Wer durch Hobeck fährt, dem fallen die Tauben am Haus gegenüber der Kirche auf. In der Voliere über der Garage hat Bernd Sanftenberg nur einige von ihnen. Etwa 60 Paare hält der Züchter. Und er ist überaus erfolgreich bei der Zucht.

Hobeck. Das Jahr 2010 brachte dem Hobecker einige Titel und Preise ein. Der größte Erfolg war für ihn der Europameistertitel, den er bei der 1. Spezial Europaschau der Schweizer Tauben im Dezember im bayrischen Pfarrkirchen mit seinen weißen Luzernern gewann. Hinzu kam fünfmal der Europachampion in drei verschiedenen Farbschlägen. Auch als Klubsieger des Schweizer Klubs und mit dem Zuchtleistungspreis der Schweizer Tauben kehrte Bernd Sanftenberg heim.

In Pfarrkirchen hatten Züchter aus Belgien, Holland, Österreich, der Schweiz und Frankreich rund 1500 Tiere ausgestellt. Die Europaschau war damit die Krönung des vergangenen Jahres, nachdem der 53-Jährige sich zuvor im November schon bei der 59. Deutschen Rassetaubenschau in Erfurt - der größten VDT-Schau in Deutschland - den Deutschen Meistertitel für seine einfarbig weißen Luzerner geholt hatte.

Inzwischen ist Sanftenberg schon elfmal Deutscher Meister, wurde aber das erste Mal Europameister. Wie viele Vereinsmeistertitel er schon bekommen hat, kann er nicht genau sagen - unzählige. Einer mehr kam 2010 hinzu bei der alljährlichen Rassegeflügelschau des Hobecker Kleintierzuchtvereins, dem er seit 1973 angehört. Den Vereinstitel erhielt er für die weißen Luzerner, den 2.Platz für die schwarzen.

Den Luzerner Tauben hat sich Bernd Sanftenberg verschrieben. 1986 hat er mit zwei Paaren angefangen. Dass die Wahl auf diese Schweizer Tauben fiel, war eher zufällig. Die Sanftenbergs, der Sohn war in die züchterischen Fußstapfen seines Vaters getreten, hielten King- und Schautauben, wie viele andere Züchter. Um sich zu unterscheiden, wollte sich Bernd Sanftenberg an eine andere Rasse wagen. "Wir haben dann ins Buch geschaut", erinnert er sich, wie er auf die Luzerner kam. Der Senior, der bis heute noch Taubenzüchter ist, blieb den alten Rassen treu.

Besonderes Erscheinungsmerkmal bei den Luzerner Tauben ist die geschlossene Spitzkappe auf dem Kopf. An den Beinen sind die Vögel behost oder bestrümpft. Die weißen erinnern an Friedenstauben, wirken edel und elegant. Die gefallen ihm einfach, erklärt Bernd Sanftenberg seine Vorliebe. Auf die weißen hat er sein Hauptaugenmerk gerichtet, wobei er in den vielen Jahren schon einige Farbschläge ausprobiert hat. Dem Kommentar "weiß kann ja jeder", wollte er entgegenwirken, züchtete beispielsweise rotgehämmert heraus und schaffte es auch damit bis zum Deutschen Meister.

Die schwarzen Luzerner, die Sanftenberg heute hält, braucht er für die Kreuzungen. So gehörten auch Weißschwänze zu seinen Ausstellungstieren bei der Europaschau - ein züchterisches Novum.

Gleich mit seinen Anfangspaaren hatte der Hobecker damals Glück, so dass es erste Preise von Beginn an für seine Luzerner gab. Doch hinter den Zuchterfolgen steckt natürlich einiges mehr als Glück, um die vorgeschriebenen Standards zu erfüllen. Vor allem auch eine Menge Zeit und Mittel investiert Sanftenberg, der von Beruf Fleischer ist, in seine Freizeitbeschäftigung, die sein Ausgleich ist. Ein teures Hobby mittlerweile, zudem auch die Standgelder bei Ausstellungen gestiegen sind. Anfahrten und Übernachtungen kosten jedes Mal. Vier bis fünf Ausstellungen nimmt der Hobecker jedes Jahr wahr. Seine Frau hat Bernd Sanftenberg hinter sich. Sie unterstützt das Hobby, auch wenn sie selbst nicht so viel von den Tauben versteht. "Dadurch sind wir viel herumgekommen und haben viele Leute kennengelernt", so Petra Sanftenberg.

Größter Fan der Taubenzucht ist inzwischen der fünfjährige Jarno. Immer wenn der Enkel aus der Nähe von Bremen zu Besuch kommt, will er zuerst die Tauben füttern. Wenn die Begeisterung für die Tauben schon nicht auf die beiden Söhne übergesprungen ist, dann vielleicht auf den Enkel. Der findet die weißen am schönsten, sagte er und ist ganz stolz, wenn er die kleinen Täubchen mal in die Hand nehmen darf.

Neben weißen, schwarzen und Luzerner Weißschwänzen flattert aber noch einiges mehr auf dem Sanftenbergschen Grundstück in den Volieren. Auch einige Ziertauben und Finken sind da zu bewundern.

Mit den Luzernern will Bernd Sanftenberg in diesem Jahr wieder an der VdT-Schau in Leipzig teilnehmen. Die nächste Europaschau für alle Tauben findet dann 2013 in der Schweiz statt - kurz- und längerfristige Höhepunkte, auf die es für den Züchter hinzuarbeiten gilt.

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