Gommern/Prödel/Lübs/Dornburg/Leitzkau/Ladeburg. Ralf Fröhlich, Mitarbeiter im Ordnungsamt der Stadt Gommern und ehrenamtlich Wehrleiter in der Stadt, hat die Risikoanalyse erarbeitet. Etwa eineinhalb Jahre saß der Verwaltungsmitarbeiter an dem umfassenden Dokument. Grundlage hierfür bildete die neue Mindesstärkeverordnung für die Feuerwehr. Hatte das Land in der Verordnung zunächst für die freiwilligen Feuerwehren starr eine Zahl der einsatzbereiten Kameraden rund um die Uhr sowie die notwendige Einsatztechnik vorgegeben, schwenkte das Innenministerium in Magdeburg nach der Kommunalreform um. "Künftig sollen die Gemeinden eigenständig ihr Risiko analysieren, bewerten und die notwendige Ausrüstung für den abwehrenden Brandschutz vorhalten", erklärte Ralf Fröhlich.

Um zu einer Bewertung des Risikos zu gelangen, sei vor allem viel Fleißarbeit notwendig, schilderte er. Vor allem statistische Angaben zur Bebauung in den einzelnen Orten müssen erfasst werden. Neben der Wohnbebauung sind es vor allem die Sonderbauten in Gewerbegebieten, die ebenfalls erfasst und einzeln dargestellt werden müssen. Die Angaben benötigen dann die freiwilligen Brandschützer, um das Risiko bewerten zu können.

Dabei muss die Leistungsfähigkeit der zwölf Feuerwehren in der Stadt Gommern berücksichtigt werden. Insgesamt hat Ralf Fröhlich die Bauten auf einer Stadtfläche von 160 Quadratkilometern betrachtet.

"Besondere Einrichtungen, von denen eine größere Gefährdung ausgehen kann, haben die Feuerwehrleute besonders berücksichtigt", schildert Ralf Fröhlich weiter. So gebe es in der Stadt Unternehmen, die mit Gefahrstoffen oder gar radioaktiven Strahlern hantieren. Hierauf müsse die Feuerwehr im Einsatzfall vorbereitet sein.

Die Ortschaftsräte sowie die Ausschüsse im Stadtrat werden sich in den kommenden Wochen mit dem umfangreichen Papier beschäftigen. Neben den Risiken ist dort auch die Einsatztechnik aufgelistet. Gut ausgestattet seien die Wehren in den Orten, hat Ralf Fröhlich festgestellt. Als Ergebnis kommen die Kameraden in der Analyse zu dem Schluss, dass die Stadt nicht viel in zusätzliche Technik investieren müsse. Dafür sei es allerdings notwendig, vorhandene Einsatztechnik in den kommenden Jahren zu erneuern. In der Haushaltsplanung sei dies bereits berücksichtigt, weist Ralf Fröhlich hin. Er gehe davon aus, dass die Forderungen der Feuerwehr auch erfüllt werden.

Weniger rosig und schwerer zu beschaffen seien seiner Ansicht nach neue Mitglieder in den Feuerwehren. "Wir brauchen mehr Mitglieder", erklärt er. Das sei eine der Schlussfolgerungen der Analyse. Vielerorts, weiß der erfahrene Feuerwehrmann, biete sich in den Gemeinden das gleiche Bild. Während die Technik in den vergangenen Jahren immer mehr verfeinert und ausgebaut wurde, fehlt es zunehmend an der Mannschaft.

Dem zentralen Problem der Mitgliedergewinnung müsse sich der Stadtrat sowie die Ortschaftsräte in der Zukunft zunehmend widmen, rät Ralf Fröhlich. Denn trotz vielfältiger Aktivitäten der Jugendfeuerwehren können seiner Erfahrung nach die nachrückenden Jugendlichen den allgemeinen Mitgliederschwund bei den Einsatzkräften nicht stoppen. "Wir müssen auch an die Erwachsenen ran und in der Bevölkerung für eine größere Mitarbeit in den Feuerwehren werben", wünscht er sich. Denn je nach Einsatzart benötigt die Wehr eine verschiedene Anzahl von Einsatzkräften. Hochwassergefahren, wie sie für Gommern nicht unbekannt sind, verlangen besonders viele Einsatzkräfte. Neben der Absicherung dieser Einsätze müsse außerdem noch der Brandschutz in den einzelnen Orten abgesichert werden.

Noch ist die Risikoanalyse Neuland für die Verwaltung, die Volksvertreter sowie für die Feuerwehren. Als ein weiteres Ergebnis habe sich herausgestellt, dass Gommern eine Ausrückeordnung benötige, sagte er weiter. Darin wird geregelt, bei welchem Alarmstichwort die Rettungsleitstelle welche Wehren automatisch zu alarmieren habe. Bislang gebe es diese Alarmierungsordnung nicht.

Einen prüfenden Blick muss außerdem die Kommunalaufsicht auf die Risikoanalyse werfen. Die Fachleute der Kreisverwaltung haben dabei zu prüfen, ob die Gemeinde ihre Risiken realistisch einschätzt und die entsprechende Vorsorge getroffen habe. Wenn der Gommeraner Stadtrat vermutlich im August das Papier beschließt, werden die darin aufgeführten Ziele und Vorhaben verbindlich für die Stadt. "Außerdem ist die Analyse in den nächsten Jahren immer wieder auf einen aktuellen Stand zu bringen", erklärt Ralf Fröhlich weiter.