Die Zerbster Deponie soll noch in diesem Jahr eine Nachnutzung erhalten. Auf dem Gelände soll ein Solarpark entstehen. Heute entscheidet der Stadtrat darüber, ob für das Projekt der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt wird.

Zerbst. "Ich hoffe, dass ich Ende des Jahres an der Deponie vorbeifahre und dann die Module auf der Deponie im Sonnenlicht stehen sehe." Der Mann, der diese Hoffnung hegt, ist Fred Breternitz aus Roßlau. Der Makler hat das Projekt "Solarpark Zerbst", mit dem sich heute die Zerbster Stadträte beschäftigen, gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Ingo Zimmermann, einem Bauingenieur aus Freiberg in Sachsen, auf die Beine gestellt. "Ich bin oft im Raum Zerbst unterwegs und halte die Fläche für sehr geeignet, dort einen solchen Solarpark zu bauen", sagt Breternitz.

Auf 18 Hektar sollen die Module auf so genannten "Tischen" aus einer Leichtmetallkonstruktion aufgeständert werden. Sie werden parallel zur Pulsfordaer Straße in einem festen Winkel von 30 Grad zur Sonne nach Süden angeordnet werden.

Nach neuen Vorschriften sind Solarparks in dieser Größe nur noch auf so genannten Konversionsflächen vergütungsfähig. "Auf freien Ackerflächen dürfen Anlagen wie diese nicht mehr gebaut werden", sagt der Projektant.

Doch bevor auch nur ein einziges Solarmodul auf der Deponie seinen Platz findet, müssen die Stadträte heute Abend die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschließen. Erst dann kann ein Bauantrag für das Projekt überhaupt gestellt werden. Die Chancen dafür stehen gut, im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss ging die Vorlage einstimmig durch.

Breternitz und Zimmermann haben für ihr Projekt eine GbR gegründet. Sie wollen das Vorhaben an einen Investor verkaufen, der wiederum den Bau abwickelt und den notwendigen Vertrag mit dem Netzbetreiber zur Stromeinspeisung schließt. Über den Investor hält sich Breternitz noch bedeckt. Nur so viel will er verraten: Die Investitionssumme liegt im zweistelligen Millionenbereich.

Die Deponie gehört den Anhalt-Bitterfelder Kreiswerken. Nachdem sie bereits im Mai 2005 geschlossen wurde, folgte bis 2007 die Rekultivierung des Geländes. "Das Landesverwaltungsamt hat uns zur Auflage gemacht, für die Deponie eine Nachnutzung zu schaffen", erklärt Niederlassungsleiterin Heike Tauber. "Da die Kreiswerke kein Energieunternehmen sind, bieten wir nur die Fläche an." Mit dem Solarpark soll diese Auflage nun erfüllt werden. Wie Fred Breternitz erklärte, wird der Investor mit den Kreiswerken einen Pachtvertrag über mindestens 20 Jahre schließen. Die Anlage könnte sich, so der Projektant, nach 12 bis 15 Jahren amortisiert haben. Das hänge vom "Sonnenertrag" ab. Gefördert wird die "grüne" Stromproduktion durch das Erneuerbare Energien-Gesetz für 20 Jahre plus das Jahr, in dem die Anlage ans Netz geht.

Nach bisherigen Planungen, die ein Büro aus Köthen für die Projektfirma macht, soll der Solarpark eine Leistung zwischen 6 und 7 Megawattpeak haben und damit bis zu 6,9 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit ließen sich 2000 Vier-Personen-Haushalte versorgen.

Einen entsprechenden Einspeisungsvertrag kann der Investor mit dem Netzbetreiber, in Zerbst sind das die Stadtwerke beziehungsweise Eon.Avacon, schließen, wenn der Bauantrag gestellt wurde."Wenn auch die geplante Anlage auf dem Flugplatz am Netz ist, könnten wir gemeinsam halb Zerbst mit erneuerbaren Strom versorgen", ist Breternitz optimistisch.