Der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss Zerbst lehnt das zwischen Güterglück, Walternienburg und Flötz vorgesehene Windvorranggebiet mit großer Mehrheit ab. Zur Erweiterung der Gebiete am Stiefelknecht und bei Straguth wird ein Ausweichen auf das Flugplatzgebiet empfohlen.

Zerbst. Die Positionen der Zerbster Ortschaften zum aktuellen Entwurf des neuen Windvorranggebietsplanes sind sehr verschieden. Dies belegen die Stellungnahmen der Ortschaftsräte aus der jüngsten Anhörungsrunde. Am Dienstagabend sollte nun der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss eine eigene Position zu den drei für Zerbst wesentlichen Aussagen des Planentwurfs bilden. Dies gelang dann auch mit jeweils hohen Mehrheiten, jedoch abweichend vom Beschlusstextvorschlag.

So werden die Stellungnahmen der Ortschaften nicht lediglich nach Köthen, zur Geschäftsstelle der regionalen Planungsgemeinschaft durchgereicht. Vielmehr soll das große neue Gebiet zwischen Güterglück, Walternienburg und Flötz nicht ausgewiesen werden. Neun Ausschussmitglieder votierten so. Einer war für das neue Gebiet, der Gödnitzer Bürgermeister Volker Leps stimmte aus Befangenheitsgründen nicht ab.

Die Vertreter der gegen das Windvorranggebiet argumentierenden Bürgerinitiative verfolgten aufmerksam jede einzelne Wortmeldung. Die eigene Stellungnahme, dem Ausschuss vor Sitzungsbeginn zugeleitet, lag auf den Tischen, konnte aber nicht behandelt werden: Die Zeit der öffentlichen Auslegung in Zerbst ist vorbei. Aber: Die Auslegungsfrist in Köthen in der Geschäftsstelle der Planungsgemeinschaft läuft noch. "Dort kann die Stellungnahme noch ohne weiteres eingereicht werden", informierte Amtsleiterin Heike Krüger.

Zum vorgeschlagenen Vorranggebiet erklärte dann Güterglücks Bürgermeister Lutz Voßfeldt, dass ein von der angrenzenden Bevölkerung nicht gewolltes Windvorranggebiet zudem auch noch fremde Investoren in die Region holt. "Wenn überhaupt, sollten dann nicht besser die Stadtwerke eingebunden werden?" Die Diskussion über derartige Verwendungen wie die als Windpark müssten "unbedingt mit den Leuten vor Ort geschehen, und das ist nicht erfolgt." Hierzu verwies Bau- und Ordnungsdezernent Andreas Fischer auf die gesetzlich geregelten Verfahrensabläufe. Zu jeder relevanten Phase sei die Öffentlichkeit offiziell informiert worden, "aber es hat nie eine Resonanz gegeben. Letzten Endes hat die Region Zerbst genau drei von 24 Sitzen in der Regionalen Planungsgemeinschaft. Und diese drei entscheiden dort frei jeder Weisung."

Hans-Ulrich Müller erklärte, die Abstandsregelungen von 1000 Metern zwischen Windrad und Bebauung stamme "aus Zeiten mit Nabenhöhen von 60 bis 80 Metern. Ich fordere mindestens 2000 Meter Abstand."

Änderungen ergeben sich womöglich zu den im Entwurf vorgesehenen Erweiterungen der bereits vorhandenen Standorte am Zerbster Stiefelknecht (Zerbst Ost) sowie zum Windpark Straguth. Sollte Zerbst-Ost erweitert werden, werde zum einen womöglich die Flugplatz-Runde des Luftsportvereins unzulässig beschnitten, zum anderen befürchtet Q-Cells als künftiger Solarkraftwerker Eiswurf und Beschattung durch weitere Windräder. Weil zugleich aus dem Ortschaftsrat Straguth einer Erweiterung und Verlagerung des bestehenden Parks abgelehnt wurde, entsteht in diesem Raum zusätzliches Konfliktpotenzial.

Die Getec AG habe am Montag, so Dezernent Fischer, einen diese Konflikte vielleicht heilenden Vorschlag unterbreitet. Der Getec gehören bis auf das Luftsportvereinsgelände alle Flugplatz-Gebiete, somit auch die mit ehemaligen Wohn- und Sozialgebäuden bebauten Bereiche nördlich der einstigen Luftverkehrsfläche. "Es wird vorgeschlagen, im nördlichen Flugplatzgelände insgesamt acht Windkraftanlagen einzuplanen, die die für Zerbst-Ost und Straguth vorgesehene Kapazitätserweiterung ersetzen könnten. Dieser Bereich hinter der künftigen Biogasraffinerie soll möglichst gemeinsam mit den Stadtwerken entwickelt werden." Zehn Ausschussmitglieder folgten dem geänderten Beschlussentwurf: Die Regionale Planungsgemeinschaft soll nun nicht nur die Stellungnahmen der Ortschaften, sondern auch die Getec-Offerte prüfen.