Für September oder Oktober diesen Jahres ist der vierte Jugendkreistag in Köthen geplant. Die Erfahrungen der dritten Ausgabe zeigen: Die Richtung stimmt.

Zerbst. Etwa 80 bis 90 Schüler nahmen am dritten Jugendkreistag im Dezember 2010 in Köthen teil. "Dort ist in mehreren Themenbereichen gut diskutiert und ganz andere Beschlüsse gefasst worden, die zuvor in gebildeten Ausschüssen durch die Schüler erarbeitet wurden, als in den ersten beiden Jugendkreistagen", zog Schulamtsleiterin Bärbel Mylius ein positives Fazit, nachdem die Diskussion im Bildungsausschuss doch recht pessimistisch ausfiel. Mehrere Ausschussmitglieder, die den Schwerpunkt Kommunalpolitik begleiteten, erinnerten sich an desinteressierte Jugendliche, die zwar froh über den schulfreien Vormittag waren, aber keine Ambitionen machten, sich im Jugendkreistag wirklich einzubringen.

Kreistagsmitglied Günter Herder (Linke), der ein Ausschussmitglied vertrat, regte an, dass die Schulen im Vorfeld angeschrieben werden sollten, um Themenvorschläge vorzubereiten, die dann im Jugendkreistag bearbeitet werden können. Eine weitere Idee seinerseits war es, den Kreisschülerrat mit einzubeziehen.

"Das haben wir gemacht", betonte Schulamtsleiterin Mylius. Auch der Kreisschülerrat sei angesprochen worden. "Lediglich ein Schüler erklärte sich bereit mitzumachen."

Monika Reinbothe (CDU) merkte an, dass man sich Gedanken über neue Modalitäten machen sollte: Das die Teilnehmer beispielsweise im Nachgang über den Jugendkreistag berichten müssen oder nur die entsendet werden, die echtes Interesse haben. Zumal viele Schüler gar nicht wüssten, wie es in einem Kreistag zugeht oder wie Anträge zu formulieren sind.

Bettina Kutz (Linke) zeigte sich entsetzt über die Richtung, die die Diskussion eingeschlagen hatte. "Wir sollten doch überlegen, was das Ziel ist: Jugendliche für die Politik interessieren." Dazu sollten Eltern, Lehrer aber auch die Kreistagsmitglieder jetzt mit den Vorbereitungen des vierten Jugendkreistages beginnen.

Einig waren sich jedoch alle: Einen Ausfall darf es nicht geben. "Der Jugendkreistag ist nicht überflüssig. Aber es muss in den Klassen beginnen", sagte Mylius.

Dieter Maess machte den Vorschlag, dass Kreistagsmitglieder an die Schulen herantreten könnten, um ihre Arbeit vor Ort vorzustellen. Zeigen sich Schüler interessiert, könnten diese dann am Jugendkreistag teilnehmen. Christel Vogel (CDU) schlug indes ein Wettbewerb vor, der zur Projektarbeit anregt. Dies sah Bärbel Mylius hingegen kritisch, dass die Vorgaben des Kultusministerium die Umsetzung dieses Vorschlagen schwierig machen.

"Ich finde, der Jugendkreistag ist hier etwas zerredet worden", fasste Mylius zusammen. Denn die Ergebnisse sind durchaus beachtlich. "Es sind hochpolitische sowie kommunalpolitisch orientierte Vorschläge gemacht worden - beispielsweise zur Nachhilfe und deren Finanzierung. Es waren auch Schüler, die den Vorschlag machten, dass in Bezug auf Gewaltprävention Lehrer fortgebildet werden sollten", sagte Mylius. Wie der goldene Weg zu finden ist, konnte auch Mylius nicht sagen. "Aber wir sollten nicht mit unserer Erwachsenensicht an die Sache herantreten. Die Jugendlichen haben eine ganz andere Wahrnehmung als wir und die sollen sie auch ausdrücken können."