"Artenvielfalt im Bauerngarten und auf der Streuobstwiese" heißt das Projekt, das die Walternienburger Hortkinder derzeit im Umweltzentrum (UZ) Ronney absolvieren. Seit Anfang März beobachten sie alle zwei Wochen begeistert, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Während der 18 Veranstaltungen erleben sie die Natur mit allen Sinnen.

Ronney. Herzhaft beißen Paula, Hanna und Josie in die roten Rettiche und müssen lachen. "Scharf", meint Paula. Die Schnittlauchblüten waren schon würzig, jedoch gar kein Vergleich zu der knackigen Wurzel. Das einprägsame Geschmackserlebnis ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Erkundung der Artenvielfalt hier im Bauerngarten des Umweltzentrums. Überall grünt und blüht es und mittendrin wuseln lauter neugierige Nachwuchs- forscher umher.

Alle zwei Wochen, immer freitags, machen sich die 20 Hortkinder nach Ronney auf. Gut gelaunt spazieren sie von Walternienburg in den wenige Kilometer entfernten Ort an der Elbe hinüber, wo Karl Wegmann bereits mit einem Kräutertee auf die Grundschüler wartet. "Den Tee gibt es jedes Mal zur Erfrischung", berichtet der UZ-Mitarbeiter. Danach nehmen die Mädchen und Jungen die Veränderungen im Garten und auf der angrenzenden Streuobstwiese unter die Lupe. "Es geht darum, dass sie die Veränderungen miterleben", erklärt Karl Wegmann.

Die Erst- bis Viertklässler sind dazu in vier altersgemischte Gruppen aufgeteilt. Jede hat eine bestimmte Ecke im Blick. Die Kräuterspirale zum Beispiel. "Da wachsen Minze und Salbei", zeigt Maria. Gleich daneben liegt das Hügelbeet, das die Schüler mit verschiedenen Kohlsorten bepflanzt haben. Heute wird die Erntesaison eingeläutet. Kraftvoll ziehen die Kinder die ersten Kohlrabi aus der Erde.

Gedüngt wird übrigens voll biologisch. "Pflanzensaft gibt Pflanzen Kraft", tönt es im Chor aus den jungen Kehlen. Unterdessen hebt Hanna den Deckel von einem riesigen alten Topf an. "Da sind Brennnesseln drin", blickt das blonde Mädchen auf den angesetzten Sud. "Und was stellen wir hier her?", führt Karl Wegmann die Kinder zum Komposthaufen. Nach kurzem Grübeln folgt die Antwort: "Schwarzes Gold".

Wörterbuch erzählt von allen Entdeckungen

Doch auf dem Gelände gibt es noch viel mehr zu entdecken. Das Insektenhotel zum Beispiel, das die verschiedensten Bewohner hat. Andere Tiere ziehen den Reisighaufen vor. Überall gibt es für die Schüler Interessantes aufzuspüren. Und wer beobachtet, hat Fragen. So lernen die Schüler ganz nebenbei allerhand Wissenswertes über die heimische Natur. Vieles erläutert ihnen Karl Wegmann, anderes schlagen sie selbst in den ausliegenden Bestimmungsbüchern nach. "Das ist ein schwarzköpfiger Breithalsläufer", hält Nicola eine Becherlupe hoch, in der ein Käfer umherkrabbelt.

Von dem sechsbeinigen Fund erzählt auch die abgerollte Tapete, auf der die Mädchen und Jungen alles aufmalen, was ihnen begegnet. Daneben haben sie bereits "Rindengesichter" angefertigt. Dazu pressten sie Papier an einen Baumstamm und fuhren anschließend mit Wachsmalstiften über die hölzerne Struktur. Außerdem sind die wissbegierigen Kinder dabei, ein "Bauerngarten-Streuobstwiesen-Wörterbuch" zu erstellen. Alphabetisch wird es alle Tier- und Pflanzenarten auflisten, auf die die eifrigen Entdecker stoßen. Und bei dem Elan, mit dem die Schüler da herangehen, wird es wohl ein umfangreiches Werk werden. Denn es ist offensichtlich, dass ihnen das Projekt Spaß macht. So haben sie auch gern mitgeholfen, auf den Gartenwegen das Stroh aufzuschichten, auf dem sie nun nach getaner Forschungsarbeit entspannen.

"Das Projekt läuft im Rahmen der Umweltbildung sowie der nachhaltigen Bildung", erklärt derweil Ramona Schmied Hoboy, das es vom Land und der EU mitfinanziert wird. Einen gewissen Eigenanteil zahlen die jungen Teilnehmer selbst. Das Ziel besteht vor allem darin, den Kindern Handlungskompetenzen zu vermitteln. Sie sollen befähigt werden, eigene Entscheidungen zu treffen, wie die Leiterin des Umweltzentrums ausführt.

Und das tun sie an diesem Nachmittag. Begeistert stürzen sich die Mädchen und Jungen auf die zierlichen Pflänzchen, die Karl Wegmann verteilt. "Das schmeckt ganz süß", schwärmen die Schüler, nachdem sie vom soeben geernteten Kohlrabi genascht haben. Nach der leckeren Kostprobe wollen sie das Gemüse daheim selbst anpflanzen.

 

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