Von Andreas Behling

Dessau/Zerbst. Die Unschuldsbeteuerungen des 24 Jahre alten Zerbsters trugen vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Dessau-Roßlau keine Früchte. Unter dem Vorsitz von Richterin Uda Schmidt gelangte auch die zweite Instanz zu der festen Überzeugung, dass sich der von Detlef Grube verteidigte Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 21. Juni 2009 eines Raubes und einer gefährlichen Körperverletzung schuldig machte. Dafür wurde ihm jetzt eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren auferlegt.

Problematischer Zeuge

Mit der Entscheidung schraubte die Kammer das Urteil des Amtsgerichts Zerbst vom 2. September vorigen Jahres gleichwohl um sechs Monate herunter. Die beiden Taten seien als eine Einheit zu bewerten, eine zusätzlich angeklagte versuchte räuberische Erpressung nicht mehr heranzuziehen gewesen, formulierte die Richterin zur Begründung. Außerdem habe der Zerbster den Geschädigten nicht mehrfach attackiert, sondern ihm lediglich einen einzigen Schlag versetzt.

Bei dem Opfer handelte es sich mithin um einen 55-Jährigen, der in einer Wohnung des Hauses Wolfsbrücke 1 übernachtete. Diesen Mann - der eigentliche Mieter der Wohnung hielt sich seinerzeit im Krankenhaus auf - schreckte der Angeklagte aus dem Schlaf, verpasste ihm zunächst eine heftige Backpfeife und nahm ihm knapp 25 Euro ab, die auf einem Tisch lagen. Richterin Schmidt gab zu, dass der Geschädigte wegen seines jahrelang betriebenen Alkoholmissbrauchs als Zeuge "sicher nicht unproblematisch" war.

Diese Situation einkalkulierend, hatte das Gericht nochmals den Sachverständigen Dr. Steffen Dauer beauftragt, die Glaubwürdigkeit des unter Betreuung stehenden Zerbsters zu prüfen. Dem Experten zufolge war der Mann nicht bloß grundsätzlich aussagetüchtig, sondern er schilderte auch die Wahrheit. "Da war er sachlich und konstant, obwohl nun doch schon einige Zeit vergangen ist", sagte die Kammervorsitzende. Dass Details in den Aussagen vor den Gerichten und der Polizei von- einander abwichen, sei nachvollziehbar. Dies spreche "sogar für die Glaubwürdigkeit", hieß es.

Die über die Instanzen hinweg "nie vorher benannte" 26 Jahre alte Lebensgefährtin des Angeklagten hingegen habe nunmehr "eine reine Gefälligkeitsaussage" abgeliefert, indem sie ihren Partner als außerordentlich betrunken beschrieb. Völlig nüchtern war er nach einigen Flaschen Bier und zwei Flachmännern Pfefferminzlikör allerdings wohl auch nicht mehr. Von den Angaben des 24-Jährigen ausgehend, ermittelte der Rechtsmediziner Marko Weber einen maximalen Wert der Blutalkoholkonzentration von 2,55 Promille.

Bleibender Schaden

Die Extremwertberechnung bot der Kammer - Staatsanwältin Karla Fischer hatte zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis gefordert - die Gewähr, zwar von einer verminderten Schuldfähigkeit, aber nicht zugleich von einem minder schweren Fall auszugehen. Einerseits habe man schon gesehen, dass der Angeklagte damals kurz vorm Antritt einer Haftstrafe womöglich emotional angespannt war, fand das Gericht. Andererseits konnten seine zahlreichen, zumal einschlägigen Vorstrafen, nicht unter den Tisch fallen. Und nicht zuletzt wirkte sich nachteilig für Grubes Mandanten aus, dass der Geschädigte noch heute eher schlecht zu hören vermag, weil ihm die Wucht des Schlages einen Riss im Trommelfell zufügte.

Hätte sich die Berufungsinstanz allein auf den Bewährungshelfer stützen müssen, wäre der Angeklagte vielleicht wirklich glimpflicher davongekommen. Der Mitarbeiter des Sozialen Dienstes der Justiz beschrieb nämlich den Zerbster als einen sich an Terminvereinbarungen haltenden Menschen, der ruhiger, zuverlässiger, insgesamt gefestigter geworden sei. Indes: Die charakterliche Entwicklung zum Besseren trat zu spät ein, um den Freiheitsentzug zu verhindern.