrüßt wird indes, dass das Eignungsgebiet etwas von Badewitz weggerückt werden soll.

Die dritte Neuerung, die der Entwurf für die Region Zerbst vorsieht, betrifft das am Stiefelknecht gelegene Windanlagen-Gelände "Zerbst-Ost". Dieses soll nunmehr regulär als 85 Hektar großes Windvorranggebiet ausgewiesen werden. Ob es dazu kommt, wird sich zeigen. Zunächst einmal findet am 5. Juli eine öffentliche Erörterung aller zum Teilplan eingegangenen Bedenken und Anregungen in der Anhalt-Bitterfelder Landkreisverwaltung in Köthen statt. Dann wird wohl auch die Stellungnahme der Stadt Zerbst eine Rolle spielen, die der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss heute Nachmittag beschließt.