Mit einem Kompromiss endete gestern der Vor-Ort-Termin von Vertretern der Anhalt-Bitterfelder Kreiswerke (ABIKW), der Stadt, des Landkreises sowie der Berufsgenossenschaft Verkehr an drei Zerbster Straßen, die seit diesem Jahr nicht mehr direkt von den Entsorgungsfahrzeugen angefahren werden. Zu eng, lautet die Begründung des Abfallentsorgers, der sich auf eine Regelung der zuständigen Berufsgenossenschaft bezieht.

Zerbst. Es ist eine Begründung, die die Anwohner am Großen Klosterhof auch gestern nicht gelten ließen. Schnell gab ein Wort das andere, die Emotionen kochten hoch. Eine einvernehmliche Lösung zu finden, war an diesem Punkt unmöglich.

Mehrmals versuchten sowohl SPD-Kreistagsfraktionschef Andreas Dittmann als auch Bernd Köhler, Amtsleiter für Bauverwaltung/Tiefbau, das Gespräch wieder zu versachlichen und fragten nach Alternativlösungen. Mit wenig Erfolg. Die Anwohner verstanden nicht, warum auf einmal eine Regelung greift, die schon seit 1993 existiert. Anwohner Teitge brachte den Wunsch der Anwohner auf den Punkt: "Es ist uns egal, ob das Fahrzeug hier reinfährt oder die Männer die Tonnen holen." Es sei nur nicht zumutbar für die Anwohner, zum Großteil betagte Leute, die vollen Mülltonnen bis zur Breite zu schieben.

Hartmut Eckelmann hingegen berief sich wiederholt auf die gültige Abfallsatzung, die keinen Vollservice beinhalte. Ein "Abholservice" der Tonnen bedeutet höhere Kosten. "Wer die trägt, weiß ich nicht. Aber die Tonnen zu holen und wiederhinzustellen ist nicht Teil der Satzung", macht er deutlich.

Auch eine Ausnahmeregelung sieht er skeptisch: "Dann wird die Ausnahme ganz schnell zur Regel und aus 200 Betroffenen werden 2000." In Bitterfeld und Köthen fahre man seit Jahren viele enge Straßen nicht mehr direkt an. Er sieht hier eindeutig die Politik gefragt, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. "Dieser Entscheidung werde ich mich beugen, aber bisher ist keine vorhanden."

Wie eng die Einfahrt tatsächlich ist, maß Hans Ulrich Zantop, technischer Aufsichtsbeamter der Berufsgenossenschaft Verkehr, nach. Links und rechts vom Fahrzeug bleiben maximal 31 bzw. 38 Zentimeter Platz bis zur Bebauung. Erlaubt sind nach Vorgabe der Berufsgenossenschaft 50 Zentimeter.

Ohne einen Kompromiss im Gespräch mit den Anwohnern des Großen Klosterhofes gefunden zu haben, wurde der Vor-Ort-Termin im Rosenwinkel und anschließend im Wäschke Weg fortgesetzt. Im Rosenwinkel rollen die Anwohner ihre Tonnen bis zum Kirchhof hoch. "Diese Regelung belassen wir so, das funktioniert hier", fügt Heike Tauber, Leiterin der Niederlassung Straguth der ABIKW, hinzu.

Auch im Wäschke Weg bescheinigte Zantop: zu wenig Platz. Teilweise fahren die Fahrzeuge in den Kurven über Grundstücksgrenzen. Ein Zaun und eine Straßenlampe sind bereits beschädigt worden, dazu Grünflächen und Hecken. "Auch hier ist in einigen Kurven der Sicherheitsraum nicht gegeben", stellt Zantop fest. "Für uns ist es wichtig, dass keine Personenschäden entstehen, denn dafür haften wir", macht Zantop nochmals die Rolle der Berufsgenossenschaft deutlich. Sowohl in den Großen Klosterhof wie auch den Rosenwinkel fahren die Fahrzeuge bisher rückwärts rein - die größte Unfallquelle. "Diese Regelungen haben ihren Sinn. Ich besuche genügend Witwen", macht Zantop deutlich.

Die Änderung der Abfuhrtage war eine erste Idee, die Eckelmann am Ende der Besichtigung laut aussprach. Für die betroffenen Straßen könnte ein spezieller Abfuhrtag eingerichtet werden, an dem in einem bestimmten Turnus alle Tonnen gleichzeitig abgeholt werden. "Aber über die einzelnen Möglichkeiten werden wir uns erstmal intern beraten müssen."

Am Ende konnte dennoch ein Kompromiss gefunden werden. Bis zur Aufsichtsratssitzung der ABIKW am 7. Juni wird der Müll im Großen Klosterhof und Wäschke Weg vor der Haustür abgeholt. "Dort werden wir den Sachverhalt diskutieren und alle betroffenen Anwohner über die Ergebnisse schriftlich informieren", resümiert Eckelmann.

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