Am Pfingstmontag, 13. Juni, wird der diesjährige "Deutsche Mühlentag" landesweit wieder viele Besucher animieren, einen Blick in alte Mühlen zu werfen. In der Zerbster Frauenmühle wird dies schon einen Tag früher möglich sein. Wie gewohnt leitet Müllermeister Günther Zacharias die Führungen - zum letzten Mal.

Zerbst. 1999 war es, als Günther Zacharias erstmals bei einer Führung durch die Zerbster Frauenmühle die Besucher in die Welt des Müllerhandwerks mitnahm. Das Besondere: Er ist ein Mann vom Fach. Als gelernter Müllermeister, der 2004 sein 50-jähriges Meisterjubiläum feiern konnte, kann er Menschen die Mühle näher bringen, kleine Anekdoten erzählen, aus einem großen Fundus an Fachwissen schöpfen.

"Als sich in den 90er Jahren etwas an der Frauenmühle tat, bin ich dort mal vorbeigegangen", erinnert sich der 80-Jährige. Bei einem Blick konnte er es aber nicht belassen. Er trat näher an die Baustelle heran, versuchte so tiefe Einblicke zu erhalten, wie möglich. Dabei lief ihm Anne Handrich über den Weg, die mit ihrer Familie die Mühle samt Gebäude ausbaute. "Ich habe ihr meine Hilfe angeboten und später rief sie an." So kam die jahrelang vertrauensvolle Zusammenarbeit zustande, im Rahmen derer Günther Zacharias etliche Besucher durch die Frauenmühle führte.

"Es ist immer wieder schön diese interessierten Menschen zu sehen, wie sie Fragen stellen oder sich einfach erstaunt umblicken", sagt Zacharias. Dies wird auch in diesem Jahr wieder so sein, wenn der 80-Jährige zum letzten Mal Führungen durch die Mühle leiten wird.

Dabei stand früh fest, dass Günther Zacharias ein Müller wird. Schon sein Vater und sein Großvater waren Müllermeister - in Polen. Dort ist Zacharias 1930 geboren worden. In den Kriegswirren gelangte sein Vater nach Lindau und fand dort eine Anstellung als Müller. 1949 zog Günther Zacharias samt Bruder und Mutter hinterher.

"Dann habe ich hier mit der Lehre zum Müller begonnen", erzählt er und lacht. Er hatte sich als Umschüler für die Ausbildung gemeldet. Damit betrug damals die Lehrzeit statt drei Jahren nur 18 Monate. "Ich hatte zwar vorher nichts gelernt, aber es klappte." Der Lehrplatz war sicher und dann meldete sich der junge Mann freiwillig für vorgezogenen Prüfungen. "Meine Prüfer waren zwar nicht zufrieden, aber ich habe bestanden."

Nach der Ausbildung ging Zacharias auf "Wanderschaft". So arbeitete er in verschiedenen Mühlen in verschiedenen Orten - zuletzt in der Nuthaschen Mühle, in der mit sieben Arbeitskräften täglich rund zehn Tonnen Mehl gemahlen wurden. Großmühlen schaffen heute bis zu 1000 Tonnen am Tag. "Es war nicht, weil ich Lust hatte, zu ,wandern\'. Meister sahen es gerne, wenn man gewandert war. Man lernte das Handwerk in fremden Mühlen kennen."

Jahre später wechselte Zacharias den Beruf - betrieb Tankstellen in Zerbst. Bis nach sieben Jahren ein neues Angebot kam. Er sollte in seinem gelernten Beruf - dem Müllern - in der Futtermittelproduktion der LPG Gehrden arbeiten. Doch irgendwann machte die Gesundheit nicht mehr mit. Wieder standen Berufswechsel bevor. Die letzte Arbeitsstelle fand er in der PGH Kraftfahrzeuge. Das war Ende der 80er Jahre. "Vor dem Renteneintritt war ich fünf Jahre arbeitslos." Fünf geschenkte Jahre, wie Zacharias heute empfindet. "Damals war ich und meine Frau noch im Stande, vieles zu tun, was Anfang der 90er nun möglich war."

Mittlerweile ist Günther Zacharias 80 Jahre alt. Doch wenn das Gespräch auf Mühlen kommt, leuchten seine Augen voller Interesse auf. Bei Ausflügen wird noch oft so manche Mühle angefahren, die plötzlich am Wegesrand auftaucht.

Und das diese Berufswahl sogar bei der Rechtschreibung hilft, zeigte Zacharias Anruf in der Redaktion. "Wer zuerst kommt, mal zuerst", hieß es da in einem Satz. Doch der Müllermeister weiß: "Diesen Ausspruch hat Eike von Repgow im Sachsenspiegel niedergeschrieben. Es heißt ,mahlt zuerst\'. Es legt die Reihenfolge fest, wie die Müller das gelieferte Getreide zu mahlen hatten."

Im Übrigen: Führungen durch die Frauenmühle werden am Sonntag, 12. Juni, um 15 und um 16 Uhr angeboten. Viele Interessierte werden erwartet.