Der Zerbster Holger Hövelmann (SPD) trat am 20. März im Wahlkreis 27 zur Landtagswahl an. Er wurde dort zwar lediglich Dritter, durch den guten SPD-Listenplatz 11 dennoch Landtagsmitglied. Vom Minister zum Abgeordneten - wie geht Hövelmann damit um? Thomas Drechsel sprach mit ihm.

Volksstimme: Herr Hövelmann, wie geht es Ihnen?

Holger Hövelmann: Zunächst einmal geht es mir gut. Natürlich bin ich etwas enttäuscht. Ich hätte gern als Minister weitergemacht. Das ist etwas ganz Besonderes, dazu hat nicht jeder die Chance. Aber man weiß als Politiker: Die Mandate sind Aufgaben auf Zeit. Zusammenfassend muss ich auch sagen, dass mir manche Begleitumstände nicht gut taten. Manche Berichterstattung beispielsweise hat sich sogar negativ auf meine Familie ausgewirkt. An der Stelle sind nach meiner Auffassung moralische Grenzen überschritten worden.

Volksstimme: Wie bewerten Sie die vergangene Legislaturperiode?

Hövelmann: Wir haben inhaltlich eine Menge geschafft. Die Gemeindegebietsreform, die Polizeistrukturreform, das Kampfhundegesetz, der neue Finanzausgleich. Es waren auch sehr streitbare Jahre. Die Themen wurden teilweise sehr konträr diskutiert. Es gab ganz schwierige Situationen. Am Ende dieser Zeit bin ich einer der dienstältesten Innenmi- nister in Deutschland. Fünf Jahre im Amt, das kommt selten vor.

Volksstimme: Nun sind Sie Landtagsabgeordneter.

Hövelmann: Genau. Das Büro in Dessau wird gerade eingeräumt. In Magdeburg sind wir am Sortieren. Fest steht: Ich werde in zwei Ausschüssen mitarbeiten. Dem für Landesentwicklung und Verkehr und in dem für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien. Dies erfolgt unter Beachtung des alten Grundsatzes, dass Minister, sofern sie Abgeordnete werden, nicht in den Themen tätig werden, in welchen sie zuvor waren. Das wäre nicht gut für die Beziehungen zwischen Landtag und Ministerium. Ich wäre gern im Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit tätig geworden, doch da hat meine Fraktion anders entschieden. So bin ich nunmehr verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und zugleich stellvertretender Ausschussvorsitzender des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien.

Volksstimme: Der Wahlkreis 27 liegt außerhalb von Zerbst, Ihrem Heimatort. Werden Sie dennoch auch bei Zerbster Angelegenheiten besonders aktiv sein?

Hövelmann: Zunächst bin ich den Wählern im Wahlkreis 27 verpflichtet. Das sind weite Teile des alten Landkreises Anhalt-Zerbst, den ich durch meine Zeit als Landrat bestens kenne. Hinzu kommt praktisch nur der Norden von Dessau. Es ist naheliegend, dass ich auch in Zerbst Ansprechpartner sein werde. Vielleicht verbessert sich so auch die Chance, Dessau und die Region besser miteinander zu verzahnen. Bislang fehlt dieses geschlossene Auftreten der Region in der Landespolitik.

Volksstimme: Bislang hat Dessau stets vor allem sich selbst gesehen und weniger die Region.

Hövelmann: Die Chancen sind besser denn je. Im Tourismus hat sich die Region neu gefunden, es bilden sich gemeinsame Wirtschaftsförderungsaktivitäten heraus. Oder nehmen wir die vor uns liegenden Höhepunkte: Anhalt 800 im kommenden Jahr, die Lutherdekade mit ihrem Höhepunkt 2017, dann das Bauhaus-Jubiläum 2019. Darunter kann und sollte sich die gesamte Region versammeln.

Volksstimme: Ein verbindendes Element ist die Verkehrsinfrastruktur. Die Frage nach einer Elbbrücke drängt sich an Sie als frisch gekürten verkehrspolitischen Sprecher geradezu auf.

Hövelmann: Der Bau einer Elbbrücke bei Aken ist eher in dieser Region als im Land ein Thema. Mal sehen, wie der neue Verkehrsminister Webel hierzu agiert. Fest steht: Um wirtschaftliche Potenziale zu nutzen, ist eine zusätzliche Elbquerung sinnvoll. Ich werde zum Bau einer Elbbrücke bei Aken jeden neuen Versuch starten.

Volksstimme: Fällt es Ihnen überhaupt nicht schwer, ges-tern Minister und heute Landtagsabgeordneter zu sein? Wollen Sie das jetzt bleiben? Es gibt bereits Spekulationen hinsichtlich der als nächstes anstehenden Wahlen. 2014 wären Bürgermeister, Landräte und Oberbürgermeister neu zu wählen.

Hövelmann: Nein, Sie vermuten richtig: Dieser Wechsel ist ein einschneidender Moment. Wie gesagt, ich wäre gern weiter Minister. Ich bin jedoch nicht derartig vom Ehrgeiz getrieben, dass ich nichts anderes könnte. Jetzt habe ich eine andere Position auszufüllen. Das Landtagsmandat sollte man nicht gering schätzen. Eine ehrenhafte und arbeitsintensive Tätigkeit. Andererseits weiß niemand, was die Zeit bringt. Ich habe jedoch keinen Plan. Den hat es für 2004 nicht gegeben, als ich plötzlich Landesvorsitzender der SPD wurde. Den hat es auch 2006 nicht gegeben, als ich Minister wurde. Mit einem Augenzwinkern in Richtung jeglicher Spekulationen sei angemerkt: In meinem bisherigen beruflichen Werdegang lagen immer fünf Jahre bis zu einer neuen Tätigkeit. Also: Schauen wir mal.