Seit dem 1. Mai gilt die "Arbeitnehmerfreizügigkeit". Wie werden sich die neuen Regelungen auf die Landwirtschaft auswirken? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Pressegesprächs, zu dem Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau, in den Landwirtschaftsbetrieb Gemüsebau Cosa eingeladen hatte.

Prosigk/Zerbst (MZ). Die Antwort aus der Sicht des Praktikers war eindeutig: "Für die Landwirtschaft hat sich nichts Grundlegendes geändert. Wir sind jedoch mit Formalien weniger belastet", äußerte Olaf Feuerborn, Firmenchef und Vorsitzender des Bauernverbandes Anhalt. Befürchtungen, dass die Landwirtschaft von ausländischen Arbeitskräften überschwemmt werden könnte, hat Feuerborn nicht. Im vergangenen Jahr hat die Arbeitsagentur rund 1700 ausländischen Arbeitnehmern Arbeitsgenehmigungen erteilt. 90 Prozent von ihnen arbeiteten als Saisonkräfte in der Landwirtschaft. "Das wird sich so fortsetzen. Die Landwirtschaft bleibt die Branche, die in stabiler Größenordnung auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreift. Das ist historisch so gewachsen", sagte Markus Behrens.

Die Arbeitnehmerfreizügigkeit, machte der Agentur-Chef aufmerksam, gilt für die Landwirtschaft bereits seit Jahresbeginn. Das sei mit Blick auf das Saisongeschäft erfolgt und eine "kluge Entscheidung des Gesetzgebers" gewesen. Die Saison ist auch bei Olaf Feuerborn bereits in vollem Gange, Ernte und Vermarktung von Radieschen haben begonnen.

Saisonkräfte bleiben maximal 50 Tage

"Bei uns arbeiten gegenwärtig 80 Ausländer. Bis zum Herbst werden es 120 sein. Das ist der Stand seit Jahren", informierte Feuerborn. Der überwiegende Teil der Saisonkräfte bleibe maximal 50 Tage. "Die Feldarbeit ist schon anstrengend und zehrt an den Kräften. Nach dieser Zeit wollen die meisten wieder nach Hause", verwies er auf lange Erfahrungen. Nur ein ganz kleiner Teil bleibe länger im Betrieb. Als Beispiel nannte Feuerborn einen Beregnungstrupp, der aus polnischen Arbeitern besteht. "Sie kennen sich damit gut aus, arbeiten, wenn es notwendig ist, auch nachts. Diese Flexibilität brauchen wir."

Vergleichsweise gering fällt beim Gemüsebau Cosa die Zahl hiesiger Saisonkräfte aus - derzeit sind es drei, im Herbst dann noch ein paar mehr. "In unseren Aktivitäten zur Vermittlung deutscher Arbeitnehmer lassen wir nicht nach", betonte Markus Behrens, räumte aber ein, dass das gerade für die Landwirtschaft nicht einfach sei. "Jeder Zweite aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung ist 50 Jahre und älter", verwies er auf den Altersfaktor. Zudem sei die Arbeit schwer und nicht jeder gesundheitlich dafür geeignet. Auch das Einkommen als Saisonkraft könne eine Komponente dafür sein, dass sich nur wenige für diese Arbeit finden. "Über den Leistungslohn kann man aber gut verdienen", sagte Behrens. Was Olaf Feuerborn auch bestätigte: "Bei uns beträgt der Mindestlohn 3,88 Euro pro Stunde. Bei entsprechender Leistung sind aber auch acht bis neun Euro drin." "Letztlich liegt es in der persönlichen Entscheidung von jedem Arbeitsuchenden selbst, ob er als Saisonkraft einsteigt", sagte Markus Behrens.