Bei der Auftaktveranstaltung zum Jubiläum Anhalt 800 am vergangenen Freitag in Dessau waren die Zerbster überschaubar vertreten (die Volksstimme berichtete). Das war jetzt auch noch einmal Thema im Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss - und für die Zeitung Anlass zum Nachfragen.

Zerbst. "Wo waren die Zerbster?", fragt SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Silke Hövelmann, nachdem sie mit knapp einem Dutzend Zerbstern die Auftaktveranstaltung "Anhalt 800" am Freitagabend in Dessau besucht hatte. Ratlose Gesichter im Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss zu dieser Frage am Dienstagabend. "Ich wäre selbstverständlich gefahren, aber ich war im Urlaub", erklärt sich Ausschussvorsitzender Bernd Adolph. "Ich war da, meine Einladung erhielt ich als Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule", sagt Dr. Walter Elß.

Wo waren die Honoratioren der Stadt, lässt Frau Hövelmann nicht locker. "Zerbst misst sich großes Gewicht in Anhalt zu, und dann ist keiner da. Das ist sehr schade." Wenn das in Sachen Anhalt so weiter laufe, "erzielen wir keine Breitenwirkung".

Veranstalter des Abends im Park des Dessauer Schlosses Georgium waren die Stadt Dessau-Roßlau und die dortige Initiative Leuchttürme für Kultur und Bildung. "Wir wollten in dem Findungsprozess, den es zu Anhalt 800 ja noch gibt, einfach mal Leute zusammenbringen und ein Zeichen auf dem Weg zum Jubiläum setzen", sagt Joachim Landgraf. Der vielfach engagierte Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters Dessau war in die Organisation mit eingebunden.

"Ohne Zerbst geht es nicht", stand für ihn dabei fest. Darum hat er auch aus eigenem Antrieb heraus Kontakt mit dem Internationalen Förderverein "Katharina II." aufgenommen, woraus dann am Freitag der Auftritt Johanna Lüdeckes entstanden ist.

"Nach einer ersten Anfrage der Veranstalter haben wir in Frage kommende Vereine auf eine mögliche Mitwirkung angesprochen, erst einmal nur Absagen erhalten und das auch so rückgemeldet", erklärt Kulturamtsleiter Andreas Dittmann den Werdegang aus Zerbster Sicht. Auch eine spätere weitere Rundfrage-Runde habe am Ergebnis nichts geändert. Entstanden ist dann jedoch der Kontakt Joachim Landgrafs mit dem Katharina-Verein.

Zwei missliche Dinge gesteht Andreas Dittmann allerdings aus heutiger Sicht ein. Missverständlich sei gewesen, dass nicht alle Teilnehmer des Abends den zur Unterstützung der Anhalt-Projekte gedachten 15-Euro-Eintrittsobolus zahlen mussten. Wer mitwirkte, ob im Programm oder kostümiert, musste nicht zahlen. Zum anderen "haben wir versäumt, auch die Vereine im erweiterten Stadtgebiet anzusprechen", weiß der Amtsleiter, nachdem es im Nachgang auf die Volksstimme-Berichterstattung vom Montag ein entsprechendes Echo gegeben hatte.

"Neben Partnern aus dem Anhalt-Netzwerk und den Vereinen wurden auch potenzielle Sponsoren und Multiplikatoren eingeladen", verweist Maren Springer von der Geschäftsstelle Anhalt 800 auf eine auf Anfrage von dort ebenfalls aus Zerbst zugearbeitete Übersicht. "Wer konkret eingeladen wurde, wissen wir nicht", so Andreas Dittmann.

"Wir waren mit 15 Leuten am Sonntag beim Flämingfrühlingsfest. Bei unseren vorwiegend älteren Mitgliedern war da der Freitagabend nicht auch noch zu verkraften", sagt Angelika Bauer vom Zerbster Heimatverein, beispielhaft zur Teilnahme an der Veranstaltung befragt. Auch beim Förderverein Schloss Zerbst war, so Vorsitzender Dirk Herrmann, die Kraft nicht da. "Einem Engagement zu Anhalt 800 verschließen wir uns aber nicht", betont er.

In der Stadtverwaltung war eine Einladung an Bürgermeis-ter Helmut Behrendt (FDP) gegangen. "Ich konnte nicht, weil ich schon länger zu einem Geburtstag eingeladen war", sagt er. Andreas Dittmann sollte teilnehmen, war aber krank.

Für Helmut Behrendt ist das Zerbster Auftreten am Freitag aber "nicht so ein Beinbruch. Wir sollten das nicht überbewerten. Die ganze Sache muss erst noch konkret werden. Das wird sich erst in Zukunft als wichtiger erweisen".