"Können wir auch anders?", fragt am kommenden Dienstagabend Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Ev. Landeskirche Anhalts. Zur Premieren-Veranstaltung begrüßt er in der Aula des Gymnasiums Francisceum in Zerbst Prof. Dr. Jörg Dierken und Prof. Dr. Hans-Ulrich Zabel von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im "Theologischen Salon" - einer neuen Veranstaltungsreihe. Thomas Drechsel erkundigte sich bei Pfarrer Albrecht Lindemann nach Einzelheiten.

Volksstimme: Was ist der "Theologische Salon"?

Albrecht Lindemann: Die Theologie als Wissenschaft im Gespräch mit anderen Gesellschaftswissenschaften, und das in einer sehr kommunikativen Art - das ist in etwa die Grund- idee. Der Theologische Salon wird an wechselnden Orten in Anhalt, vorgesehen sind beispielsweise Köthen genau wie Dessau-Roßlau, zwei bis dreimal jährlich stattfinden. Die Örtlichkeit wird einen Bezug zum jeweiligen Thema haben, Kirchenpräsident Joachim Liebig wird die Gesprächsrunde führen, das Publikum wird einbezogen.

Volksstimme: Wie ist das Thema "Können wir auch anders?" zu verstehen?

A. Lindemann: Im Rahmen der Lutherdekade steht das Jahr 2011 unter der Überschrift "Reformation und Freiheit". Die Frage der Willensfreiheit spielte natürlich zu Luthers Zeit eine besondere Rolle. Frei im Denken, frei im Tun? Heute lautet die Kernfrage: Ist der Mensch aus sich selbst heraus in der Lage, sozusagen frei genug, seinen Egoismus zu überschreiten? Wir glauben, dass die Gesprächspartner sehr interessante Aspekte beisteuern werden. Zabel, der Ökonom, der dafür steht, eine Öko-Gesamtbilanz zu erstellen, ehe man beispielsweise über einen Elbe-Saale-Kanal entscheidet, und Dierken, der Ethiker, der die philosophischen Ansätze vertritt. Wie bringt man die Menschen dazu, sich aus innerster Überzeugung gemeinschaftlich ihren humanitären Verpflichtungen zu stellen? Die Frage ist zweifellos spannend und war es zu jeder Zeit, Epoche und Gesellschaftsform.

Volksstimme: Welchen Bezug hat dieses Thema speziell zu Zerbst?

A. Lindemann: Neben Luther hat gerade auch Philipp Melanchthon eine sehr prägende Rolle gespielt. Auch in Zerbst, wo er zeitweise lebte und lehrte, hat er Spuren hinterlassen. Zerbst ist also ein sehr geeigneter Ort für dieses Thema und das Gymnasium Francisceum ohnehin. Wir freuen uns, hier den "Theologischen Salon" erstmals veranstalten zu dürfen.

Volksstimme: Wie verläuft der Abend?

A. Lindemann: Die vom Kirchenpräsidenten geleitete Diskussion zu Thema wird von Tobias und Jakob Eger mit Salonmusik eingleitet. Die Veranstaltung wird um 19 Uhr beginnen und voraussichtlich nach zwei Stunden enden.

Volksstimme: Ist der Theologische Salon eine öffentliche Veranstaltung?

A. Lindemann: Ja, jedoch nur nach vorheriger Anmeldung. Diese müsste bei der Evangelischen Landeskirche in Dessau bis Freitagvormittag unter Telefon (03 40) 2 52 62 10 erfolgt sein.