Mit dem 1. Katharina-Abend aus Anlass des 282. Geburts-tages der Anhalt-Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike und späteren russischen Zarin Katharina II. soll eine neue Tradition begründet werden. Zugleich setzt sich der Internationale Förderverein "Katharina II." neue Ziele und möchte die Zerbster über die Vereinsgrenzen hinaus zum Mitgestalten einladen.

Zerbst. Es gibt den Traum von einem Ball. Einen, auf dem Zerbst zusammenrückt, im restaurierten Schloss tanzt und Katharina II. symbolisch zum Geburtstag gratuliert.

Das ist eine Vision des Internationalen Fördervereins "Katharina II.". Ein erster Schritt dahin ist der Katharina-Abend, der am Montag zum ersten Mal aus Anlass ihres 282. Geburtstages in der Zerbster Gaststätte "Trinité" stattfand.

Gut 60 geladene Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens, darunter Bundestagsabgeordneter Ulrich Petzold (CDU), Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) und Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, begrüßte Vereinsvorsitzende Tetyana Nindel nicht nur. "Ich möchte alle zum Mitgestalten einladen", sagte sie und dass es Zeit sei, die Ziele des Katharina-Vereins zu überdenken.

Stadt für Tourismus attraktiver machen

Als der Internationale Förderverein "Katharina II." 1992 gegründet wurde, standen als Ziele die Wahrung des Gedenkens an die ehemalige Anhalt-Zerbster Prinzessin und spätere russische Zarin, die Eröffnung eines Katharina-Museums, ein Denkmal für Katharina II., das Bemühen um das Zerbster Schloss, in dem sie vor ihrer Reise nach Russland gelebt hat. "Davon ist einiges erfüllt", so Tetyana Nindel, die auch auf den Förderverein Schloss Zerbst und sein Engagement für den Barockbau verwies.

Neues Anliegen sei nun, "die Stadt Zerbst als Katharina-Stadt für den Tourismus attraktiver zu machen". Da erscheine vielleicht der anfangs beschriebene Traum vielleicht verrückt. "Aber jeder Traum ist erfüllbar, wenn man zusammen daran arbeitet", meint die Katharina-Vereinsvorsitzende.

Eine Reihe neuer Projekte plane der Verein bereits für das kommende Jahr. 2012 werden 800 Jahre Anhalt gefeiert und auch die 250 Jahre zurückliegende Krönung Katharinas II.

Tetyana Nindel nannte das geplante Katharina-Festival (die Volksstimme berichtete). Anliegen des Festivals sei es, Leben und Wirken "der beliebtesten deutschen Prinzessin in Russland in Deutschland stärker ins Bewusstsein zu rücken". Beim Katharina-Abend gab es einige Ausschnitte aus dem zum Festivalprogramm gehörenden Musical zu sehen.

Zur Realisierung des Festivals gibt es derzeit allerdings noch keine neuen Informa- tionen, so Kulturamtsleiter Andreas Dittmann auf Volkstimme-Nachfrage. Die Veranstalter von der Sparta Film KG seien noch um die Finanzierung des über drei Monate geplanten Festivals bemüht.

... dass er schöne Tradition wird

Ein weiteres Vorhaben des Internationalen Fördervereins "Katharina II." ist eine Internationale wissenschaftliche Konferenz, die im September 2012 stattfinden soll und für die erste Kontakte mit der Magdeburger Universität geknüpft sind.

Auch um dieses Projekt realisieren zu können, braucht der Verein unter anderem Unterstützung von Sponsoren. Allen, die bisher dem Verein bereits auf diese Weise geholfen haben, dankte Tetyana Nindel, bat aber zugleich um weiteres Engagement für die zukünftigen Ziele.

Eröffnet worden war der von Patricia Teslenko moderierte Abend mit Ausschnitten aus einem Teil einer russischen Filmreihe, in dem es Szenen aus Zerbst gibt.

Vorstandsmitglied Olga Tidde fasste noch einmal das von den drei Studentinnen Anne Werner, Anne Wald und Carsta Müller für Zerbst erstellte Marketingkonzept zusammen. Eine Schlussfolgerung daraus war, das Wir-Gefühl in der Stadt stärker auszuprägen, auch in der Zusammenarbeit der Vereine.

Auch hier wollte der 1. Katharina-Abend ein Signal geben. Vorstandsmitglied Wladimir Teslenko hat, wie er berichtete, vor vielen Jahren nach seinem Erzählen über Katharina II. von einem Zerbster Dachdecker einen Leuchter bekommen. Er habe ihn von seiner Oma geerbt, diese ihn aus dem Schloss gerettet.

Diesen Leuchter übergab Wladimir Teslenko nun an Dirk Herrmann, den Vorsitzenden des Fördervereins Schloss Zerbst. "Auch wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit", dankte Dirk Herrmann. Der Katharina-Verein plant, eine kleine Ausstellung im Schloss zu zeigen. "Wir stellen gern Räume zum Thema Katharina zur Verfügung", blickte Dirk Herrmann voraus. "In der Perspektive sollte aber auch da der Schwerpunkt auf der Jugendzeit im Schloss gelegt werden."

Zum Leuchter, der vermutlich aus der Zeit um 1890 stammt und mit dem Schlossmuseum in Verbindung stand, erklärte sich Edwin Sperling von der gleichnamigen Zerbster Eisenwaren-Firma am Abend spontan bereit, ihn umfangreich zu restaurieren.

Boris Ustimenko von der Magdeburger Gemeinde der russisch-orthodoxen Kirche hatte Evegnij Shtepta mit nach Zerbst gebracht. Der Konzertgitarrist entführte das Publikum in die Musik verschiedener Epochen und Länder.

Kulinarische russische und barocke Entdeckungen hielt der Katharina-Abend bereit, von dem Bürgermeister Helmut Behrendt hofft, "dass er eine Tradition wird".

 

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