Die Elbaue bildet derzeit die idyllische Kulisse für die inzwischen 21. Jugendmodellflugtage. Doch nicht nur den Nachwuchs zieht es alljährlich nach Steutz. Seit 2003 findet zum Auftakt der bevorstehenden Wettbewerbe das Traditions-treffen der Modellflieger statt. Dann fachsimpeln grauhaarige Männer über ihr liebstes Hobby und geben der jüngeren Generation wertvolle Ratschläge.

Steutz. An den Wänden im Speiseraum des Steutzer Landjugendheims hängen unzählige Fotos. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen erinnern an frühere Flugmodell-Wettbewerbe. Die Bilder zeigen junge Männer, die glücklich ihrem Lieblingssport nachgehen. Einige von ihnen sitzen nun plaudernd an den Tischen. In Gespräche vertieft lassen sie sich das Abendbrot schmecken. Längst sind ihre Haare ergraut, eines allerdings ist gleich geblieben: die Liebe zum Modellflug.

"Wenn einen diese Leidenschaft einmal gepackt hat, lässt sie einen nicht mehr los", sagt Günter Besser aus dem sächsischen Niederwartha (bei Dresden). "Ich bin in Görlitz geboren und am Flugplatz aufgewachsen", erzählt der 63-Jährige, wie sein Interesse für das vielseitige Hobby geweckt wurde. "Es ist für mich eine fantastische Ausfüllung der Freizeit. Man eignet sich handwerkliche Fähigkeiten an und findet ein herrliches Verständnis zur Technik."

Er selbst erlernte die Grundlagen des klassischen Modellbaus damals in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), bevor er bei verschiedenen Wettbewerben an den Start ging. "Hier in Steutz habe ich einmal die Qualifikation für die DDR-Meisterschaft erreicht", blickt Günter Besser mit leuchtenden Augen zurück. Anfang der 1980er müsse das gewesen sein, kann er sich nicht mehr ganz genau erinnern.

Nun ist er wieder in die Elbaue zurückgekehrt. "Im vorigen Jahr habe ich von den Traditionstreffen erfahren", erklärt der 63-Jährige. Die Idee, sich zusammenzufinden und über alte Zeiten und gemeinsame Erlebnisse auszutauschen, begeistert ihn. "Das, was Wolfgang Albert da organisiert, ist eine fantastische Sache", findet Günter Besser. Dank des Engagements des Vorsitzenden des Zerbster Flugmodellsport- und Freizeitclubs erlebt das beliebte zweitägige Treffen dieses Jahr seine neunte Auflage.

Zu denen, die ebenfalls das erste Mal daran teilnehmen, gehört Hans-Jochen Schroll aus Riesa. Wie Günter Besser ist der 70-Jährige gebürtiger Görlitzer. Auch er genießt das Wiedersehen alter Bekannter. Denn wie Beide betonen, zeichnet sich der Flugmodellsport durch Kameradschaft und Teamgeist aus. "Da entstehen Freundschaften fürs Leben", bemerkt Hans-Jochen Schroll lächelnd. Er hält ein Segelflugmodell mit knapp drei Meter Spannweite in Händen. "Ende der Siebziger gab es den ersten Baukasten mit Polyesterrumpf für die Klasse F3B. Ulrich Meyer aus Suhl hat das Modell entworfen", erläutert der 70-Jährige, der noch als selbständiger Goldschmied tätig ist. "Vor fünf Jahren habe ich wieder mit Modellfliegen angefangen", schildert er, wie er sich seinem früheren Hobby entsann.

Auch der Dessauer Wolfgang Seymer erzählt von einer längeren Pause. Als Jugendlicher zeigte ihm sein damaliger Physiklehrer, ein passionierter Bodenpilot, wie man Flugmodelle steuert. "Vor sieben Jahren hat es mich wieder eiskalt erwischt", erklärt der 63-Jährige schmunzelnd. Auslöser war ein Flieger, den ihm sein Bruder schenkte. "Da habe ich es intensiv fortgesetzt." Und nicht nur das. Im Modellflugclub "Hugo Junkers" Dessau-Rodleben bemüht sich der frisch gebackene Rentner um die Jugendarbeit.

Er hat inzwischen ein Modell konstruiert, das ungeübte Kinderhände schnell nachbauen können. Ebenfalls vorhanden ist ein so genanntes "Lehrer-Schüler-System", bei dem der Fluglehrer jederzeit helfend eingreifen kann. Zudem ist dank des Heimatvereins Kleinkühnau nicht nur ein geeigneter Raum gefunden worden. Mit den Tischen und Stühlen, die das Schulamt Dessau zur Verfügung stellte, kann jener jetzt auch für die geplante Nachwuchstruppe eingerichtet werden. "Nach den Ferien wollen wir Schulen ansprechen", sagt Wolfgang Seymer. Zugleich verweist er auf das Flugplatzfest, das der Verein am letzten Sonnabend im August in Rodleben veranstaltet. Interessierte Mädchen und Jungen ab zehn Jahren erhalten dort die Gelegenheit, ins Modellfliegen hineinzuschnuppern.

Dass die Nachwuchsgewinnung nicht einfach ist, wissen die Zerbster. Im Flugmodellsport- und Freizeitclub sind derzeit insgesamt 25 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aktiv - die Altersspanne reicht von drei bis 23 Jahre. Gerade 21 ist Robert Plettner, der seit Juni 2010 ihr Übungsleiter ist. "Es macht Spaß", erklärt der hochgewachsene Zerbster, der sich mit seinen Schützlingen unter die ehemals Aktiven gemischt hat.

www.modellbau-zerbst.de www.mfc-hugo-junkers.de

   

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