Zerbst. Längst sind andere Firmen auf dem Gelände der Alten Brücke 8 zugange, wo noch in diesem Jahr ein neues Kaufhaus entstehen wird. Doch bis vor wenigen Tagen waren dort die Archäologen tätig, die vor allem durch einen Brunnen arg gefordert waren.

"Zwei bis zweieinhalb Meter tief war der Brunnen mit Keramikscherben verfüllt", berichtet Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth. 20 Bananenkisten füllen diese Funde insgesamt - darunter Scherben von Ofenkacheln, Gebrauchskeramik, Flacons.

Unterhalb der Steinfassung fanden die Archäologen eine Holzumfassung des Brunnens, die aus mehreren Schichten Holzbalken bestand, die mit Zapflöchern miteinander verbunden waren. "Wir haben acht Lagen gefunden. Ob es noch mehr waren, wissen wir nicht. Eine tiefere Grabung ließ das Grundwasser, aber auch die Baugrenze nicht zu", erklärt der Grabungsleiter. Die Holzfassung ragt nochmals ein bis eineinhalb Meter ins Erdreich hinein. Macht eine Gesamttiefe von rund vier Metern. "Da es sich dabei um Weichholz handelt, stammt der Brunnen wohl aus der Zeit des 30-jährigen Krieges und ist erst später aufgegeben worden", sagt Ditmar Trauth. Eine Scherbe trug die Jahreszahl 1809.

"Funde aus dem Mittelalter waren hier eher selten", bezieht der Grabungsleiter das weitere Areal ein. "Bis in drei Metern Tiefe haben wir Siedlungsspuren gefunden, darunter waren sicherlich weitere Kulturschichten, die wir wegen der Baugrenze nicht freilegen konnten."

Um den genauen Aufbau der Holzfassung untersuchen zu können, ist der Brunnen mit Hilfe eines Baggers herausgehoben worden. "Wir haben auch diese Funde gesichert, aber unsere finanziellen Mittel sind fast aufgebraucht. Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist mit dem vorhandenen Mitteln eigentlich nicht mehr möglich", betont Ditmar-Trauth.

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