Grabow/Ziegelsdorf. Es ist geschafft: Die erste Telegrafenattrappe im Jerichower Land wurde am Freitagnachmittag in Ziegeldorf ihrer Bestimmung übergeben. Dazu waren mehr als 100 Besucher gekommen, die von Ortsbürgermeisterin Karola Pöschl, Heimatvereinsvorsitzendem Jörg Stiller und Projektleiter Torsten Wambach begrüßt wurden.

Die Telegrafenattrappe ist eine etwa zehn Meter hohe, voll funktionsfähige Nachbildung der optischen Signalanlage der "Königlich-preußischen optischen Telegrafenlinie Berlin - Koblenz". Die Flügel sind wie das historische Vorbild verstell- und justierbar. Auch ein Blitzableiter wurde montiert. "Viele Details konnten nur anhand von Bildern nachgebaut werden. Deshalb ist es eine handwerkliche Meisterleistung von Schlosser Manfred Rulff aus Grabow, was hier geschaffen wurde", würdigte Torsten Wambach.

Der Heimatverein Grabow hatte sich mit diesem Projekt das Ziel gesetzt, ein technisches Denkmal zu errichten, das das touristische Angebot der Stadt Möckern und des Landkreises Jerichower Land bereichert. Ein großes Interesse zeigt schon jetzt, dass dies vollends gelungen ist. In den beiden Schaukästen finden die Besucher viele detallierte Angaben und Informationen.

Zur feierlichen Einweihung wurden nicht nur die Zeichen für "2011" eingestellt. Es stiegen auch elf Brieftauben, symbolisch für Station Nr. 11, in die Lüfte auf. Vielleicht wird die Vision, hier irgendwann wieder Telegramme im historischen Stil zu übertragen, in ferner Zukunft doch noch einmal Wirklichkeit.

Die Kindertagesstätte "Bussi Bär" aus Grabow führte ein kleines Programm auf. Darin sangen die Mädchen und Jungen auch das "Telegrafenlied", geschrieben von Lore Wilkerling aus Berlin.

Holger Maier, Hauptamtsleiter der Stadt Möckern, überreichte Torsten Wambach ein Gästebuch, in dem sich künftig die Besucher der Telegrafenattrappe eintragen können. Landrat Lothar Finzelberg, der mit dem Verein Pro Jerichower Land die Entwicklung begleitete, findet es "immer wieder schön, wie sich Leute in vielen, Projekten ehrenamtlich engagieren". Auch Genthins Bürgermeister Wolfgang Bernicke zeigte sich sehr angetan von dem Vorhaben. Begeistert war Möckerns Stadtrat Reinhard Baenke, der mit dem Fahrrad angereist war. "Es ist einfach toll."

Seit dem vergangenen Jahr gibt es in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Jerichower Land geführte Telegrafentouren. Die nächste findet am 31. Juli statt und führt nach Biederitz.

Im Jerichower Land gab es entlang der "Königlich-preußischen optischen Telegrafenlinie Berlin - Koblenz" von 1833 bis 1849 vier Stationen: Station Nr. 10 in Dretzel, Station Nr. 11 in Ziegelsdorf, Station Nr. 12 in Schermen und Station Nr. 13 in Biederitz. Insgesamt gab es 62 Stationen entlang der fast 600 Kilometer langen Linie von Berlin bis nach Koblenz.

In Zukunft wird der Heimatverein Grabow mit seinem Projektleiter Torsten Wambach in den Monaten April bis Oktober jeden zweiten Sonntag im Monat in der Zeit von 14 bis 17 Uhr einen offenen Telegrafentag veranstalten.

Am 12. Juni wird es so den ersten offenen Telegrafentag geben. "Dann kann nach Herzenslust mit der Telegrafenattrappe telegrafiert werden", kündigte Torsten Wambach an. Sitzgelegenheiten und ausreichend schattige Plätze sind vorhanden. Im Ortsteil Ziegelsdorf ist der Weg zur Telegrafenattrappe ausgeschildert.

Außerdem ist geplant, die eingestellte Flügelstellung der Attrappe alle zwei Wochen zu wechseln. Torsten Wambach: "Im benachbarten Schaukasten kann dann jeder jederzeit die Bedeutung des eingestellten Zeichens nachlesen."

Auch das mdr-Fernsehen hat einen Film über die alte Telegrafie-Route gedreht. Das Kamerateam begleitete die beiden Hobbyhistoriker Peter Fuchs und Torsten Wambach von der Station Neuwegersleben in der Börde bis zur neuen Telegrafenattrappe in Ziegelsdorf im Jerichower Land. Gesendet wird dieser Film am 8. Juni um 21.15 Uhr in der Sendung "Waehle Madeleine" mit Madeleine Wehle.

www.optischerTelegraph4.de

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