Deetz. Eine RT 125/3 in cremefarbener Lackierung hat zu DDR-Zeiten kaum jemand zu Gesicht bekommen. Die Motorräder sind hauptsächlich für das Ausland produziert worden. Selbst Maschinen mit grüner oder roter Lackierung waren in der Republik meist nur dann zu haben, wenn sie einen Fehler hatten und nicht exportiert werden konnten. Der DDR-Bürger musste mit tristem Schwarz Vorlieb nehmen.

Aus nächster Nähe zu sehen gibt es die cremefarbene RT 125/3 am Sonnabend nach Himmelfahrt bei der Motorradausstellung des Deetzers Herbert Piskol. Er besitzt so ziemlich jedes Motorrad, das zu DDR-Zeiten gebaut worden ist. Zwar hatte er bereits vor der Wende mit dem Sammeln begonnen, richtig los ging es aber erst danach. Viele Besitzer hatten damals kein Interesse mehr an ihren Motorrädern.

Mit der Simson die erste Freundin abgeholt? Mit der MZ in den Urlaub in die Sächsische Schweiz gefahren? Mit dem Pitti immer sicher zur Arbeit gekommen? Bei der Motorradausstellung werden Erinnerungen geweckt. Ob BK, Sport- und Touren-AWO, RT 125, MZ, ES oder EMW, das seien alles "Bomben-Motorräder" gewesen, schwärmt Herbert Piskol, der sich mit der Materie schon sein Leben lang beschäftigt. 1949 waren in Zschopau die ersten Maschinen für die DDR gefertigt worden. Bis dahin hatte man ausschließlich für das Ausland, also die Sowjet- union, produziert.

Hoffen auf gutes Wetter

An die 150 Maschinen werden am 15. Mai präsentiert. Allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt. "Wenn es regnet, fällt die Ausstellung aus", sagte Herbert Piskol ganz klar. Die Motorräder seien einfach zu schade, um sie dem Niederschlag auszusetzen.

Dann können die Besucher auch nicht die cremefarbene RT 125/3 in Augenschein nehmen. Herbert Piskol baut das Motorrad, Baujahr 1963, seit knapp zwei Monaten originalgetreu wieder auf. Bei Null hat er angefangen. Bis Sonnabend will er fertig sein. Das Motorrad entsteht aus gebrauchten und aufgearbeiteten Ersatzteilen. Teilweise hat Herbert Piskol die Teile auf Lager, teilweise hat er sie auf speziellen Ersatzteilmärkten zusammengesucht. Der Motor ist überholt.

Seine beiden Söhne Steffen und Jan sowie deren Kumpels helfen ihm an Himmelfahrt und Freitag die mehr als 150 Maschinen für die Ausstellung flott zu machen. Liebhaber, die Gefallen an einem Motorrad finden, das Herbert Piskol doppelt hat, können mit ihm ins Geschäft kommen. Jedoch nicht zur Ausstellung, die dient nur zum Gucken, Staunen und Erinnern.