Heute zeichnet die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau ehrenamtliche Prüfer aus, die seit 20 Jahren in den Kommissionen mitarbeiten. Einer dieser Prüfer kommt aus Zerbst. Peter Müller nimmt seit 20 Jahren bei jungen Industriemechanikern die Prüfung ab.

Zerbst. Mit energischen Schritten geht Peter Müller durch die Hallen der Werkzeugmaschinenfabrik (Wema) in Zerbst zu seinem Arbeitsplatz. Peter Müller ist seit 1978 Ausbilder für Industriemechaniker. In all den Jahren hat er die Hochs und die Tiefs der früheren Wema, die heute zum Emag-Konzern gehört, erlebt. Viele der Mitarbeiter, die Müller beim Gang durch die Hallen begrüßt, haben ihr Handwerk bei ihm gelernt.

Vor 40 Jahren war Müller selbst einer dieser Lehrlinge der Wema. Maschinenanlagenmonteur nannte sich der Beruf damals, der heute Industriemechaniker heißt. Doch in Zerbst hielt es den jungen Mann zunächst nicht. Er ging zur See, wurde Schiffsbetriebsmonteur. Und kam schließlich doch 1978 zur Wema zurück. "Ich wurde Ausbilder und habe dann ein Fernstudium in Magdeburg als Maschineningenieur gemacht", sagt der heute 57-Jährige.

Nach der Wende blieb er der einzige Ausbilder bei der Wema. Zuletzt wurden nur noch Industriemechaniker ausgebildet. Das war die Zeit, als sich Müller als ehrenamtlicher Prüfer bei der IHK meldete. "Ich wollte in andere Betriebe schauen", erklärt er seine Beweggründe. "Ich wollte sehen, wie andere arbeiten und die Erfahrungen für uns nutzen." Der berühmte Blick über den Tellerrand hat sich inzwischen verkehrt, sagt Müller mit Stolz in der Stimme. "Heute wollen die anderen von uns lernen."

1994 stieg die Emag-Gruppe bei der Wema in Zerbst ein. "Auf die Ausbildung wird besonderer Wert gelegt", weiß Müller. Seitdem werden wieder Industriemechaniker, Elektroniker und Zerspaner ausgebildet. Neben Müller sind auch Thomas Krenzler und Holger Bustro für Theorie und Praxis zuständig. Die beiden sitzen ebenfalls in der IHK-Prüfungskommissionen ihrer Bereiche.

Die drei Ausbilder sind verantwortlich für die Auswahl der Bewerber. "Die Geschäftsleitung vertraut uns da", sagt Müller. Und bisher haben die Männer nicht oft daneben gelegen. Laut Müller hätten bisher nur zwei Lehrlinge ihre Ausbildung vorzeitig abgebrochen. "Wir haben wegen unseres guten Rufs auch eine gute Auswahlmöglichkeit." Es bewerben sich Realschüler und Abiturienten. Vor allem in den Naturwissenschaften sollten die Noten gut sein. "Wer eine 4 in Physik hat, braucht mit Elektronik gar nicht erst anzufangen", sagt Müller. In den vergangenen Jahren hätten sich die Leistungen verschlechtert. Und die geburtenschwachen Jahrgänge sorgen jetzt für Bewerbermangel. "Im Elektronikerbereich haben wir noch eine freie Lehrstelle." Neben den schulischen Leistung hätten auch die weichen Faktoren bei den Bewerbern nachgelassen. "Pünktlichkeit ist so eine Sache", so Müller. Und das "Guten Morgen" und die Tatsache, dass Hände nichts in den Hosentaschen zu suchen haben, scheint nicht jeder zu kennen. Aber darauf legen Müller und seine Kollegen Wert.

Dass die Wema-Lehrlinge - jährlich sind es zehn - von dieser Art der Ausbildung profitieren, zeigen die Prüfungsergebnisse bei der IHK. "Jedes Jahr sind unsere Schüler unter den Besten, schlechter als eine zwei sind sie fast nie", sagt Müller. Der Lohn für die Mühe in der dreieinhalbjährigen Ausbildung ist die Übernahme. Nur in den Krisenjahren 2009 und 2010 wurden nicht alle Lehrlinge übernommen. Insgesamt fünf musste der Betrieb verabschieden.

Zur heutigen Auszeichnung als ehrenamtlicher Prüfer wird Peter Müller nicht anwesend sein. "Mir ist ein wichtiger Termin dazwischen gekommen. Aber über die Ehrung freue ich mich sehr", sagt der 57-Jährige bescheiden. Gezählt hat Müller sie nicht, aber er schätzt, dass er 200 Lehrlingen ihr Handwerk beigebracht hat.

"Er ist ein souveräner Lehrer, der weiß, was er kann", sagt einer von ihnen. Christian Berger absolviert einen Teil seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker bei Siro Blechbearbeitung unter der Aufsicht von Müller. "Von seiner Erfahrung und dem Wissen kann man nur profitieren."