Spargelzeit natürlich auch in der Agrargenossenschaft Bornum. Auf rund 5,4 Hektar sei man "in der Ernte", sagt der neue Vorsitzende Mario Gaube.

Trüben. Morgens um 5 Uhr gehen die Frauen und Männer auf die Spargelfelder. Seit drei Wochen stechen auch zwölf polnische Kollegen. "Sie sind sehr fleißig und zuverlässig", klopft Mario Gaube dem polnischen Chef Jaroslaw Kukowski anerkennend auf die Schulter. "Ach", sagt der "wir kommen doch gern hier her. Schon seit sieben Jahren. Die Arbeit ist gut und die Bezahlung auch. Und vor allem sind die deutschen Kollegen wirklich ganz prima", so der Mann aus Polen. "Sie haben für uns jetzt sogar extra Wohnungen gebaut. Duschen sind da beispielsweise drin, alles sehr schön", sagt er anerkennend. Mario Gaube nimmt den Dank eher gelassen hin, "ist doch selbstverständlich", sagt er.

4200 Hektar werden bewirtschaftet

Überhaupt hat man bei dem Diplom-Agraringenieur den Eindruck, dass er nicht ein Mann vieler Worte ist, sondern der Tat. Seit November 2010 ist er der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Bornum. Die hat 66 Mitglieder und ihre Äcker und Felder liegen zwischen Bohne und Bornum im Norden und im Süden zwischen Zerbst und Garitz.

"Insgesamt 4200 Hektar werden von unseren Genossenschaftsmitgliedern bewirtschaftet", so Mario Gaube. Davon wird auf dem größten Teil Roggen angebaut, dann kommt noch Gerste und ein bisschen Weizen dazu. "Zu unseren Frühjahrskulturen gehören Mais und Sonnenblumen für Öle."

Insgesamt 4500 Tonnen hat die Agrargenossenschaft im vergangenen Jahr abgeerntet. Ob die diesjährige an dieses Ergebnis anknüpfen kann, das sieht Gaube bislang eher skeptisch. "Bei Roggen und Raps haben wir bereits geschätzte Ernteausfälle von rund einem Drittel", bilanziert Gaube. "Der Winter war zu nass und jetzt ist es seit Wochen schon viel zu trocken. Wenn wir Pech haben, dann treibt der Roggen noch ein zweites Mal aus, darunter leidet die Qualität, und der Roggen wird unterschiedlich reif." Außerdem sieht er noch eine Gefahr: "Wenn bei dem Getreide auch noch das Mutterkorn auftritt, eine Pilzkrankheit, dann haben wir ein weiteres Problem. Für unsere Tiere ist das Futter ungesund."

6000 Mastschweine stehen im Stall

Die Tiere sind das zweite wichtige Standbein der Agrargenossenschaft Bornum. "Wir haben 650 Milchkühe in unseren Ställen, dazu kommen die Jungrinder. Auch rund 6000 Mastschweine gehören uns", so Gaube. Einer der Hauptabnehmer ist eine Fleischerei in Weißenfels.

Landwirtschaft ist bekanntlich ein Gewerbe unter freiem Himmel. Auf Gedeih\' und Verderb ist man dem Wetter, der Natur fast schutzlos ausgeliefert. Ein Beruf, der wirklich Spaß macht? "Natürlich!", sagt Mario Gaube ganz entschieden als verstünde er die Frage nicht. "Mit der Natur können wir umgehen, auch wenn sie es nicht immer gut mit uns meint. Was mich viel mehr und zunehmend nervt, das sind die Unwegbarkeiten der Politik. Für alles braucht man Formulare. Der bürokratische Aufwand wird auch immer größer", schüttelt er verständnislos den Kopf.

"Ich wusste schon, warum ich mich nicht in das Amt des Vorsitzenden der Agrargenossenschaft gedrängt habe ", lacht er. "Ich war zuständig für den Ackerbau, da habe ich viel öfter unter freiem Himmel gearbeitet. Die Herausforderungen und natürlichen Gegebenheiten, damit können wir Landwirte wirklich umgehen."

Zurück zum Spargel. Um kurz nach 11 Uhr ist die Ernte erledigt. Für heute. Morgen um 5 Uhr geht es wieder los. Dann sind auch Jaroslaw Kukowski und seine polnischen Kollegen wieder dabei. Bis zum 20. Juni werden sie noch in Trüben arbeiten. Dann gehts zurück in die Heimat. Bis zum nächsten Jahr. Dann sind 1,7 Hektar Spargel mehr abzuarbeiten. Das Feld wurde in diesem Jahr angelegt, im nächsten Jahr kann das weiße Gold erstmalig geerntet und verkauft werden. Direkt vor Ort oder an mobilen Ständen in der Region.

 

Bilder